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Jeschurun · 1856-04-01 · Heft 7 (April 1856) · p. 364

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 7 (April 1856)
Article
Nissan
Date
1856-04-01
Page
364 (sequence 16)
Language
German
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Die vier jüdischen Toaste. 864 Gott und Wahrheit und Recht, Pflicht und Liebe und Sitte und Veredlung der Menschheit nur als׳ täuschende Irrwisch-Dünste aus den Gräbern einer abgestorbenen Vergangenheit steigen, jeder höhere, Menschen und Welt erlösende Gedanke zum Tollhausgcdanken unwissenschaftlichen Wahns erniedrigt würde, und der Menschheit keine andere Zukunst bliebe, als im blinden Kampf unbezwingbarer Triebe und durch ihr bloßes Dasein ganz gleich berechtigter entgegengesetzter Bestrebungen sich aufzureiben, bis die Gewalt der Mächtigsten und der Steg des Stärker» Alles in die Sklavenruhe des Grabhauses jocht — würde endlich die Religion, berufen die Rettung und Arznei der Menschheit aus jeder Nacht und jedem Siechthum zu werden, in der unreinen Hand ihrer Diener in ihr Gegentheil umwandelt und zur Vollendung der Nacht und des Stechthums mtsbraucht, träten die Priester zwischen die Lebenden und Tobten, nicht um die Tobten wiederum zum Leben, sondern die noch Lebendigen zum Tode zu führen, den letzten Schimmer aus der Nacht zu tilgen, bas letzte Stadium des Siechthums heraufzubeschwören, die verzweifelnde Menschheit nicht zu Gott, sondern zu dem Götzen ihrer Mache zu führen, und nicht einmal diesem Götzen die wunde Menschenbrust nahe zu legen, sondern sich als nicht zu umgehende Brücke aufznnöthtgen und das in jeder Menschenbrust, von jeder Menschenbrust und nur vor Gott zu vollziehende Werk der Erlösung, in ein außerhalb vollbrachtes und durch ihre Vermittelung zu vollbringendes Geschehniß umzuwandeln — käme einmal eine solche traurige Zeit, in welcher Alles schaal und tvdtendes Gift geworden, — an der jüdischen Tafelrunde auf Erden fände die Menschheit ihre Erlösung wieder. Dort lernte nicht nur die Gewalt den Allmachts- Arm des ewigen Weltrichters fürchten, dort lernten auch die Massen was wahre Freiheit, und wo sie zu finden sei. Das Sklavenbrod und das Bitterkraut in der einen und den gehobenen Erlösungskelch in der andern Hand verkünden die Glieder dieser Tafelrunde überallhin die Gottesmahnung: nicht das Sklavenbrod und die Bitterkeiten des Lebens knechten, und nicht die Entfesselung uud der Ueberfluß macht frei. Auf einem andern Boden wächst der Baum der Freiheit. Nur für den im Innern in Gott Fretgewordenen blüht auch im äußern Leben die Freiheit. Nur wo Freiheit Hingebung an Gott bedeutet, ist Freiheit kein täuschender Rausch. Nicht in der Selbkbefreiung, in der Gotterlösung ist die Freiheit zu finden. So

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