Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 6 (März 1855)
- Article
- Deutschland : Frankfurt [Nachricht]
- Date
- 1855-03-01
- Page
- 349 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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4> Zweites Beiblatt zum Märzheft. Ausgegeben den 15. Marz 1855. In dieses Beiblatt werden Inserate zu 3 kr. pr. Zeile oder deren Raum ausgenommen. Da mit dem 1. April ein neues Quartal beginnt, so erinnern wir an gef. baldige Erneuerung des Abonnements, damit die regelmäßige Zusendung keine Unterbrechung erleide. Deutschland Frankfurt, 14. Marz. Der Czar ist tvdt, und von der Newa bis zur Themse, von Ocean zu Ocean stehen alle publicistischen Federn noch in der Schwebe, ob sie den Tod dieses Gewaltigen als Epoche machend einzutragen batten in die Geschichte des großen Weltdrama's, in welchem alle Helden bis jetzt zu bloßen Statisten herabgesunken, oder ob auch hier nur Nikolaus gestorben, der Czar aber lebe. Der Czar ist todt, und auch die jüdische Publicistik merkt sich den Tod dieses Gewaltigen nur als eine Notiz in ihrer Tageschronik und muß erst von der Zukunft die Weisung erwarten, ob dieser Tod einen Abschnitt werde gebildet haben in der thränenreichen Leidensgeschichte unserer jüdischen Brüder im Ezarenreiche, oder ob auch hier nur die Nolle in eine andere Hand übergegangen, und auch der jüdischen Tbräne, dem jüdischen Seufzer der Czar nicht gestorben. Nikolaus hatte seinen jüdischen Unterthanen das Gebet für seine Siege verboten. Nikolaus hätte mit noch größerem Fug sich eine Grabrede aus jüdischem Munde verbitten müssen. Der Jude geht schweigend an seinem Grabe vorüber. Nicht in seinem Tode erblickt er das Gottesgericht. Der Czar ist an der Grippe, an Ueberarbeitung, an gebrochenem Herzen — vielleicht aber auch zur glücklichen Stunde gestorben, um in einem Spiele nicht noch größere ' Verluste zu erleben, in welchem bis jetzt noch alle Mitspieler nur verloren, ,und mit ihren Verlusten nur den Einsatz für den noch unbekannten Gewinner vergrößert haben. Nicht 'in seinem Tode erblickt er das Gottesgericht. Wohl aber in der Enttäuschung, die dieser Tod sofort über die Unbedeutendheit auch dieser von Freund und Feind fast vergötterten Persönlichkeit gebracht. Nikolaus stirbt — und um keines Sandkorns Schwere fühlt sich die Waage des politischen Welttheilgeschickes berührt. Das ist das Weltgericht über solche Größen. Zu solcher Kleinheit schrumpft auch diese per-