Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1856)
- Article
- Teweth
- Date
- 1856-01-01
- Page
- 186 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Tcwcth. Josias, Zojachin, Zidkijah zu Händen, und cs spräche sofort leserlich und verständlich zu uns, es wäre keine Keilschrift, deren Zeichen wir erst ans andern Voranssctzungen zu enträthscln versuchen müßten, — wie würden wir da vielleicht staunen zu finden, dieselben Hebel der politschcn Bewegung der Zeiten, dasselbe Spiel der Intcreffcu, dieselbe Berechnung und Verrechnung, dieselben Bundesschlüsse und Brüche, Cotcrien, Camarillcn — und im religiösen Leben derselbe Leichtsinn, derselbe Ernst, dieselbe Wahrheit, dieselbe Lüge, dieselben Schattirungc-n in allen Nuancen, von dem glühendf±cn Eifer bis zur eisig glotzenden Gleichgiltigkeit, von der höchsten Gottesbegeistcrung bis zur schmählichsten Götzenknechtschaft, — politisch, religiös, dieselben Interessen, dieselben Kämpfe, derselbe Muth, dieselbe Verzweiflung, — wie würden wir's vielleicht finden, die Welt ist nie jung gewesen, ist gar nicht alt geworden, auch damals tout comme chez noas, dieselben Prinzipien, dieselben Hebel der Bewegung, andere Namen, andere Formen, andere Aeußcrlichkciten und die Art der Acußcrung verschieden — Doch braucht der Wunsch nach lebendiger Kunde unserer Vcrgangcnhcit nicht auf jene Auferstehung unscrcrv Tobten durch die Grabschcid eines Layard und Rawlinson zu warten. Es hat eine gütige Vorsehung auf andere Weise gesorgt, uns jederzeit ein lebendigcö Bild jener Vergangenheit zugänglich zu machen. Ehe das politische und religiöse jüdische Staatölcbcn verging, hatte sie Männer im jüdischen Kreise geweckt, die dem Volke und seinen Führern den Spiegel ihrer Gegenwart Vorhalten, das Bild ihrer Zukunft enthüllen sollten, die mit vom Gottesgcist geschärftem Adlerblick in das Innerste der Zustände zu dringen, mit von Gottes. Hauch berührter Lippe das Erschaute zu zeichnen verstanden und in deren Mahnungen und Reden sich mit Dagucrrotypcntreue die Menschen und Zustände abspicgcln. In der That brauchen wir nur die Blätter der Propheten zu fragen, um uns das lebendigste Bild jener Vergangenheit vor die Augen zu zaubern. Der zehnte Teweth״ bringt uns den Gcdächtnißtag der Belagerung Jerusalems. Wagen wir einen Blick in Jerusalem zur Zeit der Propheten. Es war eine fröhliche, heitere Stabt, die alte Königstadt Je-