Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1855)
- Article
- Aus der Mappe eines wandernden Juden
- Date
- 1855-02-01
- Page
- 271 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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A»S der Mappe eine« wandernde» Juden. 271 ״Nicht Seufzen?" ״Thun?" entgegnete mir rasch dev Jüngere, ist uns denn daS Tbnn so fremd und seufze ick nicht eben nur darum, weil da- Tbnn, das Thun für'S Allgemeine, für den י^רקח, so fruchtlos, so schwer, so schwierig und doch so karg in seinen Früchten? Und was lässt sich viel thun in einer Zeit, wo ganz andere Interessen die Gemütber der Welt gefangen halten, wo daS Leben mit seinen Bedürfnissen und Reizen schon mächtig genug ist, den Einen nach dem Andern aus dem Geleise des jüdischen Denkens und Lebens herauszulocken und hintendrein dann noch diese neuern Schriften, diese gedruckten Boten und Mäkler des י׳ה׳ף, hinzukommen, das Urtbeil zu verwirren, die Gewissen zu beschwichtigen und eben das Geleise deS jüdischen Denkens und Lebend verächtlich und lächerlich zu machen? Als wir hier in die Eajüte hinuntergingen, :nein Bruder und ich, da ärgerte ich mich, dasi von den 1T> jüdischen Reisenden, die sich unter der Schiffsgesellschaft befinden, wir die Einzigen sind, die daö Diner dort oben nicht tbeilen. Aber was ich da eben hier unten gelesen, hat meinen Zorn in Schmerz und Wehmutb verwandelt. ES thut web, Herr, und rechtfertigt wohl einen Seufzer, die ganze feine gebildete Jugend, so viele herrliche jüdische Herzen für unS verloren zu sehen, es tbut web und rechtfertigt wohl einen Seufzer, zu denken, welch ־> קידוש השם’* sein würde, wenn Alles wär' wie eS sein sollte, und welch חילול השם ist, da es ist, wie eS nun einmal ist. Den jungen feinen Herren und Damen dort oben kann ich nicht mehr zürnen, die wissen gar nickst mehr was recht und unrecht ist für jüdische Gewissen; aber diese Schriften, die dieS Alles verschuldet, diese gedruckten Ablaßzettel für jüdische Sünden, diese — Lassen Sie diese Schriften, unterbrach ich seine heftiger werdende Rede, lassen Sie diese Schriften, die nützen nichts mehr und schaden nichts mehr, die haben sich mit ihrem Guten und Bösen längst überlebt. Wer von ihnen sich Ablaß holt, bat sich im Herzen längst selbst absolvirt. Die Welt kennt den Standpunkt zur Genüge, auS welchem sie daS jüdische Heiligthum betrachten und erwartet längst nichts Anderes von ihnen. — Lassen Sie sie, sie verdienen weder Ihren Zorn, noch Ihre Seufzer. — Lassen Sie überall daS Seufzen und Zürnen! Unsere Zeit fordert die That, die frische, frohe, freudige, muthig muntere That, und jede Thatkraft bricht das