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Jeschurun · 1855-05-01 · Heft 8 (Mai 1855) · p. 460

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 8 (Mai 1855)
Article
Asien : die Juden in Indien [Nachricht]
Date
1855-05-01
Page
460 (sequence 2)
Language
German
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460 hatten vormals eine bis zu ihrer Einwanderung hinaufreichende Chroms die ihnen aber in Folge der durch die Kriege mit den Europäern eingetretenen Unglücksfälle abhanden gekommen. Nach ihren dem Verf. gemachten Erzählungen hätten sie vor Ankunft der Europäer eine sehr zahlreiche Gemeinde gebildet, die unter der Herrschaft eines ans ihrer Mitte gewählten Scheiks unabhängig und isolirt gelebt. Nach jenem Ereigniß wären sie jedoch sich zu zerstreuen gezwungen worden. -Ihre Glaubensgenosien zu Cochin auf der Küste von Malabar sollen noch ihre vollständige Chronik bis hinauf zu den Tagen ihrer Auswanderung auS Palästina bewahren. Nicht weit von Bombay, ungefähr zwei Stunden von Barku, befindet sich eine ungefähr 2000 Seelen zählende Colonie der Bene Israel unter der patriarchalischen Leitung eines Babi genannten Oberhauptes. Sie bewohnen von Gärten umgebene Häuser, sind gröhtentheils wohlhabend und beschäftigen sich mit Ackerbau und Handel. Sie kleiden sich sine die Banianen und haben wie diese einen kupferfarbigen Teint. Ob^- gleich sie mehrere Pentatenche besitzen, so haben sie doch das Hebräische bis auf die Kenntniß des Alphabets gänzlich vergesien. Vom Cultus haben sie nur wenige Hebungen, die sich bei ihnen von Geschlecht zu Geschlecht, sich allmälig ändernd, vererbt haben. Gleichwohl bezeigen sie in ihren Tempeln den Rollen des mosaischen Gesetzes die größte Verehrung. Seit einiger Zeit schicken ihnen die babylonischen Juden von Bombay Schochlim und Nabbinen, die unter ihnen etwas mehr religiöse Kenntniß verbreiten und sie mit den religiösen Vorschriften des Judenthums vertrauter machen. Gleichwohl weigern sich die Juden zu Bombay, sich mit ihnen als Glaubensgenossen durch Heirathen zu verbinden. Sie vergleichen sie mit einigen anderen Sekten, die auch einzelne Gebräuche dem jüdischen Cultus entlehnt haben. Die Leus Israel ihrerseits jedoch beanspruchen mit Entschiedenheit den jüdischen Namen, suchen sich den babylonischen Juden immer mehr zu nähern und würden sich glücklich schätzen, ihre religiöse Vereinigung mit ihnen durch gegenseitige Heirathen besiegeln zu können. Protestantische Missionäre besuchen sie von Zeit zu Zeit, können sich aber bis jetzt nochkeines Erfolgs rühmen. Der Verf. hat Ben6 Israel in verschiedenen Wohnörtern, namentlich in Cochin gesehen; überall tragen sie dieselbe Physiognomien und üben dieselben Beschäftigungen. (Auch im Jewish Chronicle werden die Bene Israel neuerdings besprechen und scheint dort in einem Briefe des Major Edwards sehr richtig bemerkt zu werden, daß der Lösung der Frage wegen ihrer jüdischien Abkunft, namentlich die 'Untersuchung vorangehen muffe, welche jüdische Element: ihnen etwa durch Vermittelung des Islams und des Korans haben zukommen können.) (Schluß folgt.) Druck von Nsivhold Salst. — Redakteur: Rabbiner Hirsch in Frankfurt am Mai«.

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