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Jeschurun · 1887-12-01 · Heft 48 (1.12.1887) · p. 764

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 48 (1.12.1887)
Article
England : London [Nachricht]
Date
1887-12-01
Page
764 (sequence 2)
Language
German
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764 Autorität des gegenwärtigen Oberrabbiners soll nicht > angctastct werden und deshalb der Rabbiner nicht den Titel רב, sondern רבי führen. Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß in! Sinne dieser Resolutionen der i Majoritätsbeschluß am 4. Dezember über die Föderation ausfallcn wird. Selbst Diejenigen, welche einer ganz anderen Richtung huldigen, werden bei einer gerechten und billigen Würdigung der thatsächlichen Verhältnissc einräumen müssen, daß die Männer des Ostend im Rechte sind und sie werden ihnen die Achtung nicht versagen wollen, welche dem ziclbewußten, redlichen Entschlüsse gebührt. Die Männer des Ostend sind nicht gewillt, sich durch lockende Aussichten ins Schlepptau nehmen zu lassen, sie fühlen sich, trotz des enormen Abstandes zwischen ihrer sozialen und ökonomischen Position und derjenigen des Westends, in ihrer vollen Manneswürde den Angesehensten ebenbürtig. Sie wissen sich als jüdische Männer in der Ausübung der heiligsten Pflicht als Hüter des Heiligthums, des hehren Erbes der Gemeinde Jakobs, in welcher der Holzhauer und Wasserträger dein Priester und Fürsten gleichsteht, so cs gilt, das Gesetz zu wahren, in seiner unantastbaren Reinheit gegen Abfall und Verrat!). Und deshalb zweifeln wir auch nicht, daß der edle, gewiß vom redlichsten Eifer erfüllte Manu, der sich nicht zu vornehm dünkt, um aus seinem Palastc im Wcstend in die Mitte seiner Brüder des Ostends 311 treten, mn mit ihnen gemeinsam zu berathcn und zu thaten, diese mannhafte Haltung und diese redliche Ucberzengung würdigen und, w.it entfernt, sich von ihnen deshalb znrückzuzichen, gern bereit sein wird, ihnen zur Ausführung der.also verstandenen Föderation seine kräftige Hand zu leihen, ans daß es gelinge, im Ostend eine große acht jüdische Gemeinde zu begründen, in welcher ein weiser, hervorragender Rabbiner von achtem Schrot und Korn, umgeben von gelehrten Dajam'm, des heiligen Dienstes walte zn Ehren des Jndcnthlnns, zum Heile seiner großen Gemeinde, die nach Zehutanscnden zählen würde, und zur Ehre der londoner Jndcnschast im Allgemeinen. Herr Mvntagn denkt gewiß viel zu groß, um cs seinen Brüdern zu verübeln, daß sie auch selbst ihm gegenüber ihre ans-, richtige Ueberzcngnug zur Geltung zu bringen gedenken. Er ist sicherlich über jene kleinliche Eitelkeit erhaben, die eS nicht verzeihen kann, wenn Andere anderer Meinung sind. Er wird deshalb auch zn seinen Brüdern stehen, wenn am 4. Dezember die Resolutionen des 20. November zur Annahme gelangen, und er wird mit ihnen vereint streben, im Ostend jüdische Schulen zn gründen, in welchen תורה — ,תורה עם דדך אדץ in vollem Maße und דרך ארץ im vollen Umfange gepflegt, und alle Erfordernisse eines wahrhaften קהלה- Lebens unter Leitung eines tüchtigen Rabbiners volle Genüge geleistet wird. Dann wird sein Name und der Name der wackeren Männer des OstendS in unanslöschlichem Glanze strahlen und sie in Wahrheit zu den מצדיקי הרבים zählen, von denen cs heißt: המשכילים יזהירו כזהר הרקיע זמצדיקי הרבים ככוכבים לעולם ועד. Rußland. ~ Warschau, 23. November. Man macht sich auswärts schwerlich einen Begriff von dem Unglück, welches über unsere Glanbeusbrüdcr durch den UkaS heranfbcschworen ist, welcher den fremden Hebräern die Betreibung von Handel und Gewerbe verbietet Derselbe wird mit energischer Strenge durchgcsührt; die Exekutivorganc haben den gemessensten Befehl, unerbittlich vorzugehcn. Nur Denjenigen, welche die Abgaben für die erste Gilde bereits eutrichtet haben, ist bis zuin Schluß deS laufenden Jahrs Frist gelassen worden, ihre Geschäfte abzuwickelu. Diese bilden aber begreiflicher Weise eine sehr geringe Minorität, da die Erwerbung der ersten Gilde sehr theucr ist und nur wirklich vermögende Großhändler dazu im Stande sind. Die große Mehrzahl aber sieht sich völlig dem Ruin preisgegeben. In ihrer Verzweiflung greifen Biele — mehr als mau gemeinhin aunimmt — zu dem Nettnngsmittel der Tause. — — Warum — zum wie vielsten Male? — taucht das Gerücht auf, daß die ewige Judcukommiinou demnächst ihre Arbeiten vollenden wird. Sobald der Präsident derselben. Graf Pahlcu, von seinen Gütern hcimgekehrt sein wird — so heißt cs — soll die Kommission zur Schlußverathung einberufen werden. Ob dem also ist, und wenn ja, ob cs zum Glück oder zum Unglück der Inden sein wird — wer vermag solches zu sagen? NumÜttien. * Herr F. D. Mocatta. in London, hat sich kürzlich einige Leit in Rumänien aufgchaltcn und richtet aus diesem Anlaß an die jüdischen Zeitungen das folgende Schreiben: ״Seit meinem kurzen Verweilen in Rumänien, bin ich von verschiedenen Selten ungefragt worden, was zur Bessernng der Lage unserer uuglücklichtn Brüder in jenem Laude geschehen könne? Ich antworte daraus, daß cs nur eine einzige Sache giebt, in welcher die unter günstigeren Bedingungen lebenden Juden ihnen wirklich helfen können. Und zwar, indem sie die lobcnswert Heu Bestrebungen der rumänischen Inden zur Hebung des Jngcndnntcrrichts unterstützen. Freilich existieren schon Schulen, und zwar manche sehr gute, aber sie reichen nicht, und für den weiblichen Unterricht ist sehr mangelhaft gesorgt. In manchen Gegenden hat man die jüdischen Schulen wegen dcr Armnth der Bevölkerung

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