Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 2 (November 1854)
- Article
- Jüdische Skizzen aus Berlin
- Date
- 1854-11-01
- Page
- Seite 93 (sequence 3)
- Language
- German
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Jüdische Skizzen auö Berlin. II. 93 sie seltsamerweise in die Hände eines erekutiveu VorstandöauSschuffeö gekommen, der theilweise mit dem besten Willen daS allergeringste Verständnis; und die größte Anwartschaft ans Verwendung in einem Purimspiei verbindet*). Die kühnste Phantasie kann ihren Abenteuerlichkeiten kaum folgert — wie vermöchten wir's. die überhaupt Besseres zu thnn haben, sie zu registriren. Der VvlkSwitz hat sich ihrer und ihrer Männer schon bemächtigt. Aber wenn man einer so bedeutenden Menge von Juden, und andächtigen Juden, unter Anderen statt eines bloj-t>'ii.ll'6-Abendö eine musikalisch-deklamatorische Soiree — denn bei unS wird auch wie in der Oper bisweilen mit Pathos deklamirt — solcher Art auftischen läßt, — so kann das nicht scharf und bitter genug gerügt werden. DaS Publikum stand zu seinem Unglück und zur Freude der ActeurS zwischen zwei Feuern, vorn drohte der Chasau, hinten lauerte der Chor, unb kaum war dort die Partitur beendet, alö hier unter Anführung deS silberbeschlagenen Kommandvsiabs eine neue Arie in Bewegung setzte. WaS die Leute in der Mitte mit dem vollen, zerknirschten Herzen eigentlich da wolltett und sollten, ob ein Machsor nicht als bloßes T'crrbuch denn doch zu rheuer bezahlt ist, das sind Fragen, die noch heute schweben. Wenn man im Bewußtseyn eigener Schwache die fremde schollen und im beruhigenden Gefühl der lateinischen Buchstaben unter den Noten die etwas schadhafte Kenntnis) des Hebräischen im Publikum unterstützen will, so ist daö recht löblich an und für sich —aber so jedes Wort dem Beter abzuschneiden. so aus Vorbetern störende Vor- und Dreinsprecher zu, werden, und sich en deux in die Ehren deö Abends zu theilen—das ist nicht recht, und wenn der Vorstand eö tausendmal reizend sinder. Eö ist ja auch in christlichen Kirchen nicht so — das ist gewiß übersehen worden. dlu\\f das wird wohl auch anders werden. Der Chor aber möge sich mehr nach seinen Vätern, den „Singerlein" richten, und Was ich Herrn Siegfried Kapper, der sich vom deutschen Museum für ein auö dem Gedächtnis; — d. h. S ch u dt' s — niedergefchriebeneS bogenlanges Ahasver,-Sspiel gewichtigen Dank erwirbt, nicht eindringlich genug an'ö Herz legen kann. Ueberhaupt kann ich ihm unsere Rosenstraße bestens empfehlen, er würde da mehr Ociginalien finden, als in allen böhmischen Dörfern zusammen, und eine gewisse Klaffe von gereiften, mit romantisch historischem Hintergründe begabten und nach Farbe und Dimension benannten Jünglingen, vulgo Bouhurlm, würden weit bessere Falke abgeben, als sein säst- und kraftloser jüdisch-deutscher Herr Hauü, Lehrer.