Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 11 (August 1856)
- Article
- Sehnsucht
- Date
- 1856-08-01
- Page
- 600 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Gedicht von Julius Blumenthal. Sehnsucht. Sehnen ergreifet das Herz nach dem hehren Lande der Ahnen Wo am heimischen Strand rauschet der Libanonstrom; Wo der goldene Jarden Jerichos trauernden Palmen Klaget von Deinem Geschick, Zion, von Deinem Vergehn; Klaget von Israels Macht, von Deinem Ruhme Jeschurun, Judas heiliger Pracht, Israels herrlicher Zier. Alles sank nun dahin, wie die Rose in Scharon dahtnsinkt, Judas Söhne dahin, Freiheit und Ehre dahin! Bei Euch weilet mein Herz, Ihr heiligen Stätten der Väter, Wo auf dem Carmel das Feu'r flammte dem göttlichen Wort, Wo der Libanon sendet die Ceder zum dunklen Aether, Und das Auge des Herrn schauet mitleidig herab, Suchet die Kinder, die armen, die unstättirrenden Kinder, Die von der Hetmath verjagt, schweifen vhn' Obdach umher. Ruh erquickt nicht das Herz und Rast die ermatteten Glieder, Und nicht ladet ein Port gastlich die Irrenden ein. Nach Dir sehnt sich mein Herz Du holde Tochter Jeschurun's Juda's göttliche Stadt, Zion bräutliche Veste. Zu Dir eilet der Geist und umschwebet die heiligen Trümmer Sanft umträumet er Dich Zion herrliche Veste! Dort begehrt er zu harren an deinem Busen zu schmachten, Und zu leiden wie Du, — und zu hoffen wie Du!