Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 2 (November 1855)
- Article
- Sterblichkeitsverhältnisse der jüdischen Bevölkerung Frankfurts [Rezension]
- Date
- 1855-11-01
- Page
- 106 (sequence 4)
- Language
- German
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-׳*׳■י wrvronkyretrsverhältntffe der jüdischen Bevölkerung Frankfurts. fallenden Verhältnisses mag wohl folgender sein. Die größte Sterblichkeit unter den Kindern finden wir durchweg in der ärmeren Bevölkerung, im Proletariate, wo schlechte, fehlerhafte Ernährung, mangelnde Reinlichkeit, schlechte, verdorbene und feuchte Luft, mangelhafte Pfiege den zarten, kindlichen Organismus schnell untergraben und dem Tode entgegenführen. Nun haben wir hier wohl ein christliches Proletariat — wenn auch nicht so stark als in anderen, größeren Städten — aufzuweisen, aber ein wirkliches jüdisches Proletariat existirt bei nns, so zu sagen, kaum; wenigstens ist es so untergeordnet, daß es mit dem christlichen Proletariate gar nicht verglichen werden kann. Es giebt freilich auch sehr arme jüdische Familien in Frankfurt, sie verschwinden jedoch im Vergleiche zu den übrigen jüdischen Familien, die entweder in guten, oder doch in leidlichen Verhältnissen leben. Dieser Umstand erklärt schon hinlänglich dieses beim ersten Anblicke überraschende Verhältniß. Die glücklichsten Lebensjahre sind die von zehn bis zwanzig Jahren, in dieser Periode sterben sowohl von der christlichen als auch von der jüdischen Bevölkerung nur 4,5 Prozent. Eine schlimmere Zeit tritt wieder mit den Jünglingsjahren ein. Das traurige Gespenst der Auszehrung fordert in dieser Lebensperiode vorzugsweise seine Opfer. So sterben vom zwanzigsten bis dreißigsten Jahre 12,4 Prozent der christlichen Bevölkerung, dagegen nur 8,8 Prozent der jüdischen Bevölkerung. Dieses günstigere Verhalten der jüdischen Bevölkerung in dieser Lebens- Periode hat seinen doppelten Grund. Auf der einen Seite liefert wiederum gerade das Proletariat mit seinen ungünstigen, gesundheitswidrigen Verhältnissen das Hauptcontingent der Auszehrenden, auf der anderen Seite sehen wir aus den Listen, wie groß die Zahl der Opfer ist, welche die Auszehrung in manchen Handwerken, z. B. Schneidern, Schustern, Schreinern, Weißbindern 1c. fordert. Da nun das jüdische Proletariat fast gar nicht existirt, so fällt der erste Grund der Sterblichkeit für unsere israelitischen Mitbürger fast ganz weg. In Bezug auf den zweiten Grund steht fest, daß die große Mehrzahl der männlichen jüdischen Bevölkerung dem Kaufmannsstande und den Ständen der Gelehrten angehören, während nur sehr wenige jüdische Mitbürger Gewerbe treiben, zumal die der Auszehrung vorzugsweise unterworfenen fast gar nicht. Der