Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1856)
- Article
- Deutschland : Kassel [Nachricht]
- Date
- 1856-12-01
- Page
- 161 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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161 geführt sind, nach dem katholichen Bischof und den protestantischen Superintendenten nunmehr auch der jüdische Landrabbiner seinen Platz zn finden haben würde. Es ist von der Consequenz derjenigen Abgeordneten der zweiten Kammer, welche für die Rechte ihrer israelitischen Mitbürger in die Schranken getreten sind, zu erwarten, daß sie in der nächsten Sitzung, wo der §. 41 zur Berathung kommt, es nicht dersäumen, auf die Ausfüllung dieser Lücke in der Berfassungsurkunde bei Zeiten Bedacht zu nehmen. Welche Ansicht die erste Kammer über diesen Gegenstand haben wird, läßt sich nicht vorausbestimmen, da in dieser der Beschluß über den §. 20 überhaupt noch ansgesetzt ist, doll dürfte die Betrachtung, daß durch einen solchen Zuwachs die Gefahr der eintretenden Beschlußunfähigkeit wieder um einen Grad ferner gerückt ist, mindestens ein Mandat dafür abgebcn, diese Verstärkung des kirchlichen oder geistlichen Elements willkommen zu heißen. (Bei Berathung des § 41 kam diese Consequenz, hinsichtlich der Vertretung der jüdischen Kirche in der ersten Kammer, nicht zur Sprache. Es wird aber wohl ohnehin diese ganze von der zweiten Kammer in so erfreulicher Weise den Rechten der Juden gezollte Anerkennung für jetzt ohne alle Folgen bleiben, da inzwischen bereits von der ersten Kammer der Genuß der staatsbürgerlichen Rechte an die Bedingung des christlichen Bekenntnisses geknüpft worden und somit die Hoffnung der kurhessischen Juden wiederum zu Grabe getragen ist.) Galizien. Brody, 26. Nov. Seit dem Regierungsantritte Kaiser Aleranders weht ein neues Leben, ein milderer Hauch durch Rußland. Alles, was früher nur scheintodt gelegen, .lebt aus der langen Erstarrung wieder aus, denn der gegenwärtige Czar, dem schon als Kronprinz der günstige Ruf ins Volk voranging, hat den Schrecken aus seiner Regierung verbannt, an dessen Stelle die Milde weit bessere Resultate fördert. Der Weg zum Throne ist jetzt freier geworden, und deshalb die Beamten humaner und die Gerechtigkeit im Lande weniger selten geworden; Katholicismus und Hebräismus, zwei CulLcn ewiger Anfeindung in einem Lande, in dem der Kaiser Papst und dessen Kirche so gerne Proselyten zu gewinnen suchte, erfreuen sich nun einer Toleranz, die dem Staate mehr Herzen zuführt, als die frühere Unduldsamkeit der Kirche Seelen zu erobern pflegte. In dem mit Rom projectirten Concordate tagt den Katholiken eine bessere Zukunft, während andererseits die Stellung der Juden in Rußland durch Eröffnung gut dotirter unb . bevorrechteter Bildungsinstitute, durch den offenen Zutritt zu Staatsdiensten für jüdische Aerzte und Advokaten, durch die Einberufung jüdischer Notablen nach Petersburg, sowie durch Befreiung vom Kriegsdienste für die Dauer von fünf.Jahren eine viel bessere geworden. Ueb«ndieß hat der jüngste Krieg eorrupte Verwaltungen demaskirt und der Armee eine bessere Pflege und schnelleres Avancement gebracht. Die verminderten und die noch zu