Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1857)
- Article
- Brief des Dr. Illowy, Ehrw., an Dr. Lilienthal, Ehrw., Rabbiner zu Cincinnati, aus dem Occident
- Date
- 1857-06-01
- Page
- 475 (sequence 8)
- Language
- German
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475 aus dem Occident. nicht der Majorität zum Bösen. Warum streust du dem Zeitgeist Weihrauch, beugst dich vor einem Ktkajon, das in der Nacht entsteht und in der Nacht vergeht und hast keine Achtung vor der Wahrheit, die für immer besteht? Antworte mir, warum wandelst du im Finstern und hüllst deine Schritte in Dunkel? Schleicht Reines im Finstern? Warum gehest du nicht geradezu durch die offene Pforte. wie ein redlicher Mann, der keinen Trug im Herzen hat? Nur der Dieb schleicht durch die Hinterthür und scheut das Licht der Sonne; so sind auch deine Schritte der Erkenntniß des Volkes verborgen, Saducäer nennen dich Pharisäer, und Pharisäer einen Saducäer. Warum sprichst du zu Israel nicht wie ein redlicher Mann, der keinen Menschen fürchtet, der Furcht nicht kennt und dessen Worte aus dem Herzen quillen? Sieh' doch, Bruder! seitdem du nach Ciucinati gekommen, hast du nur Unheil gebracht und nichts Gutes gestiftet. Statt der Freundschaft hast du ihnen Feindschaft, statt der Eintracht Haß und Zwietracht gebracht, hast Streit und Zwist zwischen Jude und Jude angeregt, und den Bruder vom Bruder getrennt; der Sohn steht dem Vater gegenüber, die Schwiegertochter der Schwiegermutter und das jüdische Lager ist in zwei Lager getheilt, das eine bleibt gerettet, das andere wird mit Blindheit geschlagen. Deine Worte, mit welchen du zuerst bei ihnen auftratest, sind ja gedruckt und liegen offen, da trittst du wie ein gewappneter Kriegsheld auf mit Speer und Schild gegen die Reihen des Thanaim, schwingst über die Amoraim dein Schwert, sie an einem Tage niederzumetzelu und sie mit einem Schlage in deinem Zorne zu vernichten, damit endlich das gefesselte Volk freier werde, die Bande des Talmuds gelost und den Blinden endlich die Augen aufgehen, das eiserne Joch von ihrem müden und gedrückten Halse abzuwerfen. Da erlaubtest du Vieles, das unsere Väter und alle unsere Weisen vor uns für verboten gehalten. So die Schwägerehe ohne Jibbum oder Chaliza; so, das Bartabnehmen mit dem Scheermesser; zu essen, zu trinken und frohlich zu sein an dem Tage, an welchem Israels Heiligthum gefallen; die Gebete in den vorgeschriebenen Formeln zu verstümmeln — und den jüdischen Stamm mit dem nichtjüdischen zu vermischen, wenn