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Jeschurun · 1856-10-01 · Heft 1 (Oktober 1856) · p. 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 1 (Oktober 1856)
Article
Österreich : Wien [Nachricht]
Date
1856-10-01
Page
46 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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46 Hauptstadt vorgestellt wurden, befand sich, wie man im Pesther Lloyd liest, auch die Landesdeputation der Israeliten in Ungarn. Se. Maj. empfing die aus 14 Mitgliedern bestehende Deputation mit großer Huld; des Kaisers Worte: ״Ich freue mich sehr meine Herren, Sie wieder zu sehen", waren der Ausdruck derselben. Die Deputation stattete Sr. Maj. den tiefsten Dank ab für den durch Allerh. Bestimmung creirten Schulfond zur Bildung der israelitischen Jugend, sowie für die Allerh. angeordnete Verwendung desselben, und überreichte zugleich eine Denkschrift, in welcher auch um Aufhebung des Provisoriums gebeten wird, infolge dessen die Berechtigung der Juden zur Besitzfähigkeit von Grund und Boden suspendirt worden ist. Der Effekt, den Sebastian Brunner mit seinem beispiellos pöbelhaften und lügenhaften Artikel gegen die Juden, in welchem diese der Schlächterei von Christenkindern bezüchtigt und alles Mögliche aufbeboten war, um die Juden verhaßt zu machen, blieb gänzlich verfehlt und der Artikel hat im Publikum nur Abscheu und Verachtung hervorgerufen, auch soll der Vorstand der Wiener israelitischen Gemeinde gegen diese Anschuldigungen, als welche die Aufhetzung des Pöbels gegen eine von der Regierung geschützte Religionsgesellschaft zur Folge haben könnten, das Gesetz zu Hülfe gerufen und gerichtliche Schritte gegen den Vers, und die von ihm herausgegebene Kath. Kirchenzeitung eingeleitet haben. Miava, (Nord-Ungarn). Als Pendant zu der in letzter Zeit ausgetauchten Blutgeschichte, die von einer Richtung, die jetzt wiederum in schamloser Nacktheit ihr Wesen treibt, in so erbärmlicher Weise ausgebeutet wird, theile ich Ihnen nachstehendes Faktum mit, welches obwohl an sich von nackter schauerlicher Horrescmz, in seinen Consequenzen jedoch ganz unbedeutend, allenfalls aber höchst ׳geeignet ist einen Maßstab abzugeben, wie groß noch das Dunkel in den Köpfen der Menge, und wie klein noch die Toleranz in den Herzen des großen Haufens ist. Am 20. März l. I. mit anbrechendem Morgen verließ hier ein christlicher Bäckerlehrjunge die Wohnung seines jüdischen Meisters, um das Produkt seines Herrn in der Umgegend zum Verkaufe auszutragen. Eine solche Wanderung dauert gewöhnlich einen Tag, und unter ordentlichen Umständen pflegte der Bursche am Abend desselben Tages mit dem erlösten Gelde beim Meister wieder einzukehren. Diesmal blieb er aus, es verging die Nacht und der darauf folgende Tag, der Vermißte kam nicht wieder. — Mit Blitzesschnelle verbreiteten sich die abgeschmacktesten Geschichten ttt dem ganzen abendteuerlichen abgetragenen mittelalterlichen Aufputz durch jeden Quadratschuh unserer Stadt, die alten sinn- und haltlosen Ammenmärchen von Menschenopfer und Menschenblut als Bedürfnis; für die Peßacheeromonie — jene versauerte, schon längst verfaulte Kost des Aberglaubens einerseits und der Bosheit andererseits -- wurde im reichem Maße aufgetischt.

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