Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Aus dem Elsaß
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 45 (sequence 2)
- Language
- German
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Au« dem Vlsass. 45. Allein in unserer Zeit, wo, Mott sei Tank, Reich der Willkühr und der Unduldsamkeit von der Erde geschwunden, wo daS Indentlmm inl Angesicht der ganzen Welt sich wieder die Anerkennung seines berechtigten Daseins errungen, unt mit Ruhm und Eine sein Antlitz erbeben darf — kann eS da für ein jedes jiidifche Herz etwas BetrübendercS geben, als noch nach den verschiedenen Zuständen deS IudcnthurnS in den verschiedenen Ländern fragen zu müssen? Leider aber rechtfertigen die Thatsachen eine solche Frage. Seitdem taö Iudenthum nichts mehr voll -lüften zu leiden hat, sind seine eigenen Kinder ihm feind'geworden. Hon der Höhe seiner göttlichen Erhabcnbeit hat man cS in den Staub hinab getreten, bat es entstellt und earrikirt, und eS so dann am Pranger der öffentlichen Meinung dem Gelächter und Gespotte der Welt preisgegeben. Denn waS ursprünglich nur der Genußsucht, Gewinnsucht und Ehrsucht sein Dasein verdankte, wurde hinterdrein eine Art systematischer Fanatismus, der von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf fortschreitend, auf den Lebensnerv des IudcnthurnS seine Angriffe richtete, und überall seine Opfer forderte. Auch der Elsaß blieb von dieser Zcitkrankheit nicht verschont. Wahn und Jrrthum haben auch dort sich Trophäen gesammelt. Doch fand hier diese Richtung nur im Kreise deS Privatlebens Freunde und da sie nicht wie in Deutschland ihre Genossen unter den Rabbinen, diesen Trägern des öffentlichen religiösen LebenS, fand, konnte sic auf die Masse nur durch den Einfluß des Beispiels schädlich wirken. Mochten gleich einige Rabbinen, durch die, von den Herolden der neuen Ideen \m Interesse ihrer Rcformbestrebungeu übertriebenen Berichte über die Fortschritte des UebelS geängstigt, sich Anfangs im vermeintlichen Interesse der Religion zu einigen leichten Veränderungen im öffentlichen Cnttus als beschwichtigenden Eoncessionen geneigt zeigen, so wurden sic doch durch das sehr bald alle Schranken überschreitende Gebahren der Resormsreunde gründlich enttäuscht, und erkannten sehr bald daS eigentliche Ziel dieser vorgeblichen lie^tuuruteuis eie Irr rcligioii, Denn daS ist die weise Fügung der Vorsehung, daß, wenn die Menschen in stolzer Verblendung und Selbstüberschätzung sich so weit vergessen, an die Stelle der Religion Ausgeburten ihrer Phantasie setzen zu wollen, sie aus einem Jrrthum in den andern fallend, einen Fehltritt