Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1856)
- Article
- Erlangen [Nachricht]
- Date
- 1856-01-01
- Page
- 247 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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247 versitäten, selbst in Oesterreich, hat man diesen christlich-germanischen Zopf schon längst abgeschnitten. (F. I. 8. EL Jerusalem, 3. Nov. 1855. Unsere Zustände sind leider höchst traurig. Die aus der Theuerung hervorgehende Noth übersteigt alle Maßen, dazu ist die Cholera in Liberias ausgebrochen und verdient unser Leid noch immer die Sympathie, und die thätige Beihülse unserer Brüder in Europa, deren Wohlthätigkeit allein, nächst Gott, wir eine Linderung unseres Nothstandes verdanken können. (Auch aus Amsterdam und durch die engl. Blätter gehen uns die betrübendsten Nachrichten über die dortige Noth zu, und sind wir gerne bereit, wohlthätige Spenden zur Linderung derselben an das Hilfscomitö zu Amsterdam zu befördern. D. Red.) — Wir hatten hier jüngstens einen seltenen Gast. Ein Jude aus Abyssinien, Namens Daniel ben Chanina mit seinem 12jährigen Mosche weilte eine Zeitlang bei uns und erhielten wir von demselben nicht uninteressante Berichte über die Zustände unserer abyssinischen Brüder, die ich Ihnen nächstens mitzutheilen gedenke. Einstweilen erhalten Sie die Abschrift eines Briefes, den wir ihm bei seiner Heimreise in hebräischer und abyssinischer Schrift und Sprache mitgegeben habem Wie Sie daraus ersehen, haben wir dessen Sohn, der große geistige Begabung verräth, bei uns behalten, und wäre es erfreulich, wenn wir zu dessen Erhaltung und entsprechenden Ausbildung, deren Kosten unsere Kräfte übersteigt, eine freundliche Unterstützung erhalten würden. Auszug eines Schreibens von David Chasan, Elias Deiches, S. Schwarz, S. Hausdorf und I. Perez aus Jerusalem d. d. 17. Cheschwan 5616 an ihre Brüder in Abyssinien in der Stadt Kandar und insbesondere an deren CH ach am Jizchack Hakkohen: Vor etwa drei Monaten kam ein Mann Namens Daniel ben Chanina aus der Stadt Kandar in Abyssinien zu uns und erzählte uns zu unserer Freude, daß in dem Gebiete dieser Stadt in Abyssinien sich viele unserer jüdischen Brüder befänden, die an Thorath Moscheh glauben und sie mit gewissenhafter Treue befolgen. Bei näherer Erforschung erfuhren wir aber zu unserem Leidwesem, daß, bei ihrem besten Willen dem Gotte ihrer Väter aufrichtigen Herzens zu dienen, ihnen doch im Lause der Zeit durch die gehäuften Leideu des Erils die Tradition und die ganze praktische Ueberlieferung der Erfüllung der göttlichen Gebote abhanden gekommen, so daß sie hinsichtlich der Ausübung ihrer Pflichten gänzlich im Dunkel tappen. Ja, wie uns der Abyssinier erzählte, hätten sie selbst fast die Kenntniß des Hebräischen, dieser heiligen Sprache unseres göttlichen Gesetzes, eingebüßt. Sie haben die heilige Schrift nur im Abyssinischen und beten auch nur in dieser Sprache. Wie mangelhaft sie daher in Kenntniß und Erfüllung ihrer heLligsten Pflichten Pleiben müssen, ist klar. Dieser ihr Zustand ist uns zu Herzen gegangen und haben wir uns