Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 7 (April 1855)
- Article
- Zu den Angelegenheiten der Juden in der Türkei [Nachricht]
- Date
- 1855-04-01
- Page
- 401 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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<Ä. ♦׳ Erstes Beiblatt.״,!» Aprilheft. Ausgegebkii den 1. April 1855. In dieses Beiblcitt werden Inserate zu r» kr. pr. Zeile oder deren Raum ausgenommen. Zu den Ängelrgrnheiten der Juden in der Türkei. Seit einigen Wochen geht eine Notiz duzchdie jüdischen Journale, die weniger nach ihrer Bedeutung für die Gegenwart, als nach dem, was sie möglicher Weise für die Zukunft im Schooße trägt, jeden Freund der Gerechtigkeit, jeden Freund der religiösen Freibeit überhaupt und der jüdischen Religionsfreiheit insbesondere aufs Tiefste bekümmern muß. Jahrhunderte lang lebten die Juden unter dem Schirm der Pforte, und über so manche Mißstände in ihrer politischen Lage sie sich auch zu beklagen haben mochten, ihre Religionsfreiheit war ihnen noch nie angetastet. In höchster Selbstständigkeit übten sie ihr religiöses Gesetz, lebten sie ihren religiösen Sitten { und keinem moslemischen Machthaber ist es je eingefallen, das jüdische Leben, die jüdischen Sitten zum Gegenstand seiner reformatorischen Gelüste zu machen. Der Berührung mit der europäischen Kulturatmosphäre, in welche der Halbmond in nettester Zeit so erzwungen freiwillig hineingestoßen worden, scheint es Vorbehalten zu sein, auf orientalischem Boden die Saaten europäischer Intoleranz §11 streuen. Ein Ferm an, so heißt es, sei vom Sultan ausgegangen, der den jüdischen Frauen die Beseitigung ihres bisherigen jüdischen Kopfputzes gebietet und ihnen vorschreibt, sich in ihrer Kopfbekleidung nach türkischer Sitte zu richten. Mit llnwillen sei diese Neuerung von den älteren jüdischen Damen begrüßt worden; allein die Frau des Oberrabbiners selbst sei mit Befolgung dieses kaiserlichen Gebots vorangcgangen. Wir wollen davon absehen, daß nach der einen Version die durch kaiserlichen Ferman diktirte Kopfbekleidung das Haar freiläßt und somit geradezu die Uebertretung eines jüdischen Religionsgesetzes gebieterisch sordert. Wir halten uns gerne an die andere׳ Auffassung, nach welcher auch der neue. Kopfputz das Haar verhüllt lasse. Allein selbst nach dieser Ausfassung erscheint ein solches Diktat als der schreiendste Eingriff Ln die geheiligten Rechte der individuellen Freiheit und als Vorläufer jener reformatorischen Tyrannei, um welche Abdul Medschid wahrlich seinen nunmehr verstorbenen Gegner an der Newa nicht hätte beneiden sollen. Mehr als je ist die Theilnahme der europäischen Juden für ihre