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Jeschurun · 1887-11-17 · Heft 46 (17.11.1887) · p. 733

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 46 (17.11.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1887-11-17
Page
733 (sequence 2)
Language
German
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733 kandidat Rudolf Wittmann hat sich unterfangen, in den ״Unverfälschten Deutschen Worten" dagegen zu Felde zu ziehen. Herr Wittmann ergeht sich in jenem Artikel unter Anderen in solgendcn Krajtaußcrungen: Bekanntlich heißt das neueste Schlagwort, das die semitischen Kreise unserer Residenz in ihrer historischen SchassfellmaSke unter überlauten Tam-Tamschlägen kolportircn: Hungernde Schulkinder! Sie vermeinen dadurch, diejenigen arischen Hunde, die durch die abgenützten politischen liberalen Köderbrockcn nicht mehr von der Stelle zu bringen sind, durch das scheinheilige Vorhalten dieser HumanitätSleimruthe zuversichtlich noch einmal vom Ofen locken, für sich einnchmcn und dethörcn zn können!!! — Das sind aber fruchtlose Bemühungen. Die gebrannten Kinder fürchten bekanntlich das Feuer! — Und Denjenigen, die Einem Hab' und Gut entrungen und sich damit gesättigt haben und dann Einem unter überqncllenden HnmamtätSbetheue- Hingen, als Almosen, als Stütze und als Hort für die Zukunft den nackten Vettelstccken in die Hand drücken wollen, bringt man kein Herz, keinen Dank und kein Vertrauen mehr entgegen!!! — Wir Le nie von offenem Gesichte und deutscher Art sehen schon überlange, nicht erst seit zwei Wochen,, dieses allgemeine Elend und als Akkompagnement diesen frevelhaften, semitischen Hohn und stehen demzufolge seit dieser Zeit schon rüstig an der Esse und schmieden und schweißen, so still, wie möglich, dauernde, stählerne Hülfsmittel für unser armes, hartgeprnftes Volk! Und weil wir von edlerer Art sind wie diese Herren, so wird auch unsere Gabe edler und nicht so bcttethaft sein, wie die ihrige. Nicht ein Löffel Gemüse für die hungernden Kinder allein wird unser Geschenk sein, sondern wir werden für unsere Völker solche regcnerireude wirthschastliche und nationale Grundlagen erringen, daß unsere Kinder alsdann sogar gemeinsam an einem Tische mit ihren wieder bernssfrendig und lebensfroh gewordenen Eltern vor der vollen Schüssel, wie das cinstcnS Mode war. bei sorglosem Scherz und Glimpf werden Platz nehmen können und cs weiters so cinrichten, daß die drückende Sorge dann mit Jenen für immer sortgezogen bleibt, die uns dieselbe früher ruchlos inS Haus gebracht haben!!" — Nun, bei Herrn Wittmann dürfen uns derlei Auslassungen׳ kein Wunder nehmen, wenn wir zur Jllustrirung seiner Charaktereigenschaften im ״Wiener Tageblatt" vom 6. November lesen, daß Herr Wittmann einen unglücklichen blödsinnigen Bruder nunmehr!2 Jahre in einer elenden Kammer seines Hauswesens, in welche weder Lust noch Licht dringen kann, verkommen läßt. Ein solcher Mann darf uns wahrhaftig keine Ansllärung darüber zu geben, warum er augenblicklich keine hungernden Schullinder sich ins Haus ladet. — Herr Wittman hat wahrlich augenblicklich genug vor seiner eigenen Thür zn kehren! A. Prestbrrrg, 13. November. Freitag, am 11. b. M., am Martinstagc, wurden die üblichen Martinsgänse von der Prcßbnrger jüdisch-octljobo^cn Gemeinde in der k. Hofburg in Wien überreicht. Dem Kaiser wird mit vier, der Kaiierin, dem Kronprinzen, der Kronprinzessin mit je zwei Stück sorgsam gerupfter und mit Bändern in den kaiserlichen und ungarischen Landcssarbcn geschmückter, wahrer Prachtexplare ansgewartet. Die Deputation dieser Gemeinde wird, — nachdem Sr. Majestät von Wien abwesend ist — erst am Donnerstag, den 17. d. M., vom Kaiser in Audienz empfangen. — Der ״N. Fr. Pr." wird von einem ״Altwiencr" das Folgende über die ״Martinsgänse" geschrieben: In Ihrem Feuilleton ״Der MartinStag in Ungarn" wird nebenbei die Meinung ausgesprochen, cS sei die Sitte, daß die Inden aus Preßburg am Martinstagc dem Kaiser Gänse darbringen, unter Kaiser Joseph ll. anfgekommcn. Wir bemerken vorerst, daß auch in der Wiener Familie Wertheimcr eine gleiche Huldigung üblich war. Der vor Kurzem verftorbene Joseph Ritter v. Wertheimcr erzählte, daß seinem Vater gestattet ward, nebst noch zwei Familien- Mitgliedern dem Kaiser die wohlgeinüstetei., mit Vandcrn geschmückten Gänse darznbringen. Joseph II. hörte die feierliche Ansprache an und erwiderte den Verblüfften wörtlich Folgendes: ,.Hat denn die Dummheit noch nicht anfgehört?" Niemand kennt den Ursprung dieses Brauches, der übrigens noch derzeit geübt wird. England. *§§ London, 13. November, lieber die Bestrcbungm zur Bereinigung der verschiedenen kleinen Geiwssenschaflcn im Ostend, wo namentlich das russische Element stark vertreten ist, bezw. deren Anschluß an die ossizielle Gemeinde, welche von höchst achtungswerthcr Seite eifrig betrieben werden, bringt die hier im Jargon erscheinende Zeitung ״Haschnlamith" sehr bcachtcnsMerthc Artikel, aus welchen ich das Folgende mittheile: Wenn man davon spricht, daß Juden als Juden sich föbcrircu sollen, so kann man dabei nichts Anderes meinen, als daß sic verbunden zusammen arbeiten, damit die Ausgaben und Pflichten, welche die heilige jüdische Religion jedem Juden auserlegt, vollkommener ausgcsührt werden, als es dem Einzelnen möglich ist, und damit die Gesanumheit für alle' diejenigcu Institutionen Fürsorge trifft, deren Schaffung oder Unterhaltung dem Einzelnen für sich allein nicht möglich ist. Wo viele Inden schon längere Zeit beisammcn wohnen und eine Gemeinde bilden, ist deShalb in der Regel für Alles gesorgt, was die Religion

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