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Jeschurun · 1856-08-01 · Heft 11 (August 1856) · p. 572

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 11 (August 1856)
Article
Aw
Date
1856-08-01
Page
572 (sequence 4)
Language
German
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rungen des göttlichen Gesetzes zum Bewußtsein dringt, so lange hat Gottes Gesetz den geistigen Boden tm Volke, und nimmer vermag der Leichtsinn und die Lüge da überwuchernd zu siegen, wo der Ernst und die Wahrheit ihre Standarten immer neu tu den Gemüthern und Geistern der Menschen auspflanzen. Mag auch das Leben zeitweilig entfremden, mögen auch schwache Stunden Fehltritte herbetsühren, mögen auch Sündenreiz und Beispiel ihre augendlickltchen Triumphe feiern, המאיר שבם, das göttliche Licht, das das Wort der Thora in den Gemüthern unterhält, מחזירן למוטב, führt sie tmmer wieder zum Guten zurück. Es hat Gott sein Wort mit Feuerskraft und mit Hammer-Gewaltgerüstet, daß es den Fels der Selbstsucht zerschlägt und die Schlacken der Leidenschaft verzehrt. Wenn aber erst Gleichgültigkeit gegen das göttliche Gesetz einreißt, wenn man sich mit der Erfüllung, der Uebung, der That begnügen, und des ״Lernens", des geistigen ״Hörens" des göttlichen Wortes entrathen zu können vermeint, wenn man die Frucht: ,מעשר, die That, ohne die Wurzel: הלמוד: das ״Lernen", pflegen zu könneu glaubt, wird man mit der Wurzel auch die Frucht verlieren und dem Lernen wird das Leben gar bald in's Grab Nachfolgen. Schon das Aufgeben des ״Lernens", des ״Hinhörens aus Gott", wie die alte Ueberlteferung die geistige Beschäftigung mit der Gesetzlehre anffaßt, begreift — vielleicht unbewußt — schon den ganzen künftigen Abfall in sich. Es liegt schon darin, wie sich der Sifra ausdrückt, die כונה למחר בו, die — vielleicht noch schlummernde — Absicht, sich dem Gesetzesgehorsam zu entziehen. Ist doch das Gesetz schon gleichgültig geworden, hält man es doch schon für überflüssig, sich die Anforderungen des Gesetzes immer neu zum Bewußtsein zu bringen, fühlt man doch schon nicht mehr das Bedürfniß, sich mit dem göttlichen Willen immer vertrauter zu machen, immer tiefer in den Inhalt seines Wortes einzudriugen, und den Ernst der Pflichtcn immer neu am göttlichen Willen zu stählen! Hat man nicht schon mit dem Gesetze, gebrochen, wenn man mit dem ״Lernen" bricht? Und wenn nun gar das Leben mit seinen Prüfungen, das Beispiel mit seinen Verlockungen, die Leidenschaft mit ihren Versuchungen und zu allem Dem der Wahn mit seinen Täuschungslehren, mit seiner in das Gewand der Weisheit gehüllten Dummheit, mit

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