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Jeschurun · 1887-12-29 · Heft 52 (29.12.1887) · p. 831

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 52 (29.12.1887)
Article
Amerika : Philadelphia [Nachricht]
Date
1887-12-29
Page
831 (sequence 2)
Language
German
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831 Gesetze und — ist doch jüdischer Rabbi, sogar gut bezahlter jüdischer Rabbi. Ais einer der Vertreter der amerikanischen jüdischen Klerisei galt bislang der cl)1*cmue11l)c Herr 301111c ן cf) ein in St. Louis, der selbst seiner radikalen Neformgemciudc vor ein oder zwei Jahren zu radikal geworden ist, so׳ das; sie ihn seines Amtes enthob. ES geschah dieses hauptsächlich den um, weil der radikale Rabbi — christlicher Pastor werden wollte, falls er einen besseren Gehalt und eine gesichertere Stellung als solcher erlangen konnte. Da dieses aber sich nicht bewerkstelligen ließ, so wurde der für eine christliche Kanzel kandidatliche Gelüste hegende Rabbi wieder Rabbiner. Und da die jüdische Gemeindc in St. Louis ihn nicht mehr mochte, so bildete er eine Separatgemeinde anö seinen Freunden. Nun kommt aber daö allerdings auch hier kaum für möglich Gehaltene. Die Hanptgemeinde, welcher cr so lange als Geistlicher vorgestaudcu, war so durch und durch Souucschcin'sch geworden, daß sic einen neuen Rabbi anstellte, welcher nämlich noch radikaler als Sonneschcin war. Dieser würdige Meister in Israel. Rabbi Sale, will kurzer Hand den Sabbath abschassen und statt dessen den Sonntag feiern lassen. Da erhebt sich nun der edle Sonneschcin und eifert — gegen diese Reform! Derselbe Souncschcin erklärt sich gleichwohl damit einverstanden, Ehanncka auf Weihnacht zu verlegen oder statt deS jüdischen Kalenders überhaupt den gregorianischen cinzuführen. Weil aber Sale den Sonntag will, darum muß Souncschei'u für den Sabbarh cintreten und sich ein׳ mal in der Nolle eines orthodoxen Reformers nersuchen. O, der Erbärmlichkeit! Kollektiv-Berichte nns Uilglmi. JA. In unserem letzten ״Koilckuv-Berichte" haben wir (nicht das erste Mal) der Krcirnng einer orthodoxen Lchrrrpräparandie daS Wort gesprochen. Nun, cs war, wie gewöhnlich, eine קול קורא בטדבר. und cs ist Jammerschade, den hicrtändischen Orlliodoxen Rathschlage z 1 crtheilen — und dennoch drängt cS nnS heute, wieder einen solchen zu riskiren. Jüngst sah sich Herr Heinrich Deutsch, Direktor der israelitischen Landes Lehrerpräparandic, veranlaßt, von dieser seiner Stelle zurückziitretcn. — Die Tagesbl älter belichteten, cr designirc in Folge eines Augenlcidens (auch wir behaupteten in unserer letzten Relation. Herr Deutsch sei blind — für die Fehler und Sünden der seiner Oberleitung untcrstchenden Lehramtskandidaten!). Doch das scheint nicht der j w ahre Grund seines Rücktrittes zu sein, sonst würde er ja auch seine Vorträge an der Präparandie und am Rabbinerscininar sistirt haben. Herr Deutsch unterrichtet aber noch! BloS d^r Direktor ging, der Professor . blieb! — — Und was geschah? P ro v i so r i sch wurde Herr Dr. Josef Bü u;1 jzi, Professor der ungarischen Sprache und Geschichte am Nabbincrscminar, außerordentlicher Professor der ungarischen Geschichte an der Universität, koirespondircudeS Mitglied der ungarischen Akademie, Mitredaklcur der ״M. Zs. Szcnilc" :c. zum Direktor ernannt. Wir geben den vollen Titel dcS Herrn Br'mrüzi, um anzudeutcn, daß er eine sehr bedeutende Pornon Ambition besitzt. — Doch wir halten uns überzeugt, daß Herr Vümiczi bei aller Ambition cS gestehcn muß, daß er zum Direktor einer jüdis che n (wenn auch r c f o r 111 -jüdische 11) Lehrerpräparandie nicht die geringste Eignung habe. — Abgesehen von der religiösen Gesinnung, hat Herr Bünriczi aber keinen Dunst vom hebräischen und jüdischen Wissen überhaupt, was mau Herrn Deutsch nicht absprechen kann. Jetzt wäre eS au der Zeit, einen tüchtigen, streng orthodoxen Direktor zu akguirircn, und das wäre ein unberechenbarer Gewinn für die 1mgarisch jüdische Orthodoxie. Die Landes - Lehrcrpräparandic n׳ird auS den Mitteln des ungarisch-jüdischen Schulsonds erhallen, und cS hat demnach die -Orthodoxie das Recht, zu f ord er u, daß ihre Interesscu berücksichtigt werden. Die ucologcu Gemeinden können ganz getrost ihre Kinder religiös gebildeten Lehrern anvertraucn, bei dem orthodoxen Inden hingegen ist es Gewisscnssache, sein Kind von einem ncologcn Lehrer nicht 'unterrichten zu lassen. — Jetzt wäre cS an der Zeit, beim Herrn Kultusminister zu pe'itioniren. daß cr die Leitung der israelitischen Lehrcrpräparandic in die Hände eines hierzu befähigten orihodoxen Juden lege. — Die Reformer haben ihr Seminar, so soll man den Orihodoxcn zumindest die Präparandie übeilassen! Die hier angeregte Sache ist von immenser Wichtigkeit und Tragweite, und bei gutem, ern st ein Willen auch sehr leicht durchziisnhrcn. — Sollte nun auch diese Anregung bei unserer ossiziel len Orthodoxie nicht die gebührende Bcachumg und Beherzigung sindcn, dann, lieber ״Icjchurunלא מצאתי טוב משתיקה ,״ ist es das Beste, die Feder niederzutegen und zu schweigen. Diejenigen unserer geehrten Abonncntcu, denen eine oder die andere Nummer dieses Jahrganges abhanden gekommen ist. bitten wir, sich jetzt an uns zu wenden, da cS uns später umnöglich sein wird, einzelne Nummern abzugeben. Expedition des,.Jeschnrun."

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