Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 7 (April 1855)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1855-04-01
- Page
- 407 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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407 deS vorigen Jahres in 3592 Thlr. 23 Sgr. 6 Pf., von denen 3579 Thlr. 10 Sgr. ausgeliehen und 13 Thlr. 13 Sgr. 6 Pf. Kassenliste waren. (N. Z.) Berlin, 4. April. Der König hat der jüdischen Gemeinde in Berlin gestattet, daS ihr von der verstorbenen Wittwe Sara Levy, geborenen Jtzig, in dem Codicill vorn 22. Augnst 1850 zu milden und religiösen Zwecken auSgesehte Legat von 32000 Thlr. anzunehmen. (Pr. «.־> Belgien B rii ssel, im März. Ein ehrwürdiger P. Herrmann, - seiner Geburt nach Jude, seines Zeichens ein Pianist - rv konnte sich wahrscheinlich in den Ernst seines Standes nicht finden und zog es vor, den Rest seiner Tage als barfüsier Earmelilevmörich zuzubringen und erbaut jetzt sonntäglich seine gläubige Heerde. Seine Predigten sind immer wahre Musterstücke der Kanzclbcredsamkeit und zeichnen sich vorzüglich durch rhetorische Kraftfüttc aus. Neulich an einem Sonntage, wahrscheinlich dem Tage, wo er vor Jahresfrist den Glauben seiner Väter und seine ruhmvolle Virtuosenlaufbahn verlassen um in dein Schoos; der allein seligmachenden Kirche seine neue Laufbahn als baarsusiender Earmelitermönch zu beginnen, betrat er in der Kirche zu 8runt Ouictirle die Kanzel und nachdem er zuerst auf die bobe Bedeutung des Ortes als der Stätte wo er seinen llebertritt zur Kirche feierlich bekannt , aufrnerksam gemacht batte, glaubte er die Erinnerung an jene glorreiche Tbat nicht besser feiern und die Aufrichtigkeit seines llebcrtritteS bei seinen andächtige;; Zuhörern in kein glänzenderes Licht setzen zu können, als indem er ans eine un-- erhörte Weise ans seine alten Glaubensgenossen loszog, und um seinen; Glaubensdrange Lust zu machen alle erdenklichen Strafen vom Vater im Himmel über sie erstebte. Jedoch damit begnügte sich der gute Manu noch nicht; cs ist ibm nicht genug, das; er allein einst die Aussicht hat selig zu werden, während neben ihm tausende ebenbürtige Menschenkinder, tausende von Brüdern und Schwestern irrenden Schafen gleich blindlings ins Fegefeuer jagen. Er hat Bekanntschaft unter den ״höheren" Ständen er sucht sich also ׳• gleichgesinnte weichherzige Strebcgenossen und findet eine solche würdige Mitarbeiterin in Person einer Dame ans der höchsten Aristokratie Belgiens, die sich dieselbe Lebensaufgabe gestellt — der Bund ist rasch geschlossen und ohne Verzug geht man ans Werk. Ob sic ebensoviel Erfolg gehabt wie jener chinesische Missionär, der sich in einem Briefe an seinen Collegen rühmt, während der letzten Seuche so und so viel tausend sterbendc Kinder am Rande des Todes noch dem Teufel entrissen und ״durch die Taufe ihnen die ewige Seligkeit erschloffen" zu haben — weiß ich nicht, möchte eS jedoch nach dem Erfolge ihres letzten Versuches bezweifeln. Zum Gegenstand ihres neuesten frommen Manoeuvers wählten sie sich ein