Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1856)
- Article
- Österreich : Miawa (Nord-Ungarn) [Nachricht]
- Date
- 1856-10-01
- Page
- 47 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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47 Gegen Abend erreichte das lieblose und anschuldigende Gerede die Hallen der Gerechtigkeit, es wurde im Stuhlrichteramte bekannt, daß der Bursche fehle. — Die leiseste Störung in der gewohnten Ordnung genügt um die unermüdete Thätigkeit des k. k. Stuhlrichters Hrn. Wil- Helm Baumann zu wecken. Ohne das absurde Gerede eines Weiteren zu beachten als daß er der Dummheit streng entgegentrat, faßte er sofort das Criminelle der Thatsache ins Auge und suchte mit bewundernswürdigem Scharfsinne die wahre Spur des Verbrechens. Der Meister wurde augenblicklich vorgeladen, und nachdem derselbe vernommen worden, wurden staute pecle die strengsten Nachsuchungen eingeleitet. Der t k. Stuhlrichter leitete die Expedition selbst. Zwischen den felsigen zerklüfteten Bergey, welche diese Gegend in schottischer Weise charakterisiren, kletterte er bei finsterer Nacht auf losem Gerolle zwischen scharfkantigen Ritzen — kein Strauch Wiek unbeachtet, keine Schlucht ununtersucht. — Die Fruchtlosigkeit dieser warhaft gefährlichen nächtlichen Recherche ließ den ausharrenden pflichteifrigen Beamten von weitern Versuchen durchaus nicht abstehen; er kehrte in die unweit gelegene Hütte eines Berglers (Kopancars) ein, und ließ hier die strengste Haussuchung vornehmen; eine schwache Blutspur die man fand, war das Resultat dieser Investigation. — Der Bauer wurde sofort nach Miava abgeführt. — Tags darauf wurde der Leichnam des Burschen von der k. k. Gensdarmerie nahe bei einem Steinbruck) aufgefunden. Der mißlungene Selbstmordversuch des Juhaftirien bewies genugsam seine Schuld — %la&) kurzem Leugnen gestand er den wahren Sachverhalt ein: für 12 kr. die er dem Burschen schuldete, und für einige Bissen Brod die der Unglückliche trug, vernichtete der Elende ein Menschenleben. — — Ich habe Ihnen diese Geschichte so umständlich erzählt, weil sie, wie ich gleich zu Anfang bemerkte, einen Tropfen in dem Meere der Ereigniße ausmacht, die die Leidensgeschichte Israels seit Neunzehnhundert Jahren bilden; ich habe diese Geschichte so umständlich erzählt, weil jedes Wort derselben deutlich zeigt, wie nahe wir, bei all den Fortschritten im praktischen Leben, der Gränze der Zeit geistigen Dunkels stehen; und wie noch der fahlste Schein genügt, den Haß, die Scheelsucht mtb die Dummheit gegen uns zu wasfneu, und wie traurig es um unsere jüdischen Brüder stünde, wenn Gott nicht dem Haß der Scheelsucht und der Dummheit, Liebe, Milde und Geistesklarheit entgegenstellte, die dem Gesindel der Nacht kräftig die Waffen entwinden. (A. H . . sch.) — Vor Kurzern ereignete sich ein sehr bedauerlicher Vorfall auf einem der Packetbote des östr. Lloyd : Ein Israelite aus Janina Barnet Moses, der seit einer langen Reihe von Jahren in Corfu lebt, machte seine Rückreise von Constantinopel, wohin er sich behufs einer Geschäftsreise begeben hatte auf, diesem Schiffe mit einem kleinen Knaben von 5—6