Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1856)
- Article
- Galizien : Brody [Nachricht]
- Date
- 1856-12-01
- Page
- 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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162 erhoffende Reducirung der Militärdienstjahre werden dem Kriegsdienste einen Lheil seines Schreckens nehmen und ihm weniger unfreiwillige Glieder zuführen. Telegraph und Eisenbahnen heben die Entfernungen auf, multipliciren die Kräfte, erleichtern die Bewegungen, schieben mit enorm reducirten Mitteln und wenig Zeit Armeen aus Norden nach Süden, ihren Bedarf mitrollend und eben so schnell ergänzend. Rußland wird in wenigen Decennien, wenn es von Kriegen verschont bleibt, die Vorthcile, die Erfindungen und Entdeckungen der Civilisation mit den Säften und Kräften urwüchsiger Völker und produetenreicher Erdstriche vereinen. (Oestr. Z.) Wir würden uns glücklich schätzen, wenn diese von der Oestr. Zeit, gegebene Schilderung eines neuen Lebens in Rußland sich auch nur in ihren wesentlichen Theilen als mehr denn einen schönen Traum erwiese. Die Red. Der Orient. Aussichten für die Juden im Orient. Unter dieser Ueberschrift enthält I. C. einen lesenswerthen Artikel über die Zukunft unserer Brüder im Oriente. Auf Grund brieflicher Mittheilungen und mündlicher Reiseberichte sieht dasselbe die materiellen und geistigen Interessen dort im Aufblühen begriffen. Der Hatti-Humaium, wodurch die Gleichstellung unserer Brüder mit den übrigen Unterthanen der Pforte gesichert ist, der innigere Verkehr des Westens mit dem Osten überhaupt und der durch den russischen Krieg veranlaßte Zufluß von Kapitalien, alle die durch die Bewegungen in der Türkei und der Krimm bewirkten Ereignisse seien nicht ohne materiell und geistig wohlthätige Folgen für die orientalischen Juden geblieben, und sollen sich namentlich die Gemeinden in Constantinopel eines wirklich sich bessernden Wohlstandes erfreuen, an den sich auch für die Interessen der Kultur und Bildung nicht unwesentliche Hoffnungen knüpfen ließen Nicht minder Erfreuliches bereite sich in Asien vor, wo namentlich die von einer englischen Gesellschaft beabsichtigte Anlegung einer ersten Eisenbahnstraße in dem klassischen Euphrat -Thale zu den kühnsten Aussichten berechtige. Die jüngste Reise des Herrn Albert Cohen habe erfreuliche Thatfachen ans Licht gebracht und erfreuliche Saaten für die Zukunft gestreut. In Constantinopel, Alexandrien und, wie geglaubt wird, auch in Cairo sollen jüdische Schulen bereits von der Energie und Intelligenz des Westens gegründet sein, die nicht ohne einflußreiche Folgen fürdietünftige Gestaltung der jüdischen Gemeinden im Osten bleiben. können. Zum erstenmale ׳ habe auch eine türkische Ordonnanz vor der jüdischen Gesetzrolle das Gewehr präsentirt, und so geringfügig, so federleicht auch dieses an sich gewichtlose Faktum ist, so zeige es doch ebenso wie eine in die Lust geworfene Feder die Richtung an, woher der Wind wehe, und lasse auf die Gesinnung schließen, die die türkische Negierung ihren jüdischen Unterthanen gegenwärtig zuneige. Außerordentlich seien ferner die Sympathien und hülfreichen Bestre-