Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1887)
- Article
- Deutschland : Würzburg [Nachricht]
- Date
- 1887-12-08
- Page
- 781 (sequence 2)
- Language
- German
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erhielten, wahrend fünf die Beköstigung ganz und zwölf dieselbe thcilwcisc bezahlten. Sechs Schüler wurden als externe ausgenommen. Neunzehn Zöglinge wurden aus der Anstalt entlassen, von welchen fünf die Austritts- Prüfung am königlichen Schnllchrersennnar mit sehr guten! bczw. guten! Erfolge bestanden und in die Praxis entlassen wurden, so daß hierdurch die Gcsammtzahl der in der Anstalt Ausgcbildctcu und in die Praxis Ent-!offenen ans 195 gestiegen. Der Gesundheitszustand war auch in diesem Jahre ein ausgezeichnet guter, inden! eine wesentliche Erkrankung eines Zöglings im ganzen Jahre nicht vorkam. Es wi!d ferner berichtet über die Leistungen der Anstalt, sowie eine Zusammen stellnng des im verflossenen Jahre durchgenommenen Lehrstoffes mit Angaben der betreffenden Lehrer, in welchem Fache sie unterrichten. Wir vermissen auch in diesem Jahre wiederum die Angabe der Anzahl der Wochenstmiden für jeden Lehrgcgeustand, weil mau erst dann ein Aares Bild erhält. Die Einnahmen betrugen 17658 JLr die Ausgaben hingegen!8127 Ji Bon großer Tragweite für die Anstalt'ist folgende Ministerin!- Entschließung, daß nämlich die Zöglinge regelmäßigen Unterricht in den sämnitlichen Mnsiksächcrn zu genießen und eine Prüfung in denselben zu bestehen haben. Der Musikunterricht mit Ausschluß von Orgel ist seit den! Beginn des Schuljahres cingcsührt und wird von drei Lchrcrn erthcilt, so daß jetzt an der Anstalt drei Seminar-, nenn Fach- und ein Hülfslchrcr wirken. Die nächste Folge dieser Aenderung ist, daß die Seminarzeit auf drei Jahre festgesetzt wurde, und als Motiv wird in den! Bericht angegeben, daß sonst der eigen!- liche Gründnngszweck israelitische Lehrer heranznbildcn, die mit profane»! auch ein gründliches Wissen in der Neligionslitcratur verbinden, nicht zu erreichen möglich wäre. Wie weit dies berechtigt ist, wollen wir hier nicht näher untersuchen: cS dürfte dies aber doch manchen jüdischen Seminaristen veranlassen, das christliche, wo nur zwei Seininarlnrsc bestehen, statt des jüdischen Seminars anszusnchm, der Gründnngszweck würde dadurch mehr geschädigt sein. Indem wir hiermit unsere« Bericht schließen, können wir nicht umhin, unsere volle Auerkeunung den! geehrten Vorstand, Herrn Oistriltsrabbincr N. Bamberger, für seine!unsichtige und mühevolle Leitung auszusprechen. Mögen die verehrten Spender und Spenderinnen, die bisher der Anstalt ihren Wohlthätigkeitssinn in reichem Maße bethatigten, denselben auch ferner der Anstalt, die durch den nencingesührten Musikunterricht bedeutend mehr Ausgaben hat, zu Theil werden lassen, denn sie fördern das Edle, Gute und Wahre! Oesterreich-U ngarn. (7. Wien, 4. Dezember. Unter der Ueberfchrift ״Ein spät enthülltes Verbrechen" schreibt die ״N. fr. Pr." folgendes: Der vor wenigen Tagen hier vcrstorbcne Privatier Theobald Ufsenheinier hat nahezu sein ganzes Vermögen im Belaufe von 65 000 fl. an Wohlihättgleits Institute, insbesondere an solche der Leopolostadl vermacht. Unter den zahlreichen derartigen Legaten erwähnen wir: 500 fl. zur Vertheilung an würdige Hansarme,!00 si. an die Pfründner des G! mdarmenhaiist's Leopoldstadt, je 300 fl. dem israe-!!tischen Waisenvcreiu, dem israelitischen Taubstummen- und Blinden-Jnstitut und Handwerkerverein, je 300 fl. der Allgemcincu Poliklinik, den Findlings-Asylen in Kahlcnbcrgcrdors und in Aillingdorf, dem Studenten- Krankenverein, den Barmherzigen Brüdern und dem Leopoldstadtcr Kinderspital, 200 fl. den Barmherzigen Schwestern, je 300 fl. der israelitische!! und der christlichen Volksküche in der Leopoldstadt, je 300 fl. der christliche!! und der israclilischcn Kinder-Bewahranstalt daselbst, 1000 fl. der,.Eoneordia" und deren Wittwcn und Waiscnstiflnng n. s. w.; weiters mehrere Stiftungen mit je 10000 ft. Neme, und zwar eine derartige Studenteustistnng. deren Zinsen in vier Stipendien, jährlich allcruirend, au christliche und israelitische Studircnde eine ״Gewcrbestistnng" mit 10 0UÖ fl, deren Zinsen alljährlich an je zwei christliche und zwei israelitische herabgekommcne Gewerbsleute zu vertheilen sind-, cndlich eine Heira'.hsansstatlrmgs.-Stiftung von!0000 fl. Rente für zwei Mädchen israelitischer Konfession. Zu Stistungs Kuratoren wurden bestell!: für die Studentenslistnng der Bürgermeister und die Bürgermeisterstellvcrtrete! von Wien; für die G.'werbestiftnng die Bezirks- Vertretung der Leopoldstadt: so weit eS sich ferner um die Beiheiligung von Israeliten handelt, der Vorsteher der israelitischen KultnSgemcindc und in allen Fällen die Gcmcinderälhe Simon und 01׳. Stern. — Dieses Testament hängt mit einen! düsteren Geheimnisse zusammcn. welches den Erblasser seit seiner Jugend durchs Leben begleitete und das erst kur; vor dessen Tode seine unvermuthete Lösung fand. An der Schwelle des Todes mußte der 85jährige Greis die traurige Gewißheit erlangen, daß sein Vater, den er als unmündiges Kind vcrloren hatte, das Opfer eines Verbrechens geworden war. -Herr Theobald ttsfenheimer ftamnitc ans Prcßbnrg, wo sein Vater Abraham als Juwelenhändlcr ansässig war. Vor etwa 75 Jahren — der John war damals noch ein kleiner Knabe — verschwand Abraham Usfcnheimer plötzlich in mysteriöser Weise. Er war unter dem Vorwände, daß ein Fremder mit ihn! ein Geschäft machen wolle, sammt seinem Juwelentasten in ein Wirlhs׳ Hans in Prcßbnrg gelockt worden und kehrte nicht mehr nach Hanse zurück. So schlecht war eS. dan!alS mit dem Recht und der Sicherheit in Ungarn bestellt, das; weder die Familie des Vermißten, noch die jüdische