Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1855-08-01 · Heft 11 (August 1855) · p. 615

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 11 (August 1855)
Article
Italien : Rom [Nachricht]
Date
1855-08-01
Page
615 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2932754-2932807-2932819--00861-2938920
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

615 von Badia für die nöthige Entschuldigung ein Märchen ersann (was uns nach allen Umständen mehr als wahrscheinlich dünkt). Hoffentlich lüstet fich der Schleier! In Venedig sei indessen doch schon eine Erklärung von israelitischer Seite bekannt gemacht worden, daß Communitäten׳ für Verbrechen Einzelner nicht verantwortlich gemacht werden können. In Rovigo wohnen sebr viele Israeliten; in Badia nur einige ß Familien dieser Nation." , Wir schließen hieran die später eingelausene Aufklärung des Vorgangs. Die ״Gazzetta di Mantova" vom 24. Juli enthält nämlich Folgendes: ״Im Annotatorc Friulano vom 5. Juli wurde eine Korrespondenz aus Badia vom 29. Juni mitgetheilt, welche umständlich die Geschichte eines 18jährigen Bauermädchens aus Mast (Bezirk Montaguana) erzählt, das von einem Israeliten aus Badia nach Mantua oder Verona geschleppt, dort von einem langbäctigen Unbekannten gefangen gehalten und sechs Mal an den Häuden und Armen zur Ader gelassen wurde, bis es endlich ihr und noch einem Opfer derselben Operation gelang, mit Hülse eines ehemaligen Dieners dieser unbekannten Familie zu entfliehen. Gegen diese Angaben des Annotatore Friulano hat der venetianische Oberrabiner Abraham Lattes bereits Ln׳ der Gazetta di Venezia vom 9. Juli seine Stimme erhoben; noch lauter wurde aber diese Verläumdung von allen vernünftigen Leuten und namentlich von Jenen gerügt, denen es aus der Geschichte bekannt ist, wie in frühern Zeiten das ungereimte Märchen, daß die Israeliten bei gewissen religiösen Ceremonien Christenblut brauchten, häufig verbreitet wurde. Unglaublich aber erscheint es, daß ein auf Vernunft und Würde Anspruch machendes Blatt, gleich dem Annatatore -Friulano, fich bewegen ließ, solchen Ungereimtheiten seine Spalten zu -ffnen. Wir aber freuen uns, die aus den Nachforschungen der Behörde hervorgehende Wahrheit mittheilen zu können. In Folge der Allssagen des erwähnten jungen Mädchens, wurde der Israelit Calimano Rovenna, Handelsmann in Badia, unter der Anklage der Verübung vvn Gewaltthätigkeiten verhaftet, welche das Mädchen ausgestanden zu haben vorgab. Während fie aber behauptete, vom 17. bis 25. Juni gefangen gewesen zu sein, wurde andererseits machgewiesen, daß fie in derselben Zeit im Haust des Communalagenten von Legnago in Diensten gewesen und von dort am 25. Juni entwichen war und mehre ihrem Dienstgeber gehörige Effecten mitgenommen hatte. Infolge dieser Entkräftung der Anklage wurde nun die Klägerin selbst verhaftet und nach Badia geführt; dort gestand fie reumüthig Verläumdung und Diebstahl ein und gab an, von einem Fuhrmann, den sie zufällig getroffen, verleitet worden zu sein; dieser Fuhrmann soll ihr auch die Wunden beigebracht haben. Der unschuldige Rovenna ist sofort in Freiheit gesetzt worden; in Badia wurde er nicht nur von seinen Glaubensgenoffen, sondern auch von der christlichen Bevölkerung auf das Freudigste empfangen."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.