Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1887)
- Article
- Rumänien : Jassy [Nachricht]
- Date
- 1887-12-29
- Page
- 830 (sequence 2)
- Language
- German
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830 nicht in seiner Wohnung, sondern auf der Straße. In höflichster Weise näherte er sich ihm und trug ihm unter Beziehung auf den Ministerialcrlaß uud Generalsbcsehl seine Bitte vor. ״Mach', daß Du Deiner Wege gehst, Jude!" schrie ihn der Hauptmann an. ttngeachtet dieser barschen Abweisung wiederholte Herr Taubes seine Bitte in der geziemendsten Form. ״Pack' Dich, betrunkener Jude!" lautete der zweite Bescheid. ES hatten sich mehrere Personen um die Beiden versannnclt, um dieses interessante Zwiegespräch zu vernehmen. Der Rabbiner hielt eS dieser pöbelhaften Acnßernng gegenüber doch für gcrathcn, dem Hauptmann ruhig und fest zu erwidern: ״Ich muß mich gegen derartige Beschimpfungen wahren und werde darüber Beschwerde führen, sowohl über die mir angcthaue öffentliche Schmach, wie über Ihre Nichtbeachtnng dcs Ministerialbefehlö hinsichtlich des Urlaubs für die jüdischen Soldaten." Darauf ließ der ergrimmte Hauptmann den Rabbiner ergreifen und zur Polizei bringen, woselbst er behauptete, Herr Taubes habe im Zustande der Trunkenheit ihn beleidigt. Nur einem rumänischen Gerichtshöfe ist eS möglich, eine Lcrurtheilung über den in seiner Ehre lies Beleidigten auSznsprechen und den Beleidiger frei auSgehcn zu lassen. Hoffentlich stößt ein höheres Tribunal dieses die rumänische Justizhandhabung arg herabwürdigcndc Urtheil um. A m c v i T a. K. Newyork, 5. Dezember. Dieser Tage versammelten sich die Mitglieder der ״Jewish Ministers' Association", die Rabbiner Gottheit, Kohut, De Sola MendcS, Levy. Jacobs, Deutsch, A. Wise, JsaacS, Drachmmm, Löwcnthal und Harris von hier; MoraiS, Chnmaceiro und Jaslrow aus Philadelphia; Harrison, Korn, Wintncr und Sparger aus Brooklyn; MendcS aus Newport; Stern ans Washington; Aaron ans Buffalo; Leucht und Wintncr aus Newark; Schlesinger ans Albany; Groß aus Easton; A.P. McndcS ans Newport nndLöwenbcrg ans Scranton, um in Gemeinsamkcit über die Pflege der Religion und die Hebung des jüdischen Geistes in den Gemeinden zu berathen. Eö war daS siebte Mal, daß diese Nabbinervercinigung zu so hohem Zwecke tagte. Der Vorsitzende, L)r. Gotthcil, mahnte die Kollegen, alle Differcnzpnnkte in der religiösen Anschauung beiseite zu setzen und nur dcn Frieden in Israel 311 erstreben. Er meinte, eS sei für dieses erhabene Ziel sehr ju wünschen, wenn alle Rabbis gegenseitig von Zeit zu Zeit ihre Kanzeln tauschten und der Eine in de- Andern Gemeinde eine Gastpredigt halte. So sei er mit Vergnügen bereit, seine Reformkanzcl auch dem zu erwartenden Oberrabbincr der vereinigten Orthodoxen in Ncwhork hin und wieder zu überlassen und würde dagegen in der Synagoge der Orthodoxen predigen. An diesem im vollem Ernst gemachten Vorschlag nahm keiner der Anwesenden Anstoß. Niemand gewahrte die cincS Mannes unwürdige Gesinnungslosigkeit, weiche sich darin bekundete. Sodann beschloß man, daS für die hänSlichc Andacht von der früher eingesetzten Kom- Mission fcrtiggcstcllte Gebetbuch drucken zu lassen. Hiera..׳f hielt I)r. Mora iS finni Bortrag über die beiden Rabbiner Bcnaniozcg in Livorno und Eastclli in Florenz. Ihm folgte 1)1׳. Wise über Engel und Dämonen u. s. w. u. s. u>. — Wenn das amenkanischc Israel von diesen Männern allein Heil und Frieden erwarten müßte, dann dürfte es verzweifeln. Gottlob, daß dieses nicht der Fall ist. Gottlob, daß es noch Kreise gicbt, für welche diese Herren nicht als Autorität gelten. Diese Konferenz hat auss Neue dokumentirt. wie unfähig selbst die wohlgesinnten Elemente unter den hierländischen Rabbinern sind, als Führer oder Lehrer ihren Gemeinden den Weg zu weisen, der von Gott gewiesen ist; — רוח והצלה יעמר לנו מנזקים אחר. R Newyork, Ende November.. Eine hervorragende Dichterin jüdischer Abknnst, E m m a L a za rn S, ist kürzlich hier gestorben. Jüdische Zeilnngen, Redner und Schristsicller verherrlichen sic in überschwänglichster Weise und stellen sie ans eine Stufe mit Mirjam und Debora. Gegen eine solche Ucberschrcitnng der Wahrheit muß entschieden Bcrwahrnng eingelegt werden. Emma Lazarus hat erst in letzterer Zeit sich erinnert, daß sic Jüdin sei. Die russischen Judenverfolgungen, der Anblick dcS Elends der von Europa anlangenden Flüchtlinge machte einen liefen Eindruck ans ihr cmpsänglichcS Gemüth. Sie ° iutcrcssiitc sich lebhaft für diese Armen. Sie gab auch eine Sammlung Gedichte, Uebcrsetznngen HalewiS, GabirolS und anderer jüdischer Dichter, sowie eigene Dichtungen jüdischen Inhalts umfassend, unter dcm Titel ,.801188 of a Semite^ heraus. Sie soll auch damals angefangen haben, die hebräische Sprache zu erJernen; daß sic aber als Jüdin sich in ihrem Leben, d. h. in Bcobachtnng der Gesetze dcS Jndcnthums, erwiesen hat, davon weiß man nichts. Mau erweist dem Andenken dieser Schriftstellerin kaum guten Dienst, wenn man sic eine 1 ©teile innerhalb des JndenthnmS cinnchmen lassen! will, welche sic niemals behauptet hat und behaupten I konnte.; 11. Philadelphia, 7. Dezember. Bei uns ist ' Alles möglich. Der jüdische Rabbi raucht seine Zigarre , am Sabbath, läßt sich Austern und Krebse, Schnecken j und andere verbotene Speisen gut bekommen, beachtet ׳ nicht die für das Ehelebcn vorgeschricbencn göttlichen