Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 7 (April 1855)
- Article
- Deutschland : aus Niederfranken [Nachricht]
- Date
- 1855-04-01
- Page
- 406 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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4t)G Deutschland. * AuS Nieder franken, im April. Die Juden unseres Kreises — wir wissen noch nicht, ob auch unsere Brüder der übrigen .Kreise — wurden zu diesem Pcßachfeste durch eine Berfügung überrascht, die vielleicht in den an Abenthenerlichlliten doch eben nicht so armen Annalen des Judendruckes noch ihresgleichen sucht. Sänuutliche Behörden sind angewiesen worden, auf sämintllche Inden ohne Unterschied vigiliren zu lassen, ihre Schritte zu beobachten, zu überwachen, in welches Haus sie gehen, mit wem und womit sie Geschäfte machen n. dgl., und sind somit sämmtliche Juden unter polizeiliche Aufsicht gestellt, eine Maßregel, deren sich wohl auch nicht so leicht irgend ein staatspolizeiliches Regime wird rühmen können. Vergebens -strengt mau sich an zu ermitteln, waS eine solche «»;erhörte Verfügung provocin. Vergebens forscht »nan bei den Behörden nach, waö denn vorgefatken, um eine solche die ganze jüdische Bevölkerung brandmarke »!de Maßregel zu veranlassen. Sie scheinen selbst in Verlegenheit, sic scheinen selbst die Motive dieses Erlasses nicht zu kennen, und so müssen wir einstweilen diele אשד לא HDD/ wie ein Unwetter ans heiter»»! Himmel hinnehmen und von der nächsten Zukunft Aufschluß über den Ursprung sowie über den Erfolg einer so seltsamen Maßregel, erwarten. Können Sie sich wundern, wenn hier jeder Jude, dessen Verhältnisse eS nur irgend zulassen, mit Ernst daran denkt, den Staub cineS Bodens vo»» den Füßen zu schütteln, der mit immer erneutem Hohn sich zun» Grabe der Jndcnehre zu gestalten bemüht, und daß die Zurückgebliebenen sehnsüchtig den Ausgewanderten nachblicken, die jenseits dcS Oeeans, wenngleich noch lein Paradies auf Erden, doch ein Vaterland gesunden, das sie als ebenbürtige Söhne anerkennt, Sch»»»ach und Fesseln nur dem Verbrecher bietet, aber die freie Rift des freien Bodens nicht mit dem Miasma der Kerker athmoSphäre düngt! Berlin, 23. März. Die alljährliche Gcr»eralversa»»»mlung des Vorschußvereins für hü lfsbedürftigc Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde konnte erst am 18. gebt. a. e. abgehalten werden. Tic Mitgliederzahl deö Vereins ist seit dm» vorigen Jahre nicht unbedeutend gewachsen und zeugt dieses von der immer n»ehr und mehr platzgreifenden Einsicht der Gelneindelnitgliedcr, daß die wahre Wohlthätigkcit nicht darin besteht, Alrnoscn zu vcrtheilen, sondern darin, seinem Ncbcnmenschcn zur rechten Zeit die Mittel zu gewähren, seinem Gewerbe nachgehen zu können. — Im vorigen Jahre sind 188 Darlehen mit einer Summe von 7065 Thlr. bewilligt worden, und zwar an 110 Handwerker und 78 Handelsleute; überhaupt sind seit dem Bestehen des Vereins, seit dem Jahre 1846, 1060 Darlehen mit 38,895 Thlr. bewilligt worden. Die Wiedcrzahlnngcn erfolgten, n it wenigen Ausnahmen, pünktlich, und sind im vorigen Jahre 169 Thlr. 25 Sgr. von Bürgen eingczogen worden. — Das Bennögen des Vereins bestand am Schlüsse