Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1887)
- Article
- Deutschland : Köln [Nachricht]
- Date
- 1887-12-15
- Page
- 797 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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797 Lehranstalt, welche feit zwei Dezennien segensreich wirkr, wie sie der Opferwilligkeit von Freunden der Jugendbildung und treuen Söhnen des allen Juden- IhumS ihr Entstehen und ihre Blüthe verdankt, so auch ferner durch die gleiche -Eingebung und Liebe der Glaubensgenossen in wcitestcu Kreisen in den Stand gesetzt werden, ihrer erhabenen Aufgabe in immer nmfasjcndcrcr Weise gerecht zu werden. XX Ploschen (Provinz Posen), 7. Dezember. Einer der edelsten Männer, einer der würdigsten Lehrer und Vertreter des Goltesgesetzes. unser Rabbiner Elias S i t b e r b e r g ist nu s cntrisscn. N 1\ r ci n c kn r zc Zeit hat er hier auf Erdeu gcwc'lt; kaum 40 Jahre alt hat ihn Gott cingehen lassen zur Ställe des wahrhastigen Lebens. Schüler großer Meister seines Heimathlandcs Ungarn, wirkte er dreizehn Jahre segensreich in unserer Mitte,׳ ein leuchtendes Vorbild eines von Gottesfurcht getragenen Lebens. Eine Schilderung seines wahrhaft idealen Wesens einer gewandteren Feder gern überlassend, will ich nur kurz erwähnen, dag Jeder, der ihn gekannt, vor der Reinheit seiner Gesinnung und der Größe seines Geistes die unbegrenzteste Berehrung hegte. Es ist keine leere Phrase, wenn man ihn als einen achten Schüler Abrahams bezeichnet, dessen hehle Vorzüge: עין טובה רוח נמוכה נפש שפלה in ihm vcrkörpeit schienen. Ans Nah und Fern waren seine Verehrer und Freunde hcrbeigccilt, um den Schmerz der hiesigen Gemeinde zu 1 heilen. An seiner Bahre sprachen nach dem Vorsteher unserer Gemeinde, Herrn Gellert, welcher der Trauer der Gemeinde beredten Ausdruck verlieh, die Herren Rabbiner: De. Feilchen׳ selb, aus Posen, I>1-. Bloch ans Jaroischin, Ur. Hildesheimcr aus Breslau, Dr. Pleßner aus Ostrowo, Or. Bancth anS Kiotoschin und Dr. Jakobsohn ans Schrimm. O c st e r r e i ch - N n g a r n. <». Wien, Ö. Dezember. Am 5. d. M. fand eine Versammlung des SchnhmachcrmcistervcreinS ..Fortschritt" statt, in welcher entschieden gegen die anrisemitische Bewegung Front gemacht wurde. Hier die Brutalität, dort die Intelligenz — meinte Meister Vagina mit Bezug auf den bevorstehende!» Wahlkampf. ״Wir wollen mit Jenen nichts zu thun haben, die immer nur nach den Inden schnappen, um in die Lust ein Loch hineinznbeißcn, 11118 liegen die gewerblichen Angelegenheiten näher, wir kümmern uns nicht um Konfession und nicht um Nation!" Vorsteher-Stell- Vertreter Nacht nebel sagte in seiner Philippika gegen die Opposition Folgendes: ״Seit jünszchn Jahren besuche ich regelmäßig die politischen Versammlungen, und meine Erfahrungen werden immer trauriger. Vor zehn Jahren drängten sich nicht solche Leute an unS heran, wie sie jetzt allenthalben auftauchen, da konnte der Antisemitismus nicht Boden fassen. Die Ursachen dieser Bewegung sind anderswo zu suchen: man wollte den Handwerker, die Kleingewerbetreibenden hindern, klar zu sehen und klar zu denken, und streute unter die Menge das Schlagwort ans: ״Nieder mit den Inden, sic rcpräsentircn das Großkapital, mir sie allein sind reich!" Man suchte die Menge zu täuschen und fachte einen Brand an, der immer weiter um sich greift. Wir dürfen uns nicht mitrcißcn lassen von jenen Schlagwörtern, sonst gehen wir so sicher zu Grunde, wie Jene, welche von einigen Judenfressern sich ihr Heil versprechen. Wir Gewerbetreibenden haben einen harten Kamps gegen das Großkapital zu führen, das aber .zumeist in den Händen der Klerikalen sich bcsindct. die ein lebhaftes Interesse daran haben, uns im Finstern hernmtappen zu lassen und unS als ihr Werkzeug zu benützen. Nun, wir werden ans gcwerbtichen Boden weitcrkämpfen, mit den Herren Antisemilen paltiren wir nimmer." Die Versammlung zollte dieser Erklärung lauten Beifall und schloß sich derselben an. (י. Wien, 11. Dezember. Im Anschluß an Ihre Notiz in der letzten Nummer über die Vorgänge in der steiermärkischen Advokalenlainmcr dürfte folgende Bemerkung der Juristischen Blätter" von Interesse sein: ״Es ist eine jener feinen Ironien, welche der Zufall so oft zu entwickeln pflegt, daß in derselben' Woche, in welcher wir unfern Mauthner begruben, die steiermärkische Advokatcukammer eine antisemilische Enunzialion in Szene setzte. So hoch auch die Wogen nationaler, politischer und konscssionellcr Parteilei den« schast in Oesterreich bisher gingen und gehen, haben doch die Advokatcnkammcrn als solche davon wenig verspüren lassen. Namentlich die Kammern gemischtsprachiger Länder gab.!! wiederholt das schöne Beispiel, daß deren Mitglieder die Kammer als einen neutralen Boden ansahen, dem der Streit der Nationalitäten fernzubleiben halte. Die Grazer Kammer hat mit ihrer Resolution den entgegengesetzten Weg betreten. Wir können nur zuversichtlich hoffen, daß sie auf diesem 'Wege allein bleiben wird. (-!. 3011*11, k2. Dezember. Die diesjährige vom Abgeordneten Ficgt ciaveiufene Wühleroersammlnng;1! Baden har, wie ״die Ocsterr. Wochenschrift" schreibt, für den antisemitischen Gymnasial-Professor ein unangenichmes Ende genommen. Die Wähler waren für den 27. Rovember, 2 Uhr Nachmittags, ciiigeladen; Herr Fiegl in! Vereine mit Herrn Krantmann, welcher bestimmt war, der Versammtnng zu präsidiren, mußte lange warten, ehe überhaupt Wähler erschienen waren. Rach 1 ',2ständigem Warten waren zirka 30—40 Hauer versammelt und Herr Fiegl begann seinen Speech, sprach