Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1857)
- Article
- Deutschland : Wien [Nachricht]
- Date
- 1857-06-01
- Page
- 489 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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489 Verleihung angemeldet, zugleich auch die Steuerbemessung angesucht, die auch wirklich erlheilt wurde. Mittlerweile kam ein unerwarteter Schlag. Das Bezirksgericht sprach die Confiscation sämmtlicher Grundstücke zu Gunsten ves Armenfonds aus. Die Betreffenden, deren ganzes Vermögen in diesen Grundstücken liegt, wandten sich in ihrer Noth an die Statthalterei, die sogleich die Coufiscation aufhob mit dem. Bedeuten, innerhalb eines Jahres diese Grundstücke zu veräußern oder sich daS Erwerbungsrecht zu erwirken. Dagegen soll nun das Bürger-Amt der׳ Stadt Tachau zu Gunsten des Armenfonds an das Ministerium recurrirt haben, indem es Consiscirung aufrecht erhalten will. (N.-Z.) Hannover. Nach der jüngsten Volkszählung befinden sich im Königreiche 11,452 Seelen jüdischer Religion; so berichtet die H. Z. Westerburg, im Juni. Unser kleines Ländchen Nassau, deflen Juden auswärts hier und da als indifferent verschrieen sein mögen, zählt dennoch auch viele Gemeinden, die es mit dem Glauben ihrer Väter treu und redlich meinen. Die hiesige Gemeinde, welche circa 30 Familien zählt, hat wohl hier und da ein Gemeindeglied, welches sich von Allem, wo es heißt, für's Gute in die Schranken zu treten, zurückzuziehen sucht, aber im Allgemeinen herrscht doch hier ein acht jüdischer Geist. — Schreiber dieses ließ im Januar d. I. eine Aufforderung zur Gründung einer חברה für גמילות חסד ergehen, und mit warmem Eifer Unterzeichnete man die Statuten, kommt regelmäßig zu den. mit der חברח verbundenen religiösen Vorträgen und. erfüllt mit Pünktlichkeit alle Verpflichtungen, die den Bereinsmitgliedern obliegen. Trotz der Hindernisse, die dem Fortbestand der חברח von einigen Mitgliedern der Gemeinde entgegengesetzt werden, wird sich dieselbe mit Gottes Hülfe einer langjährigen Dauer erfreuen. Als man in diesen Tagen für eine bedrängte Familie eollektirte, war es eine Freude, derselben eine annehmbare kleine Summe, durch die Mildthätigkeit der hiesigen Gemeinde gesammelt, zustellen zu können. Ebenso betheiligte man sich hier und in der Umgegend im vorigen Jahr bei der Sammlung für die noch leidenden Glaubensgenossen in Jerusalem. Wohl könnte manches reiche Gemeindeglied für gute und edle Zwecke mehr stiften als dieses der Fall ist, wenn es bei ihnen nur nicht an gutem Willen fehlte, und sie mehr Sinn für's Gnte hätten. — Die hiesige Gemeinde, welche keinen eignen Begräbnißplatz besitzt, beerdigt ihre Todten vielleicht seil undenklicher Zeit in einem Wald. Der Todtenacker ist weder begrenzt, noch umzäunt, noch ist er wie angegeben Eigenthum der Gemeinde (man zahlt einen jährlichen Pacht). H^te unter den vorliegenden Verhältnissen eine so zahlreiche, nicht arme Geweinde nicht schon längst Bedacht nehmen sollen, sich einen Todtenhof als Eigenthum anzukaufen? Wir mögen nicht daran denken, daß vielleicht bald die dort stehenden 150 Jahre alten Bäume gefallt werden, wodurch sämmtliche Gräber demolirt werden müssen. I. Gabriel, Religionslehrer.