Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 7 (April 1855)
- Article
- England : London [Nachricht]
- Date
- 1855-04-01
- Page
- 403 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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403 genommen, Thwckeray, der erste der jetzigen englischen Schriftsteller, dankte in freundlichen Worten für die Theilnahme an einem Schriftsteller, ״dessen Geschäft ja heutzutage sehr danieder liege." Ich glaube mich an Ähren Lesern zu vergehen, wollte ich tim nt den weiteren Theil der geistreichen Rede dieses berühmten Mannes bei einem j ü d i s ch e 11 Male vorenthalten. ״Die Grazien sind eingefroren — begann er — die Lieder der Musen sind dem Hülferuf arbeitloser Hungernder gewichen; — russischer Frost hat alle Pforten der Wissenschaft gesperrt, so daß kein Autor eine Ladung vom Stapel lassen will. Wie nufere Feinde in Kronstadt und Sewastopol, so sind Wissenschaft und Schriftsteller von allen Seiten cernirt. Wer übrigens könnte Sinn für die Kinder der Phantasie haben, wenn die Wirklichkeit unsere Phantasie so ganz in Anspruch nimmt? Wie sollten sich Angesichts , der Helden voti Alma, Jnkermann und Balaelava die sanften Musen Geltung verschaffen? Humor würde sich vergebens abntühen, Witz umsonst sich anstrengen — Niemand würde hören, Niemand schauen. Die Saison der Poesie und Wissenschaft ist zu Ende. Erst wenn das Herz der Menschen sich nach Nutze' sehnt, und sich umsieht nach dem Arzte, der die brennenden Wunden des Krieges sanft verbindet — dann kehrt die Zeit der Poesie und Wissenschaft wieder. Inzwischen sucht die Bruderhand die Wunden des Krieges zu ver- Linden und den wackern Kämpfern beizuftehen. Aber darüber sollten wir auch der Kämpfer nicht vergessen, welche, ebenso wie in der Krimm, für die allgenteine Wohlfahrt des Vaterlandes streiten — welche für die geistige Entwicklung des Volkes, für Jugendbildung wirken. Ich meine die Leiter der ״Süsser Hall." Dieses der Volksbildung geweihte Institut ist eine Schöpfung des jüdischen Volkes, eines Volkes, dessen thätige Menschenliebe sich bereits länger als drei Jahrtausende bewährt, dessen Lehren den. Geist der Liebe bis in die entlegensten Berge des Libanon getragen. Obgleich ich dem Judenthume ferne stehe, so kann ich meine Hochachtung nicht einer Nation versagen, die seit Jahrtausenden Träger und Bewahrer einer.Lehre ist, deren Geist Alles, was die Menschheit je verehrt, überragt. Diese Lehre vergißt über die Anordnung der größten und wichtigsten Angelegenheiten, der Armen,. Fremden, Waisen׳ und Wittwen nicht, und weist ihnen als Erbtheil das Herz ihrer Mitbruder an. Das Buch dieser -Lehre ist eine Sammlung der herrlichsten, mächtigsten Pflanzen, deren Schönheit man mir einmal zu erblicken braucht, um sie nimmer zu vergessen. Im Schatten dieser Bäume ruhen die Alten und Weisen Israels. Ein solcher von Israel gepflanzter Baum ist ״Süsser Hall." Jeder, der arm an Geist, der Bildung bedürftig ist, wird geladen, von diesen labenden Früchten zu genießen. Ewig blühe dieser Baum!" — So ungefähr Thackeray über eine jüdische Bildungsanstalt.