Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1854)
- Article
- Kislew
- Date
- 1854-12-01
- Page
- 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Kiölew. Siehe! das ist der lebendige Glaube des Juden! Er ist nicht blind für die Fülle von Kräften und für die Macht der Gesetze, die Sein Meister und der Dreister der Natur in das Werk deiner Schöpfung gesenkt. Eine Welt von Tbat gewordenen ׳Gottesgedanken ist ihm das All, ״Mlacküh," ״Malach," Botschaft, Bote von Gott ist ihm jedes Wesen und jede Kraft, und jedes Gesetz, das Wesen und Kräfte beherrscht. Gottesauftrag vollstrecken sie Alle mit Allem, und da am meisten, wo der blindgewordene Menschcnmaul- Wurf dumpf hinmurmelt: es ist Naturgesetz, das sie regelt. Dieses Naturgesetz selber ist die lebendigste Offenbarung Gottes, und das; es uns so ewig dünkt, das unzweideutigste Wunder Seiner Allmacht. Nicht daher nur, wenn Gottes Geheiß das Weltmeer spaltet und dem Feuer die verzehrende Kraft bändigt, lobsingt der Jude seinem Gott; sondern auch wenn zum milliontenmale der Morgen leuchtet, und zum sechstehalbtausendsten Male der Frühling lächelt, betet der Jude seinen Gott an, der der Sonne ibre Bahn und dem Lichtstrahl sein Gesetz uitb den Jahreszeiten ihren Wechsel vorgezeichnet. Die Erdwclt aber, die ״Adamah," dieser ״Adamsboden," diese ״dem Menschen vermählte Erdnatur," die Erdballrinde mit der Dunsthülle, die sic mütterlich umgiebt, und Alles, was in diesem Lebensringe keimet und lebet, stehet nicht nur unter dem Gesetz der einmal vom Meister bei der Schöpfung hingestellten und durch seinen allmächtigen Willen festgehaltenen Ordnung, dem Menschen ist sie angetraut, dem Menschen, dem der Schöpfer mit den: freien Kusse seiner Gnade einon Funken Seines freien ewigen Wesens eingehaucht, und mit diesem Gotteshauche die Macht und die Bestimmung gegeben, sich mit freier ewiger Kraft über das zwingende Muß zu erheben, dem alle andere Wesen und Kräfte nach des Allmächtigen Willen sich beugen, diesem, mit freier Gotteskraft die Natur-, gesetze überragenden Menschen, ist sie angetraut, als Boden und Reich seines freien Schaffens und Wirkens, aber auch zugleich als Erziehungsstätte seiner Veredlung, Entwickelung und seiner Heranerziehung zu Gott und zu seiner eigenen göttlichen Hoheit und Größe. Hier wacht das besondere Auge Gottes und Sein allmächtiger Wille hält hier nicht nur die von Ihm geschaffene Ordnung der Natur, sondern lenkt und leitet, giebt und nimmt, richtet