Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1855)
- Article
- England. London [Nachricht]
- Date
- 1855-12-01
- Page
- 179 (sequence 2)
- Language
- German
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Annalen der Stadt London, sondern uz der Geschichte der Religionsfreiheit ein denkwürdiger Tag bleiben werbe. Der gegenwärtige Lord-Mayor fei bekanntlich ein Mitglied der jüdischen Confession, deren Bekenner Ge- «erationen herab über die ganze Erde zerstreut, ein fast vygelfreies Volk gewesen, das der herbsten Bedrückung und der grausamsten Verfolgung zur^ Zielscheibe gedient. Erst in jüngsten Zeiten habe dieser Druck und diese Verfolgung bedeutend nachgelassen, wenn sie gleich noch nicht׳ von den meisten Nationen völlig ausgegeben sind. In England sei man nicht geneigt gewesen den Bekennern deö jüdischen Glaubens in der Ausübung ihrer commerciellcn Bestrebungen entgegenzutreten und allinälig sei ,die Wirkung der Eivilisation so groß gewesen, daß fast alle Fesseln, die dieses Volk ehemals gedrückt, entfernt worden. Seit fast einem Jahrhundert sei die Familie des Alderman Salomons mit der Bürgerschaft von London als Kaufieute, Assecuradkure und in dem allgemeinen Handel des Landes in Verbindunaaestanden, während der Alderman selbst als beschützender Gönner geiDM^M!U'^""gen jeder Art bekannt war und seine HandlungSweise jederzeit durch energische und glückliche Bemühungen für die Beförderung der Erziehung und Bildung sich ausgezeichnet, so wie es ihm denn wohl an dieser Stelle hinzuzufügen gestattet sein dürfte, daß Herr SalomonS sich einen eben so rühmlichen Namen durch seine bedeutende Wohlthätigkeit erwarb««,» mlfyt ,»Hmum Mitbürgern werth und theuer gemacht. Der Stadtsyndikus ging nun die bereits 20jährige öffentliche Laufbahn des nummhrigen Lord-Mayor durch, die im Jahre 1835 mit seiner Wahl zum Sherif für London und Middleser begonnen, und bemerkte, daß eben diese Vergangenheit es sei, auf deren Grund die Bürger von London ihn zu ihrem bürgerlichen Oberhaupt gewählt und sin nicht zu zweifeln, daß am Ende des Jahres seiner Amtsführung der Lord-Mayor mit derselben Achtung, Werthschätzung und allgemeinen Zufriedenheit begrüßt werden werde, die ihm am Schlüsse seines Sheriffamtes zu Theil geworden. Der Oberrichter äußerte in seiner glückwünschenden Erwiederung, es sei wohlthuend die Toleranz der Gegenwart mit den Zuständen in Englan^ zu vergleichen, die noch kaum ein Jahrhundert zurückliegen. Im Jahre 1753 hatte die Legislatur eine Bist durchgebracht, nach welcher Bekenner des jüdischen Glaubens fähig sein sollten, naturalisirt zu werden, ohne sich an den Eeremonien zu betheiligen, an welchen sie ohne ProfanatioiO nicht Theii,-nehmen könMn. Diese Bill erregte in jenem Jahre so vreb öMntliches Geschrei und so viel öffentliche Unruhe, daß die Widerrufung derselben eine der ersten Maßregeln bei Wiedereröffnung des Parlaments sein mußte? Nicht dass bje christüche. Mligiön. selbst/irgend wie dabei gefährdet gewesen wäre. Aber ^did^Aufregung und das Geschrei war so groß, daß die Ruhe deS Landes in' Gefahr erschien und aller Wahrscheinlichkeit nach die Bill keine anderen Folgen gehabt hätte als — alle Bekenyer des jüdischen Glaubens aus dem Lande zu treiben. Des Abends gab der Lord»Mayor ein Bankett in GuildhM, über .., dessen Glanz und politische Bedeutung die öffentlichen Blätter bereits