Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1887)
- Article
- Italien [Nachricht]
- Date
- 1887-12-29
- Page
- 829 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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- Odesa 1× ep/1000834
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829 Italien. * B^i bcn jüngsten Wahlen für die Munizipalität in Neapel, wo die jüdische Bevölkerung eine sehr geringe ist, wurden nicht weniger als vier Juden in die städtische Verwaltung berufen. Es ist dieses ein glückliches Zenguiß für den interkonfessionellen Frieden der Bürgerschaft, wie auch für die Rcspektabilität der jüdischen Einwohner. Rußland. Warschau, 2l. Dezember. Der hiesige Gcneralgonverncur hat folgenden Befehl ani gestrigen Tage erlassen: In der in polnischer Sprache in Warschau erscheinenden Zeitung ״Dzieunik dla Wszystkich, welche von.Henryk PerzynSki herausgegeben wird, befindet sich in Nr. 282 vom 17. (5.) Dezember der Bericht über ein sich angeblich folgen dermaßen zngetragen habendes Ereigniß: .,Am 16. (! ) Dezember Nachmittag passirte ein Christ mit einem Korbe voll heiligen für das heilige Abendmahl geweihten Ge׳ bäcks die Straße MuranowSka. Der Korb war mit einem Tuche zugedeckt, auf welchem ein Kruzifix sich angebracht fand. Die auf der Straße befindlichen Juden, welche au ihm vorbcigingcn, spuckten bei jedem Schritte aus. Der christliche Korbträger bemerkte ihnen, daß eS nicht passend sei, heiligen Gegenständen mit Verachtung zu begegnen. Da aber fiel die Inden-- menge über ihn her, schlugen ihn und zertraten den Korb mit dem heiligen Brode. Der Mißhandelte schrie um Hülfe. Die Polizei kam hinzu und brachte die jüdischen Exzedenten nach der Polizeiwache." Nach dem Berichte, welcher mir von dem Polizeimeister am 20. (8.) dieses Monats erstattet ist. habe ich die Gewißheit erlangt, daß in der Stadt Warschau ein solcher Fall sich gar nicht ereignet hat. Demgemäß, und in Erwägung, daß ein solcher Bericht in Betreff von Inden, die auf offener Straße einen Christen überfalle» «nd christliche .neiliatbümer mit Füßen getreten haben sollen, geeignet ist, Haß von Seiten der Christen gegen die Juden zu erregen, wodurch in der hiesigen Stadt furchtbare Exzesse sich ergeben können, habe ich mich zu folgendem Befehl veranlaßt gesehen: ׳Nach Maßgabe des Erlasses von 20. September 1876 wird der Herausgeber der Zeitung ״Dzieunik dla Wszystkich", weil er diese unwahre Nachricht gedruckt hat, zu einer Geldstrafe von tausend Rubel veruriheill. Sollte er nicht in! Stande sein, dieselbe zu erlegen, so soll er eine dreimonatliche Gefäugnißstrafe erleiden. Dieser Befehl sott nnverweilt vollzogen werden. Warschau 20. (6.) Dezember 1887. Der Gcneralgonverneur von Warschau. General-Adjutant Gur ko. Dieses energische Einschreiten des GcncralgonvcrneurS rettet die jüdische Bevölkerung in der That vor einer großen Gefahr. Man steht ans diesem Ereignisse aber, wie verlogen die jndcnst'indlichc Presse ist, und wie vorsichtig man die Berichte anfnehmen muß, welche über angebliche jüdische Unthaten von Zeit zu Zeit ans der Provinz berichtet werden. Wo man sich nicht scheut, einen perfiden Anschlag gegen die Inden der Hauptstadt zu Planen, um wie viel mehr auf dem flachen ^mibc, wo kein kaiserlicher Gcncralgonvernenr wallet, um Lüge und Bosheit unschädlich zu machen. ל Odessa, Eine der schönsten und segensreichsten Stistnngen, welcher sich die hiesige jüdische Gemeinde zu erfreuen hat, ist das Asyl für arme jüdische Greise, welches zu ehrendem Gcdächlniß Kaisers Alexanders II gestiftet ist. Dasselbe hat einen Fonds von lOl 500 Rubel und besitzt ein großes für seine Bestimmung sehr zweckdienlich eingerichtetes Gebäude. Die Versorgung und Verpflegung der daselbst aufgenommenen alten Männer und Frauen ist äußerst musterhaft. ES versteht sich von selbst, daß auch alle!! Anforderungen des jüdischen NeligionSgesctzcS daselbst vollkommen entsprochen wird. Rum ä ui eu. י Jassy, Dezember. Die ״Resistenza" bringt über den am 5. d. Ni. verhandelten Prozeß.gegen den Rabbiner TaubcS, dessen Ergebniß bereits gemeldet worden ist (s. vorige Nummer), eine anssnhrlichere Darstellung, aus!reicher ich daS Folgende anSzuglich mittheile. Herr Taubes pflegt bei jeglichem jüdischen Festlage sieh bei dem Korpsgeneral zu verwenden, daß den jüdischen Soldaten der Garnison Urlaub ertheilt wird. Dieses Gesuch wird regelmäßig dem Kriegsminister cingesandt und von diesem genehmigt. Sodann giebt der (general den Hauptleutcn davon Kunde, welche in Folge dieser ministeriellen Verfügung ihren jüdischen Untergebenen Urlaub erlheiten. Rabbiner TaubeS pflegt aber an jedem Tage vor dem Feste in die verschiedenen Kasernen zn gehen und zn betreiben, daß die Haupllente nicht die Ausführung des MinistcriülcrlasseS vergessen. Es könnte sonst sehr leicht Vorkommen, daß derselbe einfach in der Registratur liegen bleibt. Der wüthigstc Antisemit unter den durchweg antisemitisch angehauchten Hanptlenten ist der Kapitän Baldoioilsch. Dieser will niemals den zu Gunsten der jüdischen Soldaten erlassenen Befehl beachten und hat deshalb ans den Rabbiner, welcher sich immer für sie verwendet, keinen geringen Groll. Er hat sich sogar am vergangenen Peßach offen geäußert, 1 wenn der jüdische Geistliche sich nochmals bei ihm blicken lassen würde, so würde er ihn mit dem Säbel traktiren. Herr TaubeS ließ sich trotzdem nicht abschrecken und begab sich am vergangenen Erew Jom Kippur wieder zu diesem Haupt mann. Er traf ihn