Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1856)
- Article
- Palästina
- Date
- 1856-02-01
- Page
- 282 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Palästina. hier nicht gehört wurde, seit welcher Zeit so viele für menschltsche Eitelkeit oder zur Verherrlichung Gottes aus diesen Stcinbrüchen hervorgegangene Gebäude alle untergegangen sind, und nichts ist von ihnen für den erstaunten Besucher übrig, als eine weite Leere, der Aufenthalt des gierigen Schakals und des wühlenden Maulwurfs. ״Nachdem wir hier die feinen Gewebe der Tropfsteinbildung bewundert, die so schön waren, daß wir es für Sakrtlegium gehalten haben würden, sie anzurühren, ginge» wir weiter und stießen auf unserem Wege auf manche Erscheinungen, welche geeignet waren die Neugierde zu.stacheln und Fragen wie folgende aufznwerfen: Warum und zu. welchem Zwecke sind hier tiefe Nischen ausgehauen, und was bedeuten die Treppenstufen dort? Wie und wann sind die menschlichen Skelette hier hergebracht, die auf jenen! Felsstücke liegen? Alles dieses konnte die Aufmerksamkeit reizen; aber wir fanden nun einen noch anziehendern fast rührenden Gegenstand. In einer abgelegenen Stelle war ein drei Fuß im Durchmesser haltendes Wasserdecken mit großer Regelmäßigkeit in dem harten Felsen aüsgehöhlt, welches in seinen Busen die Wasser aufnahm, die von der Decke und den Setten sickerten, und dabei lagen zerstreut Scherben irdener Trinkgefäße. Diese, von dem Wasser des sanft umfließenden Bassins fortwährend bespült, sahen so neu aus, als wären sie eben aus der Hand des Arbeiters gefallen, der hier hergeeilt, um seinen Durst zu loschen aus der Krystall-Quelle, welche ihm die Natur so bequem angelegt. Welche Menschen und welche Thätigkeit der Vorzeit spiegelt sich in diesem kleinen Wasserbecken! ״Eine düstere Großartigkeit spricht aus jedem Theile der wundervollen Katakombe, und die Vermuthnng allein, daß aus ihr die Steine zum Tempel genommen wurden, macht sie schon zum Gegenstände der heiligen Theilnahme. Nur in einer Stadt, wie Jerusalem, deren rohe Eroberer und Herrscher so schnell sich ersetzten, konnte das Dasein der einer kritischen Forschung so würdigen Unter- Wölbung bis jetzt verborgen bleiben, verborgen und vergessen, bis ein Zufall sie ans Licht brachte." Wir zweifeln nicht, daß Archäologen von Fach dem Gegenstände bald Untersuchung und Beleuchtung für historisch - topographische Zwecke widmen werden. (Magazin f. d. L. d. A.)