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Jeschurun · 1887-11-10 · Heft 45 (10.11.1887) · p. 718

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 45 (10.11.1887)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1887-11-10
Page
718 (sequence 2)
Language
German
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718 die Nothwendigkeit fühlbar gemacht, für die Befriedignng der religiösen Bedürfnisse zu wirken. Ein Verein, welcher sich ״Bene Be! iß" nennt, ist inS Leben getreten und Ijat für ein geeignetes Bctlokal und die Errichtung einer Neligiousschulc Sorge getragen. Der Verein will jetzt seine Wirksamkeit ausdehnen und erläßt einen Ausruf, um das Interesse und die Opfer- Willigkeit für seine Zircckc in weiten Kreisen anzuregen. Aus diesem Aufruf möge der folgende Satz hier angefiihrt sein. ״DaS geradezu heidnische Auswachsen unserer Jugend und das sogenannte Kneipenbeten an unseren heiligsten Festtagen hat in einigen Bewohnern des Ostens daS Interesse wach geruscn für ihre religiösen Bedürfnisse selbst Sorge .zu tragen und ist auf diese Weise und um einem schreienden Bedürfnisse abzuhelfe!!, durch einiges und festes Zusammenwirken gelangen, ohne jede Mittel einen Verein inö Leben zu rufen, der bis heute seine heiligsten Pflichten treu und gewissenhaft, wenn auch unter Aufbringung nicht geringer Opfer, erfüllt hat. Es dürste für unsere geehrten Glaubensgenossen zu erfahren von Interesse sein, daß bei Errichtung unserer NcligionSschnle, die Bedürsnihsrage von beut hiesigen Kgl. Polizeiprasidio beslätigt worden, und daß wir in den ersten Semestern Zöglinge im Alter von 15—l 6 Jahren auszunehmen hatten, die von ihrer Netigion auch nicht eine Ahnung gehabt. Bon dettt Resultat unserer Anstalt augespornt und von dein Gedanken getrieben, daß kein anderer UntcrrichtSgcgcnstand so den ganzen Menschen nach ollen Richtungen hin bilde, wie gerade die wahrhaste NeligiouSlehre, welche daS Gefühl und den Willen dcS Menschen belebt, kräftigt und richtet, welche Liebe erweckt gegen Gott und unsere Nebenmcnschen. haben wir selbst solchen Zöglingen, welche nicht in der Lage sind, Schulgeld zu zahlen, unsere Anstalt bereitwilligst geöffnet. Nachdem nun unser Verein zunächst seinen Kultus in einem zu diesem Zwecke hergerichtetcu Saale abgehalten, hat er sich durch daS Wachsen der Zahl seiner Mitglieder berufen gefühlt, ein Gotteshaus bauen zu lassen und dasselbe auf 5 Jahre zu miethcn. Dank dem steten WachSlhutu unserer Mitglieder hat sieh das Gotteshaus als zu klein herausgestellt, so daß wir zur Errichtung einer größeren Synagoge schreiten mußten." 1׳'. Erfurt, 2. November. In der heutigen Sitzung des SchöfscttgerichtS wurde der Kaufmann Hutter zu 30 Mark Geldbuße wegen öffentlicher Be- Icidigung dcS Kaufmanns Katzenstein verurthcilt. Der Beklagte, welcher schon länger mit dem Kläger in Feindschaft lebte, hatte nämlich im Juni d. I. den Kläger, als dieser ein hiesiges Restaurant betrat, mit einem Kauplet empfangen, das den folgenden Nefrain hatte: ״Da kommt. nun herein — der Jude Katzenstein". K. Köslin, 4. November. Ein hiesiger jüdischer Apotheker wurde neuerdings von dem Stadtverordnetenkollegium zum SchuldendeputationSmitglied gewählt. Der Magistrat erkannte indeß die Wahl nicht an, sondeen forderte die Stadtverordneten auf, eine Neuwahl zu veranflattcu und an Stelle des Israeliten einen Christen zu wählen. Das Stadtverordnelcnkolleginm legte gegen diese eigenthümliche Zumuthung Verwahrung ein und hat die Sache der Königlichen Negierung zur Entscheidung unterbreitet. Frankreich. -e- Paris, 7. November. Dem ״Osserv. Cat.י" ist eS um die christliche Gesittung Frankreichs bange'. Er sieht daS ganze Land bereits von den — Inden okkupirt. Er berichtet die furchtbare Thatsache folgendermaßen: ״Wie sehr das jüdische Element in Frankreich vorherrscht, beweist die Thatsache, daß es in der Hauptftabt Paris nicht weniger als neun jüdische Polizeikommissäre (die jeder ein Quartier administriren) giebt, wozu noch 1 5 jüdische Richter, 4 Staatsanwälte und 30 und einige Präsckturbcamte kommen. Die öffcntliche Sicherheit in Frankreich liegt vorwiegend in der Hand von Inden. Taylor, der Ehef der SicherhcitS- Polizei, ist Jude, und so erklärt eS sich vielleicht auch, weshalb die EigenthumSvcrbrechen sich in letzter Zeit vervierfacht haben. 'ES fehlt nur noch ein jüdischer Polizeipräfckt, ein jüdischer Jnstizministcr und ein jüdischer Präsiden! der Republik." Es giebt keine größere ׳tzerfidie, als die Zunahme der EigenthnmSverbrcchen — falls eine solche in der That zu konstatiren wäre, waö noch sehr die Frage ist — mit dem Religionsbekenntnisse des Chefs der SicherhcitSbehördc in Verbindung zu bringen. Will das fromme Blatt vielleicht auch das Brsgantenthum und die sprichwörtliche Unsicherheit in dem ehemaligen Königreiche beider Sizilien und dem Kirchenstaate durch daS christliche Bekenntnis; der Staatsorgane erklären? * Paris. Die in Nummero 4k/42 nach dem ״ArchiveS IsraelitcS" gebrachte Notiz, daß Herr von Hirsch den enormen Betrag von hundert Millionen für anSwüuige WohlthätigkeitSzwecke zu bestimmen gedenke, wird numuchr dcmentirt. Dieses Dementi bezieht sich aus die Höhe der Summe, welche sich vielleicht auf etwa den hundertsten Theil rcduzircn dürste. Rußland. Petersburg, Ende.Oktober. Von Seiten dcS Ministeriums ist eine statistische Aufnahme im ganzen Reiche darüber angeordnet worden, wie viele Juden als Aerzte, Chirurgen und Zahnärzte finigircn. ES sott in einer besonder!! Rubrik angegeben werden, wie viele von ihnen eine Anstellung in den jüdischen Gemeinden haben. Es scheint demnach beabsichtigt zu werden, auch die AuS- Übung der ärztlichen Praxis den Juden zu erschweren.

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