Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 2 (November 1854)
- Article
- Aus Oberschlesien
- Date
- 1854-11-01
- Page
- Seite 105 (sequence 2)
- Language
- German
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Au- Obnschlkficn' 10L der begonnenen liturgischen Reform unzufrieden, hat ein separates Betlokal für sich erbauen lasten und einen besonderen Nabbinatsverweser angestellt, der Honorar und Emolumente bezieht. Mislowih, GutLentag, Nicolai, Rosenberg, Nybnitz sind später dem argen Beispiele gefolgt und haben ihren Rabbinern theils mit, theilS ohne Entschädigung, ebenfalls das Amt gekündigt und sie entlassen, und in allen diesen Gemeinden, außer Gleiwitz und Mislowktz, sind die Rabbinate noch bis heute vacant, ohne daß im Entferntesten au die Wiederbesetzung derselben gedacht wird. Die Landgemeinden, deren es in der Gegend von Benthen und Mislowitz nicht wenige giM,, hören das ganze Jahr hindurch kein Wort der Belehrung, der Erbauung. Wie soll aber in einer so bewegten Zeit, wie die unsrige, ein religiöser Halt ge" Wonnen werden, wenn die Männer fehlen, denen zunächst eben die Pflege der religiösen Erhebung in Wort und Thal obliegen würde? Das Bedürfniß nach Wiederbesetznng der erledigten Rabbiuate stellt sich immer dringender heraus, und jede Verzögerung iß ein Vergehen gegen die Dringlichkeit deS Bedürfnisses. ** Aus Niederschlesien. Was ich Ihnen Mer die religiösen Zustände meines Kreises zu sagen vermöchte, ist leider wenig erfreulich. In hiesiger Umgebung befinden sich mehrere jüdische Gemeinden, die, wenn auch verschieden nach ihren numerischen und materiellen Verhältnissen, in religiöser Beziehung einander ganz ähnlich sind. Ueberall tritt dem Auge des Beobachters das traurige Bild eines trostlosen religiösen Zustandes entgegen. Der Schächter — nur hie und da ist auch eikk^Prediger nngestellt — ist das religiöse Faktotum; er bildet mit dem Vorsteher die gesetzgebende und ausübende Gewalt, leitet den Gottesdienst und unterrichtet die liebe Jugend. Daß hier bei der geringen Bildung des Lehrers von einem gründlichen Unterricht, wenn auch nur in den Ansangögründen der heiligen Sprache und in der Bibel, nicht die Rede sein kann, versteht sich von selbst. Eine der größten Gemeinden, welche sich m früherer 'Zeit deS Rufes strenger Frömmigkeit und hoher Gelehrsamkeit zu erfreuen hatte, in der die gefeiertsten taünudischen Autoritäten, ein Oberrabbmer, ein rack-