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Jeschurun · 1855-08-01 · Heft 11 (August 1855) · p. 614

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 11 (August 1855)
Article
Rußland : Warschau [Nachricht]
Date
1855-08-01
Page
614 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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614 heimgesuchten Einwohnern der Stadt Lublin und der umliegenden Ortschäften mit exemplarischer Hingebung nnd mit eigner Lebensgefahr hülfreich beigestanden, so wie auch 1831 eifrigst und mit größter Aufopferung sich der Krankenheilung in dem russischen Militär-Läzareth zu Lublin angenommen und dadurch auch in jener Nevolutionszeit einen sprechenden Beweis von feiner Anhänglichkeit an die rechtmäßige Negierung gegeben. Italien. Nom, 24. Juli. Man schreibt der Allgemeinen Zeitung Folgendes über eine Entführungsgeschichte, die nach etwas mittelalterlicher Juden- Verfolgungslust schmeckt: ״Ich beeile mich, Ihnen eine seltsam abenteuerliche Neuigkeit zu melden, welche ein angesehener Priester an einen hochgestellten Monsignore hierhergeschrieben hat. Badia ist ein Marktflecken Ln der Nähe von Rovigo. Ein hübsches Mädchen von 18 Jahren kaust dort bei einem Hebräer eine Stecknadel. Der Hebräer knüpft mit ihr ein schmeichelhaftes Gespräch an und bemerkt, sie könnte ihr Glück machen, wenn sie bei einer Herrschaft in Dienste treten möchte. Die junge Italienerin erwiedert, sie sei bei ihren Eltern ganz glücklich und sei nicht in der Notwendigkeit, sich bei Andern ihr Brod zu suchen. Der Hebräer laßt aber die Harmlose nicht so leichten Kaufs davonkvmmen; er führt sie in ein Cabinet, wo eine Dame sie mit neuen Schmeicheleien hinhält. Sie wird zu einer kurzen Spazierfahrt eingeladen. Die Dame steigt mit ihr in den Wagen. Die Kutsche rollt aus dem Borgo in die Campagna. Aengstliche Fragen werden beschwichtigt; wie die Fahrt immer länger dauert und schon nächtliches Dunkel eintritt, wird zu Entschuldigungen gegriffen: der Kutscher hat den Weg verfehlt, man ist nun dem Marktflecken schon nahe und dergleichen. Der Schrecken des Mädchens wird noch größer, als ihr nun, während der Wagen anhält, die Augen ver- Hunden werden. Sie wird über eine Treppe in einen Saal geführt, wo ihr die Augenbinde abgenommen wird. Sie hört über sich Getöse und Geschrei. Nach einiger Zeit werden ihr die Augen wieder verhüllt und sie wird in-das obere Geschoß geschleppt. Die Binde wird dort wieder von ihren Augen genommen und sie sieht einen prachtvoll drapirten Saal und einen Kreis von kostbar gekleideten Männern. Einige treten ihr nahe und öffnen ihr mit einer Lancette an beiden Armen und an beiden Seiten des Hauptes die Adern; sie fangen das Blut auf, verbinden ihr die Adern und die Augen, und führen die beinahe Ohnmächtige wieder die Treppe hinab in den untern Saal. Sie erwartet den Tod und bereitet sich vor.' Da öffnet sich leise die Thür und eine Stimme flüstert: ״Willst du fliehen?" Sie eilt dem Netter zu; derselbe Wagen, in dem sie gekommen, tragt sie eiligst davon. Sie kommt in ihr Heimathhaus und erzählt unter Thränen den staunenden Eltern den Vorfall. Sie liegt (so wird beigesügt) krank darnieder, und man sorgt um ihr Leben. Die Untersuchung wurde sogleich eingelcitet. Möglich, daß die Schöne

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