Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 6 (März 1857)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1857-03-01
- Page
- 321 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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321 Wir theilen bei dieser Gelegenheit ein Schreiben Alex. v. Humboldt's mit, welches der gefeierte Mann unlängst an Herrn B, B. Hirsch in Elbing, den Verfasser der ״Zeitspenden der Humanität" und der ״Reden und Betrachtungen" gerichtet hat, und worin er sich über das ausläßt, was für die religiöse Duldung und den Fortschritt des'Grundsatzes staatsbürgerlicher Gleichstellung noch zu thun ist. Das Schreiben lautet also: ״Ew. Wohlgeboren werden es nur meinem hohen Alter und meiner durch eine bedrückend zunehmende Correspondenz getrübten Lage zuschreiben, wenn ich Ihnen für Ihre die edelsten und darum freiesten Grundsätze wahrer Humanität verbreitenden Reden nur mit wenigen Worten meinen innigen Dank darbringe. Deren Verbreitung ist um so wünschenswert!) er, als im deutschen Vaterlande selbst die Fortschritte religiöser Toleranz und staatsbürgerlicher Gleichheit der Rechte eben nicht glänzend sind. Mit dem Ausdrucke der ausgezeichnetsten Hochachtung Ew. Wohlgeboren gehorsamster Berlin, 2. November 1856. A. v. Humboldt. Meiningen, 7. Februar. Vor einiger Zeit hatten sich die bis dahin zu Dreißigacker wohnhaften israelitischen Gebrüder Strupp bei dem Gemeinderath zu Meiningen um Ertheilung des Bürgerrechts beworben unb dabei in ihrem deßfallsigen Gesuche sich von freien Stücken erboten, resp. das Versprechen gemacht, ein eigenes Haus in der Stadt bauen und keinen offenen Laden halten, sondern nur Bankiergeschäfte treiben zu wollen. Auf diese freien Anerbietungen hin sagte ihnen die städtische Behörde das Bürgerrecht zu. Gestern wurde indeß dem hiesigen Gemeinderath ein Befehl des Staatsministeriums eröffnet, dahin lautend, daß den Gebrüdern Strnpp das Bürgerrecht ohne alle Bedingung und Bezugnahme auf Anerbietungen zu ertheilen sei. Unter diesen Umständen sahen sich die Stadtverordneten veranlaßt, das Gesuch der Strupp, sowie gleichzeitig das von vier anderen Israeliten abzuweisen. Die weiteren Vorgänge in der Sache sind leicht zu errathen. (Weim. Z.) Aus Mitteldeutschland, 18. Februar, wird der ״Allgemeinen Zeitung" geschrieben: Man ist in den diesseitigen jüdischen Kreisen erfreut über eine Nachricht aus dem Orient, wonach viele jüdischen Jünglinge sich bereit erklärt haben, sich unter die Fahnen des Sultans zu stellen, und auf die Vergünstigung der Rajahs, sich vom Militärdienste loszukausen, zu verzichten. Mehemed Sadyk Pascha soll sich hierüber gegen eine jüdische Notabilität sehr befriedigt ausgesprochen und die Versicherung hinzugefügt haben: er werde Alles aufbieten, um in den Juden den militärischen Geist wieder anzusachen, welcher der Stolz unb der Ruhm ihrer Väter gewesen. — Noch mehr haben dem Selbstgefühl der altteftamentlichen Bekenner die zwei Nachrichten aus Sardinien geschmeichelt, wonach in Turin ein jüdischer Rechts-