Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 6 (März 1857)
- Article
- Rußland [Nachricht]
- Date
- 1857-03-01
- Page
- 323 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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823 mittheilt, erlaube ich mir, eine Notiz der Jllustrirten Zeitung vom 10. Januar zu geben. ״Ein Strafgesetz, veranlaßt durch die häufigen Gesetzesübertretungen der Juden, hinsichtlich der Lehrervorschriften, ist veröffentlicht worden, in Folge dessen die Melamdtm und Schullehrer und Vorbeter in den Synagogen unter strenger Aufsicht der Polizei und der Schulbehörde gestellt werden, damit sie nur vorschriftmäßig Festgestelltes lehren, und die finstereu, gehässigen und unmoralischen Lehren des Talmud verbannen, welche gestatten — Verrath Hinterlist nnb Betrug gegen die Christen anzuwenden."!! Ist denn in Polen unb Rußland Keiner, der es wagen darf und cs versteht, das Wort zu erheben, und das ganze Bodenlose solcher schwärzen Verleumdungen in voller Nacktheit darzulegen, Keiner der es vermöchte, diesem sichtbaren Einfluß verworfener Apostaten in den Weg zu treten, die das Urtheil der Negierung verwirren und ihren Maßnahmen Voraussetzungen an die Hand geben, deren Nichtigkeit nur noch von dem Hasse überboten wird, der in solchen Erfindungen seine Befriedigung sucht? Palästina. Jerusalem, Ende Dezember 5617. Von Herrn M. Sachs ist uns das nachstehende Schreiben zu gegangen, das wir vollständig der Oeffentlichkeit übergeben zu müssen glauben. Vielleicht trägt es etwas zur Aufklärung über Verhältnisse bei, deren richtige Würdigung aus der Ferne ungemein schwer bleibt. In Ihrer werthen Zeitschrift vom Monat Oktober l. I. ersieht man einen Artikel von Jerusalem eingesendet, welcher die traurige Lage Jerusalems mit tiefer Wehmuth schildert. Mit wenigen Worten auszudrücken, liegt leider die Schuld, wenn - man Jerusalem sobald in keinen blühenden Zustand erheben kann, auf beiden Seiten, nämlich sowohl auf Seiten der hiesigen Männer, die das Volk leiten, als auch der Vorsteher des hl. Landes im Auslande. Beweise könnten wir genug liefern, aber wir wollen nur Einen anführen: Denkt man im Auslande für Jerusalems Wohl eine Anstalt zu treffen, so fragt man nicht bei den religiösen Autoritäten der hiesigen Gemeinden: Handle ich der h. Thora gemäß, oder nicht; oder kann ich etwas daran ändern, damit mein Plan doch zu einem löblichen Resultate gelange? Dasselbe gilt auch von Seiten Jerusalems. So oft die Gelegenheit sich darbietet, daß eine Anstalt sollte ins Leben treten, so faßt man in der Schnelle Vorurtheile und macht falsche Schlüsse, welche gar gegen die h. Thora gerichtet sind. Beide Theile bleiben sich stets entfernt mit ihren Plänen, und endlich entstehen Mißbräuche, gegenseitige grundlose Feindseligkeiten, שנאח חנס, weil ein Theil den andern nicht versteht.