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Jeschurun · 1887-12-08 · Heft 49 (8.12.1887) · p. 782

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 49 (8.12.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1887-12-08
Page
782 (sequence 2)
Language
German
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782 Gemeinde es wagte, eine Anzeige zu machen und einen Verdacht gegen den Besitzer des Wirthshauscs auszusprcchen, weil zu befürchten stand, daß, wenn sich die Beschuldigung als unwahr erweisen sollte, ein Ausbruch der Bolkswuth gegen die Inden folgen würde. Die j Behörde selbst scheint sich um den Fall, der doch in י der ganzen Stadt bekannt tvar, nicht gekümmert zu! haben, und so blieb Abraham Usseuhcimcr verschollen, j ohne batj seine Faniilie sich Gewißheit über sein Schicksal! verschaffen konnte. Um die Mitte Oktober dieses Jahres . wurde in den Zeitungen atis Preßburg gemeldet, daß daselbst in einem Hause der Schöndvrferstraße beim! Wcgräumeu der Dielen eines Zimmers das Skelet eines j Mannes gefunden wurde, welches schon 60 bis 80 Jahre z dort gelegen haben muß. Man erinnerte sich des Vor- J schwiudcns Uffenheimer's, uitd bei Prüfung der näheren | Umstände des Falles stellte es sich heraus, daß das die - Neste des Iuwcleuhüudlers sein müssen, der in diesen! ׳, Hause uuzwcifclhast crinordet und beraubt worden war. Ein Blatt mit dieser Meldung kam durch Ausall dem iu Wie» lebenden Sohne in die Hände, der daraus mit tiefer Erschütterung erfahren mußte, daß die Leiche seines crinordeten Vaters jüngst ausgefnndcn und daß derselbe in der That daS Opfer eines nngcsühut gebliedcnen Verbrechens geworden fei. Unter bcrit Eindrucke, den diese Enthüllung ans den Greis machte, setzte er das Testament auf, durch welches er den größten Theil seines Vermögens wohlthätigcu Zwecken widincte, und die schmerzliche Erfahrung mochte seine schwachen Kräfte so erschüttert haben, daß er vier Tage später ■ ans dem Leben schied.! * Graz, 27. November. Die steiermen׳N׳che! Advokatcnkammer hat in ihrer gestrigen Plenarversarnm-! luug mit 25 gegen 2 Stimrncil folgende, votn Ansschnsse der Kammer einhellig beantragte Ertedigung der wiederholt erwähnten antisentitischen Petition von Advokatnrskandidaten wegen Nichtaustellnng von jüdischeu Advokaturskandidatc-u angeuomntcnIn Erwägung, daß die in der cingcbrachteu Petition erwähuteu Thatsuchen wesentlich dazu beitragen, das Ansehen und die Stellung des Advokatenstandcs zu beeinträchtigen, empsichlt die steiermärkische Advokarenkammer diese Petition der Würdigung der Kammerniitglieder. Zugleich spricht dieselbe ihre Befriedigung aus über das rege Interesse, welches die Petenten für die Ehre und das Ansehen des Standes bekunden Der Ausschuß wird beaustragt, diesen Beschluß sümmtlichen Kamknermitgliedcrn mitzutheilen. 1)1-. Emil Ritter v. Gabriel brachte folgenden Gegenantrag ein: Die Advokateukammcr in Steicrmark geht in der Erwägung, daß alle Staatsbürger vor dem Gesetze gleich sind; in weiterer Erwägung, daß bei der Wahl der HüksSarbeiter der Kannncr- Mitglieder in erster Linie Keimtnissc und Befähigung, nicht aber Nation und Landsmannschaft maßgebend sind; in weiterer Erwägung, daß daS freie Selbstbestiinmungsrecht jedes Kantinerinitgliedes bei Wahl seiner Hülfsarbeitcr nicht beschränkt werden darf; in weiterer Erwägung, daß ein Uebcrwicgen dcS jüdischen Einflusses in der steiermärkischen Advokatcnkammer nicht zu besorgen ist,. und in endlicher Erwägung, daß die Kammer nicht berufen ist, für eine politische Ansicht einzutreten und dadurch ihre Unbefangenheit gegen alle Kammermitglieder zu beeinträchtigen —über die Petition der Grazer Advokaturskandidaten zur Tagesordnung über. Dieser Antrag blieb in der Minorität. (N. sr. Pr.) U. Kaschun (Ungarn), 1. Dezember. Von einer lobeuswerthen und in unserer Zeit doppelt anerkennnngSwürdigen Kundgebung eines hohen Kirchcnsürsten bcrichten zu können, ist eine angenehme Pflicht. Die hiesige jüdische Geineinde hielt eS für angemessen, dem neu iustalliricn Bischof I)r. Vnbitsz ihre Achtung durch eine Deputation bezeugen zu lassen. Dieselbe wurde ans das Z-lvorkommendste empfangen. Der Bischof dankte für die Aufmerksamkeit in herzlichster Weise und sprach unter Andern etwa Folgendes: In unfern jüdischen Mitbürgern erkennen wir freudigen Herzens unsere Brüder, die Söhne eines himmlischen Vaters, die Kinder eines Vaterlandes. Als Diener der Religion wendet sich mein Her; Ihnen in Liebe zu. Alle meine Mitbürger, ohne Unterschied der Ab׳- slammung und des Glaubens, werden von mir in Liebe umfangen; ich fühle mich berufen, Liebe und Frieden zu säen und Haß und Zwietracht zu bekämpfen. ל Mnrvsz-Vasnche!r, 3. Dezember Die hier bestehenden beiden jüdischen Gemeinden — Status-mio und Orthodoxe — werden hoffentlich nunmehr sich vereinigen, da beide voll und ganz den gcsetzeStrencu orthodoxen Standpunkt cinnchmen. Die Trennung der ursprünglich einheitlichen Gemeinde erfolgte seinerzeit, weil ein ansehnlicher Theil derselben sich nicht der ..Durchsühruugslommission" in Pest Unterstetten wollte. Die 8,:,tu.׳-!!;»׳;׳.Gemeinde hat aber jetzt den Rabbiner der andern Gemeinde ebenfalls zu ihrem Rabbiner gewählt und vorgeschlagen, daß zur Vereinignng beider Gemeinden dieselben sich unter Ablegung der bisherigen Namen als eilte einheitliche jüdische Gemeinde, welche auf dem Boden des SchulchamArnch steht, konstituircn möge. — -Vossentlich wird tic Vereinigung erreicht. England. : London, 4. Dezember. Die Annahme, daß Heir Monlagn für den Anschluß des Ostend am die .Ulnited Syuagogue" eine volle Vertretung der Ostend- Ehewroth im ״Conueil of the United Synagogue" in Aussicht genommen habe, wird jetzt durch eine Zuschrift, welche der genannte Herr an den ״Jewish

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