Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1857)
- Article
- London [Nachricht]
- Date
- 1857-06-01
- Page
- 489 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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י 489 unnörhigen Anrufung des Namens der Gottheit liege, und fügt hinzu, daß die von ihm beabsichtigten Abänderungen in der Eidesformel nur auf die nichtkatholischen Parlamentsmitglieder Bezug haben. Er sei nicht gesonnen, die zur Zeit der Katholiken-Ewancipation für die katholischen Parlamentsrniustieder festgestellte Eidesformel, umzustoßen. Seine Bill habe den Zweck, Christen der Nothwendigkeit zu überheben, einen Eid zu leisten, der ihrer Vernunft und ihren Gefühlen widerstrebe, und den Rest früherer Vorurtheile durch Aufhebung jener Stellen der Eidesformel zu beseitigen, welche der Aufnahme von Juden in das Haus der Gemeinen entgegenständen. In der neuen Eidesformel, welche er vorschlage, fei unter Anderm die Stelle, wo der Schwörende jede reservatio mentalis ableugne, ausgelassen. Auch die Worte: ״auf den wahren Christen-Glauben" seien in der neuen Formel nicht enthalten. Sir F. Thesiger erklärt, er werde sich der Einbringung der Bill nicht widersetzen. Da sich aber seine Ansicht in Bezug auf die Zulassung der Juden zum Parlamente nicht geändert habe, so werde er später den Gesetzentwurf ernstlich bekämpfen. Die Erlaubniß zur Einbringung der Bill wird nach einer kurzen Debatte ertheilt. Eine Resolution des Hauses, den Juden, gleich den Quäkern, eine ihrem Bekenntniß entsprechende Eidesformel vorzuschreiben, wäre offenbar der kürzeste und sicherste Weg zur Emanciparion der Juden, und es ist nicht leicht zu sagen, warum er seit Jahren so beharrlich vermieden wird. Wenn diesmal nicht außerordentliche Einflüsse ins Spiel kommen, steht die Verwerfung der Bill im Oberhause so gewiß wie immer bevor. — 18. Mai. Die ״Morning-Post" sagt, das Oberhaus werde die Bill für Abänderung des Parlaments-Eides, zu Gunsten der Zulassung der Juden, mit einer kleinen Majorität annehmen. Die ״Post" (bekanntlich eben so toryistisch in der heimischen wie whiggistisch in der auswärtigen Politik, und daher consequent Palmerstonisch) ״fürchtet", daß die Judenbill diesmal doch endlich Gesetz werden wird. Wenn diese Besorgniß mehr als schlaue Affectation ist, so können sich die Reformfreunde Glück wünschen, da man annehmen darf, daß die ״Post" über die Chancen der Bill im Oberhause und über die Einflüsse, die der Premier daraus spielen zu lassen denkt, mehr Andentungen als ein anderes Organ erhalten haben wird. Aus dem mittäglichen Frankreich, 18. Mai. Wie sehr die Gleichstellung der Israeliten in Frankreich in alle Verhältnisse des geistlichen und gesellschaftlichen Lebens übergegangen, bemerkte man auch wieder bei dem am 15. d. Mts. stattgehabten feierlichen Einzug des neuen .Erzbischofs in Aix. Von Seite des dortigen kaiserl. Gerichtshofes ward der Kammerpräsident desselben, der gelehrte Herr Bedarrides, einer der wackersten Israeliten Frankreichs, beauftragt, den Prälaten in einer Anrede zu begrüßen. Dieselbe machte einen großen Eindruck, indem sie sich durch Würde, Klarheit und tiefgefühlte Menschenliebe auszeichnete. (F. I.)