Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1856)
- Article
- Palästina
- Date
- 1856-02-01
- Page
- 281 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Unterirdische Entdeckung in Jerusalem. 281 und zugleich die eingebrocheue Höhle mit Steinwerk schließen. Indessen verbreiteten sich durch die Bauleute allerlei Gerüchte über die zufällig geöffnete und auf Befehl wieder vermauerte Höhle, und wir versuchten und erhielten Zugang. Dieser merkwürdige Ort, welcher sich südöstlich vom Berge Moriah in der Richtung der Moschee Omar ausdchnt, ist öffenbar als ungeheurer Steinbruch zu betrachten (?), und der bereits untersuchte Thcil desselben reicht hin, die Materialien für den Bau des Tempels und die Stadtmauern geliefert zu haben. Indessen ist die Form und Ausdehnung ganz anders, als man von einem Steinbruche erwarten darf, und die Windungen und Abtheilungen sind so verwickelt und ineinanderlaufend, daß wir häufig an unseren Ausgangspunkt zurückkamen, obgleich wir beim Borrücken verschiedene Zeichen aufgestellt. Bald hatten wir einen Haufen von Steinsplittern zu übersteigen, bald hielt uns ein Berg von unbehauenen Felsenblöcken auf, bald kamen wir in einen hallenarttgen Raum, groß genug für mehrere tausend Bauleute (?), bald wieder durch kleinere mit einander verbundene Räume, als wir plötzlich von einer Schrecken erregenden Oeffnung im Dache über unfern Köpfen überrascht und dabei vom weiteren Vordringen durch Erdhaufen abgehalten wurden, welche offenbar durch die gebrochene Schichte von oben kommen. Das Dach der ungeheuren Hohle ist in Zwischenräumen von zwanzig, dreißig und vierzig Ellen, getragen durch thurmartige Säulen, aus dem natürlichen Felsen zusammengesetzt, oder vielmehr stehen geblieben, nachdem rundum Alles wegehauen worden. Mehrere dieser Pfeiler sind cm ihrer Basis dem Fallen nahe, und es kann sehr bald der betreffende Theil des Daches stürzen, und das Grab der über ihm befindlichen Häuser und Menschen werden. Die der Einwirkung des Wassers ausgesetzten Seiten des ausgehauenen Felsens sind mit einer dicken Kruste von Tropfstein überzogen, was von dem hohen Alter der Bearbeitung zeigt, dagegen sind Spuren des Meißels an den trockenen Stücken noch so frisch, als hätte der Steinmetz eben seine Hand von ihnen zurückgezogen; nirgends wechselt der Gegensatz von Natur- und Menschen-Arbeit mehr im Anblicke ab, als hier, denn während man in dem Einen den tiefen Eindruck des grauen Alterthums wahrnimmt, ist in dem Ander» Alles wie von gestern, obgleich der Schall des arbeitenden Hammers seit Tausenden von Jahren