Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1887)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1887-12-29
- Page
- 826 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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826 Professor Han an sek im Laufe der letzten drei Jahre in j Oesterreich zu einem der flottesten Handelsartikel gc-! worden ist, der ״fast von jedem Kanfmannc verwendet werden muß, wenn er der leidigen Konkurrenz gegen- : über bestehen will", ist die sogenannte Malta. Dieselbe : stellt ein feines Pulver dar, zu welchem Hirsekleie, brandige Gerste, Malz, grobes Weizenmehl und getrocknete Birnen im Bcrein mit Mincralpnlvcrn die Gruiidmasse ansniachen. Durch entsprechende Färbungen enthält die McUla ein den liatürl idjcii Gewürzpulvern täuschend ähnliches Aussehen. Man unterscheidet als Hanpttypen: Pscffermatta (schwärzlich-grau), Kassiamntta (zimmetsarbig) und Pimcntmatta (mehr rothbrann). Bon jeden! Typus werden noch besondere Sorten hergestellt. Alle diese Präparate haben den Zweck, die natürlichen Gcivürzpnlvcr thcilwcise zu vcrtreten, diese also entsprechend zu entwert Heu. Die günstige Wirkung, welche diese ״Gewürze" auf den Geldbeutel ihrer Fabrikanten ansüden, läßt sich ans den Preisen ermessen : es kosten 100 Kilogramm Pfeffermatta 0,50.-8 Gulden, Pimentniatta 10 Gulden, Kassiamatta 1 I Gulden, werden aber zum Preise natürlicher Waaren verkauft. — Man ersieht hieraus,!nie berechtigt die Warnung vor Fälschung d'cs Pfessees ist. welche zum vergangenen Peßach von Oesterreich ansging. (5s tvird ganz besonders davor gewarnt werden müssen, zermahlene Gewürze von Andern als von zuverlässigen jüdischen Händlern ans Peßach zu entnehmen. (!. Berlin, 23. Dezember. Ich lese in der heutigen ״Krenzzeilung" unter ״Wien, 21. Dezember" : ״Dieser Tage hat hier in Wien wieder ein Straf- Prozeß seinen Abschluß gesunden, der, gleich so manchen der letzten Zeit, den entsittlichenden Einfluß einer gcwissen Art von Inden aas die christliche Bevölkerung beweist. Fünf Arbeiter des K. K. Münzamtes wurden wegen Diebstahl von Edelmetallen zu schwcrcnt Kerker in der Dauer von drei bis achtzehn Monaten vcrnrtheilt — eine Judenfamilie, welche die Arbeiter zu ihrem Berbrcch.en verführt hatte, .zu schwerem Kerker von drei Monaten bis sechs Jahren. Diese Händlersamilie, beziehungsweise das mit der schwersten Strafe belegte Haupt derselben, hatte den größten Nutzen von diesen Diebstählen gehabt, da ihn! die verführten Arbeiter das ans der Münze gestohlene Edelmetall zu ganz gcringen! Preise abtvaten. Aehnlichc Strafprozesse haben wir in der letzten Zeit mehrere erlebt; ist cs überraschcud, wenn bei der stets wicdcrkchrcndcn Erscheinung von Juden in der Rolle von Bcrsührcrn chnstlichcr Arbeiter, Zollbeamten u. s. f. die Bevölkerung im Jndcnlhnmc das böse Prinzip erblickt und der Antisemitismns sich täglich mehr ausbrcitct? Indem die Jnden'chast konsequent die mahnenden und strafenden Stimmen erstickt, die von den besseren Männern ans ihrer Mitte stets von Neuem erhoben werden, verstärkt sic die herrschende Meinung von ihrer Uusittlichkcit und Gefährlichkeit mehr, als dies ihre erbittertsten Gegner zu Ihn!! vermöchten." Unmittelbar zuvor steht aber ebenfalls unter ״Wien, 20. Dezember": ״Der Banernführcr Hons Kirchmair wurde wegen des bekannten Militärbesreiungsschwindels imb anderer Vctrügercicn vom Linzer Schwurgericht zu sieben Jahren schweren Kerker vernrlhcilt." Nun entsteht die Frage, warum die ״Krenzzcitnng" diese Notiz über den bctrügerischen und schwindclhasten, außerdem eifrig antisemitischen Bancrnsnhrcr nicht auch mit der lendenziösen Betrachtung etwa so cinlcitct: Diese Tage hat ein Strafprozeß seinen Abschluß gesunden, der gleich so manchen der letzten Zeit, den entsittlichenden Einfluß einer gewissen Art von antisemitischeu Christen ans die bäuerliche Bevölkerung bcweist?? Wir würden freilich dieses ebenso ungerecht finden, wie cS im hohen Grade nicht zu billigen ist, wenn mau die Misscthat eines Inden als einen Bc-!veiö für die Verworfenhci: ״einer gewissen Art" von Inden, oder die Lieblosigkeit eines Zeitungsschreibers als einen Beweis für die Lieblosigkeit ״einer gewissen Art" von Zeitungsschreibern charakterisircn wollte. -n- Berlin, 20. Dezember. Das ״Deutsche Tageblatt" (antisemitisch) bringt die folgende Erklärung: ״Die -Hineinzerrnng in das Partcigctricbe, sei es nach der einen oder nach d.r anderen Richtung hin, hat — so ist uns versichert worden — bei dem Prinzen Wilhelm und seiner erlauchten Gemahlin den peinlichsten Eindruck hcrvorgernfen. Nichts liegt den hohen Herrschäften ferner, als in kirchlichen oder politischen Augelegcnheitcn irgend eine Parteinahme zn bekunden. Zier Beruhigung der Liberalen können wir noch hinzufngcn, daß der Prinz in entschiedener Weise, die Worte gcbraucht hat: Ich bin kein Antisemit!" ~ Dinslaken n. Niedcrrhein. Der zweite anr 31. Mär; 1687 abgeschlossene Rechenschaftsbericht des israelitischen Waisenhauses dahier ist soeben herausgegebeu. Demselben entnehmen wir, daß pro 1884/85 2 Waisen, pro 188',,1 88׳! Waisen erhalten worden sind. Bom.!.April 1888 dis 1. April 1887 wurden 2 5!!!!der entlassen, neu ausgenommen 3 Kinder. Seit April d. I. sind weitere 3 Kinder entlassen worden; ein weiteres verbleibt vorläufig noch in der Anstalt, nur sich im Haushalte ausznbilden. Weiteren 4 Kindern ist bk Aufnahme;»gesagt, so daß mit dem neuen Jahre 14 Kinder der Anstalt angchören. Die Einnahmen betrugen an Sristungs- und Jahresbeiträgen, Kapitalszinsen :e. J6 13 951,09, die Ausgaben Jü 8914,41, wovon J6 1232,70 fin* Jnveritarvcrjniigung und Reparatnren verwandt wurden. Bon den Einnahmen wurden 0/6 4700 dem festen Fonds und je J6 1000 der Kapital-