Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1855)
- Article
- Aus der badischen Main-Taubergegend
- Date
- 1855-02-01
- Page
- 288 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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288 Aus der badischen Main׳ und Taubergtgend. nur Ein Lehrer wirkt, so kann er in den meisten Fällen, wenn er seine Kräfte nicht überspannt, in einem der beiden Lehrfächer — wenn nicht gar in beiden — sicherlich nur Mittelmäßiges leisten. Ist nun noch, wie in manchen Staaten, das Jnspectorat der Schule zwischen Rabbiner und Pfarrer getheilt, so wird der Lehrer, wenn er der leidigen Sucht, mehr nach außen, als nach innen glänzen zu wollen, nicht zu widerstehen vermag, daS Neligionslehrfach dem weltlichen hintansetzen, wodurch das religiöse Bildungselement unsrer Zeit noch immer mehr in den Hintergrund gedrängt Werder: würde. Ich stimme daher der Bemerkung der Red. hinsichtlich solcher Schulen, deren Schülerzahl klein ist, oder auch solcher größern, an welchen Ein Lehrer nur eine geringzählige Schülerklasie zu unterrichten hat, und auch dann nur bei, wenn jedem Lehrfache die ihm entsprechende Stundenzahl gewidmet werden kann. Wo die Umstände dieses aber nicht gestatten, wie es in den meisten israelitischen Gemeinden der Fall ist, glaube ich jedoch jetzt noch behaupten zu dürfen, ohne der bekannten Assimilirungstheorie zu huldigen, daß es ein hoher Gewinn für den israelitischen Religionsunterricht sei, wenn derselbe in besondern Neligionsschulen ertheilt wird, und die Jugend zum Behufe ihrer sonstigen Ausbildung die allgemeinen Schulen besucht. Än m. d. Ned. Zn jener vHnm. haben wir selbst die Möglichkeit zugegeben, daß Umstände die Trennung des religiösen Unterrichts von dem Unterrichte in den allge. meinen Bildungsgegenständen'als notbwendig erheischen können, und haben dort auch zunächst nur von Schulen gesprochen, die mit entsprechender Lehrerzahl versehen sind. Mein, so we^ unsere Erfahrung reicht, ist das Ziel, das von den meisten OrtSschulen in den Landgemeinden angesttebt wird, ein so mäßiges, daß es auch bequem von einer jüdischen Schule mit Einem Lehrer erreicht, ja übertroffen werden kann, wenn auch in rer jütischen Schule zugleich der religiöse und allgemeine Unterricht ertheilt werden soll. Freilich müssen wir tüchtige Lehrer haben. Aber dafür müßte ohnehin mehr geschehen, slS bis jetzt geschieht.