Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1856)
- Article
- Palästina
- Date
- 1856-02-01
- Page
- 280 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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280 Palästina. dachts-Ort aller Bekenntnisse des geoffenbarten Glaubens geworden, und die fromme Phantasie der Gläubigen duldet keine Beschränkung dieses so allseitig anerkannten Heiligthmns des Ortes auf unserer sündigen Erde hienieden, sondern sieht eine Stadt Jerusalem im Himmel der irdisch materiellen gegenüber. Aber das oberirdische und überirdische Jerusalem wird auch noch durch ein unterirdisches vermehrt. Bei einer Stadt, welche so vielen inneren und äußeren Kriegen preisgcgeben war, ist es natürlich, daß ihr Boden oft zu Angriff und zu Vertheidigung unterhöhlt werden mußte, und man weiß aus den Berichten des Josephus Ftavius, mit welchem Geschick und mit welcher Ausdauer die jüdischen Vertheidiger Jerusalems gegen die Römermacht unter Titus den Kampf noch lange unter der Erde fortgesetzt haben, als über ihnen schon in der dem Boden gleichgemachten Stadt die Legionen ihr Feldlager ausgeschlagen hatten, deren Wachen häufig genug von dem tapfer» Johannes von Gischala, wie die Wachtposten durch den Geist Hamlet's, erschreckt werden mochten. Aber Jerusalem hatte noch mehr Bedingungen, wie z. B. Rom und Paris, zur Ausführung und Erhaltung unterirdischer Banwerke: die südliche Sonnenhitze und der Mangel an Wafferquellen drängten die Bevölkerung zur Erbauung von Souterrains und Bassins, vollends da kühlende Garten- und Banm-Anlagen zur Zeit der jübischen Herrschaft verboten waren, und die felsige Beschaffenheit des Bodens erlaubte die lange Dauer der bewirkten Ausgrabungen. Die mannigfachen unterirdischen Aufenthalts- und Aufbcwahrungs- Orte Jerusalems würden längst gefunden und untersucht sein, wären sie der Gegenstand einer systematischen Aufgrabung unter einer geregelten Verwaltnng geworden, wie etwa die verschütteten Alterthümer von Pompeji und Herkulanum; bis jetzt war es immer noch der Zufall, der zu einer Entdeckung geführt, und einem solchen hat man auch die Auffindung einer großen Höhlung in der neuesten Zeit zu verdanken. Einem Briefe im Jewish Intelligencer vom Juli v. I. entnehmen wir Folgendes: ״Vor einiger Zeit, nach einem schweren Regenwetter, fiel ein Theil der nördlichen .Stadtmauer, ungefähr 400 Schritte östlich vom Damaskus-Thore, ein, und die schweren Ruinmassen brachen beim heftigen Sturz durch das Dach einer damals für natürlich gehaltenen Höhle. Der Pascha ließ die Mauer wieder aufbauen