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Jeschurun · 1887-12-22 · Heft 51 (22.12.1887) · p. 813

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 51 (22.12.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1887-12-22
Page
813 (sequence 2)
Language
German
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der mährischen Stad! Pohrlitz, dem Wohnorte des Urgroßvaters der Frau von Schönerer, in welchem das acht arische ©lut dieses AhnS dargethan wurde. Der klägerische Advokat bewies aber nicht nur, daß dieser Brief ein Falsum sei, sondern prodnzirte auch den Taufschein dieses Urgroßvaters, weicher Samuel Lob Kohn gehießen, und zog daun unter großer Heiterkeit die Klage zurück, weil cS seinem Klienten nur darum zu thun war, die Authentizität seiner Behauptung öfseutlich darzuthnn, welcher Zweck nunmehr erreicht sei. *II* Pest, 14. Dezember. Dieser Tage fand in dem Gemcindekollcgium der Stadt Mako in Ungarn eine sehr erregte Debatte statt. Es handelte sich darum, gegen die Uebergriffc dcS airtisemitischen Stadt- Hauptmanns daselbst, Johann TschereSniS, cinzuschrcitcn. Derselbe hatte nämlich unter Anderem die Bräunt.-- weinbrcnuerei aus Obst und sonstigen Produkten den jüdischen Destillateuren untersagt. Mit einer Majorität von 63 Stimmen wurde beschlossen, gegen den Stadthauptmann wegen ״schwerer Pflichtverletzung" und Mißbrauch ver Amtsgewalt die Untersuchung cinznleiten und ihn selbst vom Amte zu suspendiren. *II* Pest, 16. Dezember. Nach der Beröffcntlichung des ungarischen Amtsblattes befinden sich unter den 58 Studenten der ״Rechte an der Budapcster Universität, welche im PrnjungSjahre 1886/87 die Prüfungen mit Auszeichnung bestanden haben, 18 Israeliten. ** Liu<z, 15. Dezember. Bei der am 12. Jannar stattfindenden Ersatzwahl für den zurückgctreiencn NcichSrathSabgeordneten Dr. v. Eigner werden die hiesigen Antisemiten zum crstcnmale in die Wahlbcwegung ein treten. In einem vor etlichen Tagen in Lin; abgehaltcnen Konvcntikel wurde die Kandidatur dcS Dr. Karl Katzcr, Advokaten in Otteusheim, deschlossen. Es ist zu erwarten, daß, dem in St. Pölten gegebenen Beispiele folgend, die Klerikalen mit den Antisemiten ein Kompromiß cingehen werden und Dr. Katzcr dann als Kandidat der ״vereinigten Christen" sämmUiche ant! liberalen Wählst im men auf sich vereinigen wird. Wie die ״N. fr. Pr." hört, werden mehrere antisemitische Agitatoren aus Wien und Niederöstcrrcich in die Wahlagitation persönlich eingreifen, und dürste uns demnach in den nächsten Wochen ein lebhafter Wahlkampf bcvorstehcn. '.. England. §§§ London, 18. Dezember. Man kann dem Berhalicn der Ostcnd-Ehebroth nur Anerkennung zollen. Sie haben durch ihre feste Haltung dem Pnnzipe des orthodoxen JndenthumS einen jestcn Boden in der Londoner Jndeiihcit geschaffen. Sie wollen mit einander verbunden eine ans dein unvcrklausulirten Bekenntnisse dcS alten, von den Vätern ererbten JndenthumS eine wahrhaft fromme Gemeinde bilden. Der Anschluß an die United Synagognc würde hier gleichbedeutend mit der Aufgäbe der eigenen Selbstständigkeit nicht nur, sondern auch mit der PrciSgebnng jenes Prinzips sein. ES ist von der allergrößlen Wichtigkeit, daß bei der nächsten Versammlung am 12. Januar als unabänderliches Grundftatut der Konförderation die vollste Unabhängigkeit von der United Synagognc und die Anerkennung des jüdischen NeligionSgcsctzeS. wie cS in dem Schulchan Arnch kodifizirt ist, als Basis für alle Angelegenheiten der Konföderation angenommen wird. Wird dieses erlangt, so ist Großes und VedentendcS erreicht. — In der ...Haschnlaiuith" wird darauf hingcwiescn, daß die polnischen Chebroth außer dem Herrn Berliner, Präsident der Deutschen Synagoge, noch den Herren Michael L^evy, Wechsler (Clifton Street) und Leopold Lölveustein zum großen Danke verpflichtet sind für die kräftige Vertretung der Interessen der ChcbrothS und dcS orthodoxen JndenthumS. — In der ״Großen Synagoge wurde am ersten Ehannckatage eine Orgel probirt. Wie cS heißt, ist deswegen der Obcrrabbiner und dessen Stellvertreter nicht befragt worden. L. 11. London, im Dezember. Zur Kennzcichnnng der Verhältnisse der Londoner Gemeindezustände dürste der folgende Auszug ans einer Rede, welche über die Frage deS Anschlusses der Ehcwroth an die United Synagognc in der Versammlung des Talmud- Thora-VereinS am 3. d. M. gehalten wurde, nicht unzweckdienlich erscheinen: — — Man sagt, daß man die Frömmigkeit unter den OslcndJnden stärken und ihnen materielle Unterstützuitg zu Thcil werden lassen wolle. Man weiß aber längst, was im Wcstend unter Frömmigkeit verstanden wird. Materielle Bcihülsen werden nur Denen gewährt, die zugleich das eigenlhümliche Rezept für daS religiöse Heil akzeptircn wollen. Es ist bekannt, daß den Armen, welche ihre Kinder von einem Rabbi unterrichten lassen, die Hülfe verweigert wird. Unsere Talmud-Thora.Schule ist vielen Herren ein Dorn im Auge.-— Was nützt eine Vertretung des Ostendö im Board of Schcchita? Sollen wir unter den obwaltenden Umständen eine Verantwortung für die Schcchita mittragen durch den einen Vertreter, wo auch die Nesormgemeinde in dem Board Sitz und Stimme hat? — — Der Board of Guardians, die Behörde für die Armenlmterstutzung, hat in ihrem Statut die Bestimmung, daß der fremde arme Jude, welcher noch nicht sechs Monate hier ansässig ist, auf Unterstützung keinen Anspruch hat. Können wir nutz in einem Board einem solchen Prinzipe, welches Sodom Ehre machen könnte, vertreten

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