Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1887)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1887-12-22
- Page
- 811 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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geredet werde. Er müsse im Namen der national« liberalen Partei die Auffassungen des Abgeordneten Böckel zurückweisen. C. Berlin, 18. Dezember. Der Redakteur der ״Jüdischen Presse", Herr Dr. Hirsch Hildesheimer, ist von dem wegen seiner antisemitischen Thätigkeit bekannten Arzte Or. König in Witten a. Ruhr, wegen Beleidigung, begangen durch die Presse, verklagt worden. Es haben bereits zwei Termine vor dem hiesigen Schöffengerichte stattgcsunden. Dr. Hildesheimer will nämlich den Beweis der Wahrheit führen und hat Wibcrnagc erhoben, zu deren Erhärtung ein neuer Termin angesctzt ist. Dr. Hildesheimer hat jedenfalls in Abwehr heftiger Angriffe der ״Antisemitischen Korrespondcnz" gehandelt. Ob das Gericht aunehmen wird, daß er in der Wahl eines Ausdruckes vielleicht nicht vorsichtig genug gewesen, dürste von dem Gelingen des Wahrheitsbeweises abhängcn. C. Bert irr, 18. Dezember. Herr Liebermann von Sonncnbcrg erläßt in der Krcuzzeitung die folgcndc Berichtigung: Die geehrte Redaktion bitte ich um freundliche Nichtigstellnug eines Jrrthumes, welcher sich in dem Referat Ihres geschätzten Blattes über meinen Vortrag vom 14. d. Mts. findet. ES heißt dort gegen Schluß des Berichtes: ״Im weiteren Vortrage rügt Herr Licbcrmcnm von Sonnenberg es als unpraktisch und unpolitisch, wenn der noch junge Antisemitismus sich schon jetzt auf eigene Füße stellen und andere Parteien anrcmpeln wolle. Erst solle man sich in sich selbst stärken und an der Aufstellung von Zählkandidatcn genügen lassen." Diese Darstellung ist, wie auch die Berichte der anderen Zeitungen beweisen, eine irrthnmliche. Ich habe meine Auffassung gerade dahin ausgesprochen, daß sich der Antisemitismus cnd-!ich auf eigene Füße stellen müsse. Ich bin auch weit davon entfernt gewesen, zu behaupten, daß sich der Antisemitismus mit Ausstellung von Zählkandidaten begnügen solle." -a- Der!irr, 21. Dezember. ,.Norddeutsche Allgemeine" contra Christlich-Soziale, das ist der Schmerz der wackeren Antisemiten ״vom theologischen Standpunkte"! Die ״Norddeutsche Allgemeine Zeitung" wünscht die ״Christlich׳ Sozialen" und ״Antisemiten" aus dem Nahmen der Berliner Bewegung ausgeschlossen zu sehen. Sic vcrnrthcilt damit die gegen die Juden und das Judenthum in Szene gesetzte Agitation. Es ist' dies bei der bekannten Stellung der ״Nordd. Allg. Ztg." als ein Zeichen zu betrachten, daß man an maßgebendem Orte die Jndenhetze für das öffentliche Wohl verderblich erachtet. Gewiß mit vollen! Rechte. Zwietracht und lknfricden, Haß und Mord, Verachtung irnd Verfolgung thun nimmer gut. Ein Gemeinwesen kann nur gedeihen, so Frieden und Eintracht unter seinen Angehörigen herrscht. Wer diese zu untergraben sucht, leistet ihm wahrlich einen schlechten Dienst. d. Osnabrück, 18. Dezember. Auch hier hat leider die Drachcnsaat deö Antisemitismus einen empfänglichen Boden in manchen Kreisen der Bevölkerung gefunden. So konnte von hier dieser Tage ein Zustimmungstelegramm an den jüngsten Antisemiten-HeroS, Dr. Böckel, welcher darin als der muthige deutsche Vorkämpfer des Antisemitismus gefeiert wird, abgelassen werden. Gottlob, daß in den breiten Schichten der hiesigen Bürgerschaft ein besserer, friedlicherer Geist herrscht. -n- Müttchen, 16. Dezember. Die Administration der hiesigen Kultusgemcinde, von welcher sich die orthodoxcn Gemcindemitgliedcr, die schon seit einer Reihe von Jahren ein eigenes Vetlokal unterhalten, weil die Theilnahme an dem NeformkuttuS in der Gemeindesynagoge ihr religiöses Gewissen lies verletzen würde, mit der mir allzu bescheidenen Bitte gewendet haben, ihnen die alte Geineindcsynagoge zur Ab- Haltung eines Gottesdienstes nach frontmcr Bat erweise micthweise cmzuräumen, hat durch die nunmehr erfolgte Ablehnung dieser Bitte einen Akt der'Intoleranz und Unbilligkeit geübt, wie ein solcher aber nur von der fanatischen Nesorm erwartet werden kann. Mit dem Steuerbeitrage der Orthodoxen ist die neue glanzvolle, der Reform geweihte Synagoge gebaut worden, nachdem schon früher die alte Synagoge durch die Einführung von Reformen den Orthodoxen nnzngänglich gemacht worden war. Jetzt verlangen diese gegen Bezahlung Lie׳alte Synagoge für den alten jüdischen Gottesdienst und da müssen sie eine schnöde Abweisung erjahrcu! Das ist aber die Folge für die seit langen Jahren erduldete Demüthigung, welcher sich die Orthodoxen und das orthodoxe Judenthum cmsgesetzt sahen. Ihnen sicht ein gutes Recht zur Seite, und sic werden nunmehr endlich sich ermannen, mu dasselbe zu erkämpfen Burgpreppach. Die hiesige ״Talmud- Thora-Schule", welche von bcm ״Talmud-Thora- Verein" unterhalten wird, hat feinen zwölften Rechenschaftsbericht (pro Oktober 188(5.87) herausgegeben. Die Schule besteht aus :5 Kursen lind zählt 56 Schüler, welche von 5 Lehrern unterrichtet werden. Unterrichtsgegenstände sind: Deutsche Sprache bis zur Fähigkeit eines gewandten und korrekten schriftlichen Ausdrucks, Rechnen bis zum Ausziehen der Quadrat- und Kubikwurzeln, Weltgeschichte, Geographie, Naturgeschichte, Französisch, Schönschreiben, Freihandzeichnen, Turnen und Gesang einerseits, — andererseits hebräische Sprache (Grammatik), Pentateuch und Raschi, Propheten (Josua),! Richter (zum Theil), Könige (zuin Theil). Jesaja (zum! Theil), Psalmen (zum Theil), Mischua, Gemara, Chaje! Adam, biblische und nachbiblische Geschichte. Die Ein-