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Jeschurun · 1887-12-29 · Heft 52 (29.12.1887) · p. 827

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 52 (29.12.1887)
Article
Deutschland : Dinslakena. Niederrhein [Nachricht]
Date
1887-12-29
Page
827 (sequence 2)
Language
German
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827 rcfcrüc und?lmortisationsreserve zngethcilt. Pension-- gcldcr wurden c,sL 2215.62 vereinnahmt.! Trier, 23. Dezember. Dieser Tage fand! vor der hiesigen Strafkammer auf Betreiben des ״Bereins gegen den Wucher im Saargebiet" die Vcrhcmd-! lung gegen den jüdischen Handelsmann Kain .Kaufmann ans Merzig wegen Wucher stau. Die dreitägige Ber- Handlung endete mit gänzlicher Freisprechung des Angeklagten. Es hat mit diesem Prozesse der erwähnte gegen die Juden gerichtete Verein ein glänzendes Fiasko gemacht, indem der Präsident in Bezug auf den Hauptbelastungszcngcn, den (Gutsbesitzer Sauerwein in Orscholz, welcher als einer der eifrigsien Fm derer jenes Vereins seit Jahren gegen den Angeklagten Matcricil gesammelt und solches der Staatsanwaltschaft übermittelt hatte, erklärte, ״es wäre doch gut, wenn der Verein solche Mitglieder ausstoßen würde". Ferner erklärte der als Zeuge geladene Pastor Geiler ans Orscholz, daß der Angeklagte in geschäftlicher -Hinsicht einen besseren Nus genieße als obengenannter -Hanptbelastnngszeuge. O e st c r r e i ch - Ung a x 11. G. Wicn, 27. Dezember. Der antisemitischen Hetze ist kein Mittel zu plump und zu niedrig, als daß cs nicht angenommen werden durste zu Ehr' und Nutz' der heiligen Judeuhatz. Der hiesige Schuhmacherverein ..Fortschritt" hat eine Versammlung abgehalten, in welcher die Ausstellung von Kandidaten der westlichcu Bezirke für die Ge 11 osseuschaftsvorstehuug und Besprechung über deren Ausgaben aus der Tagesordnung standen. In einem andern Vokale desselben Etablissements war ein Häuflein Anhänger der sogenannten ״Unabhängigkeilspartei" bemüht, durch verschiedene Manöver die Versammlung beschlußunfähig zu machen. Unter Andern hatte mau die unsinnige Mähr vcrbreitet, daß die Schuhmacher-Fortschrittspartei von den Inden 20 000 Gulden erhalten hätten. Als diese dumme Lüge von dem Stellvertreter des Vorsitzenden, Herrn Nachtnebcl, mitgeihcilt wurde, erhob sich ein Sturm der-Heiterkeit. Zu welchem Zwecke sollten die Juden den fort schrittlichcn Schuhmachern auch eine Summe Geldes bieten? Was hätten sie von den Schuhmachern dafür zu erwarten? So hieß cs allgemein. — abgesehen von der unwürdigen Beschuldigung, daß Ehrenmänner Trinkgcldcr nehmen. Nein, dergleichen Geschäfte treiben die Mitglieder des Wiener Schuhmachervercin ״Fortschrill" nicht. Darin wollen sic mit den Antisemiten nicht koukurrireu. Mögen diese mit ihrer Gesinnung einen Schacher treiben, sprach man in der Versammlung, ״wir halten fest und treu an unserer ttcderzeugung, weil sie in der Thal unsere Ueberzcngung ist." Der Antisemitismus wird schließlich doch an dem gesunden Sinne des wirklichen Volkes zu Grunde gehen, das dürfte doch wohl kaum noch anzuzwciscln sein — 11 otzdem und alledem. *)A. Prestburg, Dczbr. Am!8. d. M. wurde das von der israelitischen Knllnsgeiiicinde mit großem Kostcnaufwande neu erbaute und mit der größten Eleganz ausgcstattctc rituelle Bad eröffnet. Dasselbe bietet bcn Besuchern die größte Komodilät. Der klmstand, daß die hiesige Gemeinde auch bisher im Besitze eines rituellen VadeS war, und sich dennoch enlschtcß, — weil das bisherige in der Nähe der Synagoge gelegen und den Anforderungen der Neuzeit nicht vollkommen entsprach — ein neues Badhans aussührcu zu lassen, verdient die höchste Anerkennung. Das neue Bad bcstcht ans drei großen Bassins, um welche je mehrere Kabinen situirt sind. Die Heizung derselben wird miitdft Wasscrdampf vorgenommen. Diese richtigste Institution einer jüdischen Gemeinde, welche gleichzeitig eine Zierde der Stadt bildet, wird auch von sehr vielen Nichtjnden fregucntirt. — Wie alljährlich, wurde auch Heuer das Channckafcst in hiesiger Gemeinde dazu benutzt, eine Anzahl von jüdischen Schulkindern mit nothiger Winterbekleidung zu beschenken. Für das Zustandekommen einer Kollekte zu diesem Zwecke ist cs den Bemühungen des hiesigen Schnlkassirers Herrn I. Weiner zu danken. — Großes Aufsehen erregte die in vcrgangencr Woche vor dem hiesigen Gerichtshöfe durchgeführte Schlnßverhanglung gegen den .angeblichen Gattenmörder Schulhof (Jsraelite) ans Szcrcd. Der Gerichtshof fällte ans Antrag der k. Staatsanwaltschaft ein Verdikt, auf lebenslänglichen .Kerker lautend, wogegen aber der Angeklagte die Berufung ein!egte. P. Pest, 22. Dezember. Dem Berichte, ivclcher von dem Unterrichtsministerium dem Reiche tage über das Unterrichtöwesen pro!880,87 vorgelegt worden ist, sind folgende speziell die jüdischen Verhältnisse bctreffenden Notizen entnommen׳. Die jüdischen Gemeinden zeichnen sich vor allen anderen Neligionsgenosscuschäften Ungarns durch die Pflege der Volksschule aus. Die Zahl der jüdischen Volksschulen hat sich i.m M vermehrt und beträgt 52(1, während die Zahl der anderen Konfessionen zurückgegangen ist. 01 7 28 jüdische Kinder besuchen die Schulen, davon reden 78 3! 3 das Ungarische, 12 027 das Deutsche und die übrig n vcrschiedcne andere Idiome als Muttersprache. In •1-12 jüdischen Volksschulen ist das Ungarische die Unterrichtsspräche, in 103 ungarisch und deutsch, in 3 ungarisch und kroatisch und in 8 nur deutsch. Unter den 23 070 ungarischen Bolksschnllchrern befinden sich 037 Juden.— Unter den 3503 Universitäts-Studenten, welche über- Haupt vorhanden, sind nicht weniger als!121 Inden. *) Unlieb verspätet.

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