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Jeschurun · 1887-12-01 · Heft 48 (1.12.1887) · p. 763

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 48 (1.12.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1887-12-01
Page
763 (sequence 2)
Language
German
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763 Gottesdienst statt. Warum gehen sie nicht hin? Vize- Präsident Julius Ritter von Goldschmidt sprach cndlich den Wunsch aus, daß Hypothesen, wie die vom SonntagsgottcSdienst, lieber nicht zur Diskussion gestellt werden. Dadurch wird blos eine bedenkliche Zwietracht in die Versammlung getragen, und cS bedeute der Antrag auch einen Eingriff in die ExekulionSrcchte des Borstandcs. — Bekanntermaßen steht die Wiener KnltnSgemeinde aus dem Boden der Reform, und ein großer Thcil des Vorstandes hat bereits dem sogenannten praktischen Judenthume den Rücken gekehrt. Es ist darum doppelt bemerkenSwerth, daß von Seiten des Vorstandes gegen die Zumuthuug, die Feier dcö SabbathS aus den Sonntag zn verlegen, energisch Ber- Währung eingelegt ist. Man scheint doch der Ansicht zn sein, daß durch derartige Meinungen die Existenz der Gemeinde ein wenig aufs Spiel gesetzt wird, und daß mau sich bereits auf einer schiefen Ebene befindet, da nicht nur in dem privatcn, sondern auch in dem gemeindlichen Leben längst der Reform der Altar errichtet ist. Einer Rcsormgcmeindc gegenüber haben doch die Herren Rnzitzka und Genossen, so unrecht nicht. Es gehört auch keine Prophetengabe dazu, um cinzuschen, daß früher oder später die von ihnen vertretene Forderung sich in weiteren Kreisen Gehör verschaffen wird.. G. Wien, ‘25. November. Dein Verwaltungsbericht der israelitischen Kultusgemeinde dahier entnehme ich, daß! an Spenden an den WohlthätigkeitSverein behnsS Bert Heilung an Bedürftige im Laufe dcS JahreS die Summe von 605(» Gulden einging. An Stiftungen, deren Zinsen verschiedenen Wohlthätigkeitszweigen zu Gute kommen, wurden inSgcsammt 10000 Gulden eingenommen. Für die rauhe Jahreszeit wurden sowohl von der Armenanstalt als auch von der Wohlrhätigkeitsseltivn des Knltusvorstandcs Brenn- Materialien in natura verabfolgt. In dem VcrsorgungS- Hause der israelitischen KultnSgemeinde wurden zwei Frauen und drei Männer ausgenommen. Der Borstand giebt sich der angenehmen Hoffnung hin, daß es ihm im nächsten Jahre gelingen werde, nach der Aktivirung des Knabcn-Waiseuhauses sofort an die Errichtung eines der hiesigen KultuSgemcinde würdigen BcrsorgungShanscS für unsere hülfsbedürftigen Greise schreiten zu können, und ist der sympathischen Aufnahme und wcrkthäligcn Unterstützung aller Gcmcindemitglicder gewiß. Von den im Jahre 1666 verstorbenen!700 Personen, wurden 1006 in würdiger Weise uncnlgeltlich bestattet. England. $§$ London, 24׳. November. Die Bestrebungen des Herrn Samuel Montag»:, welche nicht genug anerkannt werden können, zur Vereinigung der von den ursprünglich fremden Israeliten im Ostend geschaffencn Chewroth, Bet- und Lchrhauser und deren Anschluß au die United Shnagoguc, haben eine »nächtige Bewegung, insbesondere im Ostend wachgerusen. Ich habe Ihnen schon darüber berichtet und auS den sehr behcrzigcnöwcrthen Artikeln der ״Haschulamith" über diese Angelegenheit Einiges mitgetheilt. Herr Montugu hatte mit den Vorstehern der Chewroth eingehend berathcn und verhandelt und es »var beschlossen »vorder», daß die letzteren den Mitgliedern dieser Vereinigung die Sache vortragcn und deren allein maßgebenden Willen über die Föderation überhaupt und die grundlegenden Prinzipier» einer solchen einholcn sollten. Am 4. Dezember sollte alsdann eine neue Versammlung stattsin den, in »velchcr die Vorsteher dem Willen ihrer Mandanten gcrnäß über die Föderation ihr Votum abzngcbeu hätten.. Ob durch Versehen oder Absicht, hieß cs aber in dein Schreiben, welches allen Chewroth zugesaildt ist, um dessen Inhalt der Berathnug seitens der Mitglieder zur Grundlage zu dienen, daß der Plan dieser Föderation beschlossen sei, während in dem Protokolle dieser Plan nnr als Entwurf, als pro- 1080׳ä, vorgcschlagen, bezeichnet »vordcn war. Es hat dieser Umstand nicht wenig dazu bcigetragen, die Gemüther zu erregen und dc»n Ostend den Gedanken uahezulcgcn, daß es jedenfalls gelte, auf der Hut zu sein, um nicht zu einem willenlosen Anhängsel der United Synagoaue zu werden. Der Zweck der Ncrcinigm'.g sei damit ans keinen Fall für die dem Indenthume treuen Männer des Ostend erreicht. Der Entschloß gedieh i»ur»»cr »uchr zur Reife, daß das einzige Ziel der Föderation die Kräftigung wahrhaft jüdischen Geistes und die Förderung wahrhaft jüdischen Levens sein müsse und deshalb empfehle cS sich, die selbstständige Konstituirung einer in sich gefestigten orthoboxen Gemeinde durch die Föderation aller Chewroth im Ostend anzustreben. In der Prinzeß Street School fand am 20. d. M. ciue Versammlung statt, in welcher der größte Theil der Vorsteher zugegen war und nach langer Debatte folgende Resolutionen gefaßt wurden: Die Chewroth treten zu einem Bunde zusammen, welcher den Namen: Im-,U•r:1ti<m of 1116 Synagoge of ih<־ East Ei,4. Dieselbe wird cs als ihre nächste Ausgäbe die Anstellung eines eigenen Rabbiners und eigener Dajanim für die fremden Juden Londons anstreben. Die dergestalt ins Leben getretene Gemeinde »vird dann zu erwägen haben, in welcher näheren Beziehnng sie zn der United Synagogue treten kann; insbesondere ob und »vre sic in Betreff der Schcchita und anderer gemeinsamen Institutionen und Angelegenheilen unter Wahrung ihrer Selbstständigkeit, namcntlich auf alle religiösen Interessen, sich mit den betreffenden Verlvaltungen ins Einvernehmen setzen kann. Die

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