Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 11 (August 1856)
- Article
- Berlin [Nachricht]
- Date
- 1856-08-01
- Page
- 621 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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Zefchurun. Zweiter Jahrgang. Zweites Mblatt zum Julihest. Ausgegeben den 15. Juli 1856. Zn dieses Beiblatt werden Inserate zu 3 kr. pr. Zeile oder deren Raum ausgenommen Deutschland. * Wien. Inmitten unserer so unerquicklichen religiösen Verhältntsse, wo so viel Halbheit und Jndifferentismus in unserer Gemeinde in der so Vieles für die gute Sache nicht blos für Wien fonbern fast für die ganze Monarchie geschehen könnte, sich der Oberleitung bernächtigt hat, gereicht es mir zur Freude Ihnen über den guten Fortgang und das Gedeihen unseres Taubstummeninstitutes berichten zu können, einer Anstalt deren segensreicher Wirkungskreis sich über die ganze Monarchie erstreckt. Die Theilnahme für dasselbe ist Lm steten Wachsen begriffen und freut sich der Vorstand — dessen Bericht vorliegt — mittheilen zu können, daß auch die Wirksamkeit desselben immer mehr an Ausdehnung gewinne, wenngleich das Endziel seines Strebens, daß in der ganzen Monarchie auch nicht Einem unglücklichen Taubstummen die Wohlthaten dieser Anstalt versagt seien, noch ein frommer Wunsch sei. Die Anstalt zählte im Jahre 54/55 39 Zöglinge, gegen 35 des voraufgehenden, welcher Zuwachs jedoch nicht gering angeschlagen werden darf, da die Ausgaben für jeden Zögling sich auf 300 fi. jährlich belaufen. Unter diesen 39 Zöglingen waren 26 Knaben und 13 Mädchen. Da die Anstalt nicht bloS den Unterricht der Zöglinge während des Besuches derselben übernimmt, sondern auch für ihre weitere Ausbildung für ein bürgerliches Gewerbe durch Unterbringung bei Meistern etc. besorgt ist, so wurden im letzten Jahre 4 Zöglinge (2 Knaben und 2 Mädchen) entlassen, und je nach der Profession die sie ergreifen untergebracht. Daß sowohl der tüchtige Leiter der Anstalt wie der hochherzige Gründer derselben, der noch immer mit frischer Kraft für sein edles Unternehmen thätig ist, der Anstalt die größte Sorgfalt widmen, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. ״Wir dürfen uns rühmen" berichtet der Vorstand, ״daß Allen, die unsere Anstalt besuchen, das frische, blühende Aussehen der Kinder, die in dem Institute herrschende Ordnung und Nettigkeit, die heitere Fröhlich- Leit, die Lernlust, der aufgeweckte Sinn und Eifer ebenso überraschend entgegen treten und auffallen, als die in Folge der rastlosen Thättgkeit und seltenen Begabung des Leiters und Lehrers, wie in Folge dieser angeregten und aufgeweckten, stets wach erhaltenen Lernlust erzielten FortschMe und Erfolge.