Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
- Date
- 1887-12-15
- Page
- 798 (sequence 2)
- Language
- German
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von der Nothwmdigkeit einer Zweithcilung der Handels׳! und Gewerbckanimcr, und erzählte von seiner Thäligkeit im Rcichsrathc, deren Glanzpunki die Eindringung der! Antichincsenbill bildet, welche aber leider keine genügende Unterstützung gefunden, ׳)?un kam als 1»17׳ec dt־ resktanc« die konfessionelle Schule, das ward als Hanvt׳- Moment der zukünftigen Thätiglcit hingestellt. Zur Wahrung der Nationalität sei cs nothwendig. die jüdischen von den christlichen Kindern schon von der Schulbank-aus zn trennen. Er habe mit einem Klerikalen , in Wien gesprochen, der ihm versicherte, die .Klerikalen; beabsichtigen nicht die Schulen zu beherrschen. Sic! wollen die Oberaufsicht gerne dem Staate überlassen, j wenn nur die Theilnng der Konfessionen vom Kindes- aller an vorgcnommcn werde. .,Wie weit ist cs schon! mit den Christen gekommen, ״ruft Herr Fiegl da mit Pathos qu£," da es sich jüdische'Lehrer schon herausj nehmen, über den katholischen Gottesdienst in der Kirche; hämisch zu spötteln!" Der Herr Rcgicrnngskommissar unterbrach dm Sprecher, ermahnte ihn, sich von jeder Verhetzung in seiner Rede zurückznhaltcn, in Folge dessen ging Redner aus ein anderes Thema über, versprach den Steuerzahlern, dag die Antisemiten ihnen die Steuer hcravmnidcrn werden, die Wcgmauth soll aufgehoben werden n. s. w. Schließlich erhob.sich sein Parteigänger. Herr Stöckl aus Baden, um ein BeNraucnsvotcnn für den Herrn Fiegl zu beantragen. Wer dafür sei, möge die Hand erheben. Dafür erhob sich kaum ein Diittel der Anwesenden Zittcrud vor Aufregung beantragt nun Herr Fiegl selber die Gegenprobe und siehe da, mehr als zwei Drittel der anwesenden Wähler erhoben die Hände, um ihr Vkitztrauensvotnm zu dokumcntircn. Erregt nahm Herr Ficgl seinen Hut und — ging. r. Strnfmi. Unsere altchnvürdige Synagoge, welche kürzlich von unserer; allverchrten durchlanchtigücn Kronprinzen Rudolph und seiner erlauchten holdseligen Gemahlin, .Kronprinzessin Stephanie, besuch! worden ist, hat zur Erinnerung an diesen Ehrentag der hiesigen Gemeinde einen neuen Schmuck erhalten. Es prangt in derselben nunmehr eine Marmortafel mit goldener Inschrist in hebräischer Sprache, welche also lautet: ״Zunl ewigen Gedächtnis! Dieser Stein und die hier ausgezeichnete Inschrift sollen den zukünftigen Geschlechtern Kunde geben, daß die kaiserlichen Hoheiten, unser vielgeliebter Kronprinz Erzherzog Rndoph und seine hohe Gemahlin, die Erzherzogin Stefanie, in diesen heiligen Räumen geweilt haben, am fünften Wochentage am achten Tage des Monats TamuS des Jahres 5i;74." *||* Pest, R Dezember. Folgende Bescheidung des Kultus- und Unterrichtsministcrs, welche an den Bizegespan des Spotnok-Dobokaer Koinitats ergangen ist, dürfte von prinzipieller prüjndizlichcr Bedeutung sein: ״Da ich mich aus den Akten überzeugt habe, daß (folgen die Namen von vier Personen) Winkelschulcn gehalten haben, nehme ich von der gegen diese Winkelschulcn behördlicher Seils getroffenen Anordnungen, namentlich auch von der Bcrnrtheilung (des'Einen derselben) Kcnntniß. Das Ersuchen indessen, die Diplome dieser Personen, die ihnen als Talmud Thora Lehrer crtheilt sind, für ungültig zu erklären und ivegcn dieser Diplome die Einleitung einer Untersuchung gegen einen Rabbiner zu verfügen, finde ich nicht zu berücksichtigen, da weder die Ueberprüfnng der Talmud Thora Lehrerberechugnng noch diejenige der Befähigung zur Führung des Rabbinertitels zu den Funktionen der Bizcgespanschaft zählt. Nur hinsichtlich der Matrikenführnng ist ihr das Recht der Ucbcrprüfnng emgerümnt worden. Die Wahl eiitcs Rabbiners und Talinndlehrcrs ist überhaupt lediglich der sreien Entschließung der israelitischen Ncligionsgemeinde überlassen, die auch zur Ucberwachung des Religionsunterrichts kompetent ist und ohne besonders cinznholcndc höhere Erlaubnis; eine Talmud-Thora-! Schule unterhalten kann. Ich habe ferner darauf ans-! merksam zu machen, daß die Behörde oder der k,! Schulaussichtsrath sich in die Angelegenheiten der von; einer israelitischen Gemeinde unterhaltenen Talmudi Thora-Schule nur insoweit cinznmlschcn haben, als cs! sich um die Beachtung der allgemeinen S-anitätsrücksichlcn oder darum handelt, ob die die Talmud- Thora-Schule besuchenden schulpflichtigen Kinder einen ordnungsmäßigen Volksschulunterricht außerdem genießcn. Erweisen sich die Lehrränme' in einem nicht entsprechenden Zustande, so ist die israelitische Gemeinde zur Instandsetzung derselben auzuhaltcn und gegen die Eltern solcher Kinder, welche dem ordnungsmäßigen Bolksschnlnn!erricht entzogen sind, ist mit aller gcsetzlichen Strenge vorzngehcn. V, ׳Ans Ungarn, Dezember. Schon längst hat die Zeit den Grabeshügcl geschaufelt über jene bekannte Affairc, die ihresgleichen in der Geschichte sucht, wo unter dem Patronate des Rechts die Lüge und , die Bosheit ihre Orgien feierten, wo unter den Fittigcn der Freiheit Waffen gegen die Unschuld geschmiedet wurden — und doch entsteigen diesem Grabe von Zeit zu Zeit Modcrdnnste, die die ungarische Rechtspflege erinnert, daß sie den Makel, der an ihrer Ehre hafte!, noch wettzumachcn habe, andererseits aber uns vor; allzu sanguinischen Hoffnungen warnt, und zur Erhal- 1 lang und Förderung der Eintracht unter uns, die sich! unter dem Hochdrücke des Antisemitismus befestigt, : ermahnen. Wie nämlich die Tagcsblätter melden, hat; die k. Tafel die Fortsetzung des Strafverfahrens gegen Inווושש־חיע .׳, einen der Verthcidiger in dem bekannlen Tisza-Eszlarer Prozesse augeordnet. Derselbe hatte; sich nämlich in einer K o m Ua ts - K on g reg a t i onssitzung über den Nyircghhüzaer Beamtenkorpcr, bei dem die