Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1855)
- Article
- Oberst Rawlinson's Bericht über seine neuesten Untersuchungen in Mesopotamien
- Date
- 1855-10-01
- Page
- 71 (sequence 2)
- Language
- German
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71 Rawlinsv» über seine neuesten Untersuchungen in Mesopotamien. Voraussetzung also — daß zwei Könige gleichzeitig in Babylon regierten — ist cs wohl denkbar, daß Nabonidus, der Vater, den Persern im offenen Feld entgegentrat, und nach seiner Niederlage sich in die Veste von Borsippa warf, wie Berosus!rngtbt, während Belsazar, der Sohn, den Angriff des Feindes in Babylon erwartete, und hier von jener schauerlichen Heimsuchung Gottes betroffen wurde, von welcher der Prophet Daniel erzählt. Daß Nabonidus, ältester Sohn, welcher ans den Cylindern von Mugheir deutlich Bel-scharezer heißt, den Sturz des Reichs nicht erlebt habe, wird vergewissert durch den Umstand, daß, als in der ersten Regierungszeit des Darius Hystaspes die Babylionier sich empörten, der Betrüger, welcher den Thronerben spielte und seine Landsleute zu den Waffen ries, sich den Namen ״Nabnkndruchur, Sohn Nabunits" beilegte (s. die Inschrift von Besitun), wonach die Rechte des ältesten Sohnes aus den zweiten übergegaugen waren. Die der Versammlung vorgezeigten Thoncylinder mit dem Namen Belsazars erregten, als die einzigen Urkunden, welche außer der heiligen Schrift den Namen dieses ״gottlosen Heiden" enthalten, das besondere Interesse der Versammlung. Denkmale aus späterer Zeit hatte Rawlinson nicht zur Hand, aber er bemerkte, daß die Urkundeutafcln ans den Tagen der Achämeniden, von Chrus bis auf Darms Codomannus, keineswegs selten sind, und daß er noch unlängst eine Anzahl Keil-Inschriften, die sich auf Schenkungen an Tempel beziehen, aus der Zeit der Diadochen, des Seleukus und Antiochus, untersucht habe. Unter den vermischten Artikeln, die er vorzeigte, war eine Anzahl Petschaftcylinder, womit die Babylonier ihre öffentlichen Thonurknnden zu siegeln pflegten. Die Inschriften auf denselben sind nicht bedeutend, bloß der Name der Name des Eigentümers, seines Vaters, oder eines besonders verehrten Gottes. Ein schwarzer Stein mit Göttersymbolen, dessen Inschrift die Rache der Götter auf denjenigen hcrabruft, der ein gewisses, einen Tempel geschenktes Stück Land demselben wieder abreisen wollte, gleicht der Antiquität, welche in Europa unter dem Namen 16״ Caillon de Micliaud“ bekannt ist, der zu seiner antiquarischen eine zweite, traurige Berühmtheit dadurch erlangt hat, daß ein Halbverrückter die schone Portlandvase damit zertrümmerte. Aufmerksamkett erregte ferner ein kleiner Würfel von Elfenbein, auf welchem mathematische Figuren eingegraben sind, diese aber so klein,